Der Prediger.

Nichtigkeit alles Irdischen.

\1\

$1/1$ Worte des Predigers, des Sohnes Davids, des Knigs in
Jerusalem. $1/2$ Nichtigkeit der Nichtigkeiten! - spricht der
Prediger; Nichtigkeit der Nichtigkeiten, alles ist Nichtigkeit!
$1/3$ Welchen Gewinn hat der Mensch von all seinem Mhen, mit
dem er sich abmht unter der Sonne? $1/4$ Eine Generation kommt,
und eine Generation geht; aber die Erde besteht in Ewigkeit.
$1/5$ Und die Sonne geht auf, und die Sonne geht [unter], und
sie strebt ihrem Ort zu, wo sie [wieder] aufgeht. $1/6$ Der Wind
geht nach Sden und wendet sich nach Norden. Immer wieder sich
wendend geht er [dahin], und zu seinem Ausgangspunkt kehrt der
Wind zurck. $1/7$ Alle Flsse gehen ins Meer, und das Meer wird
nicht voll. An den Ort, wohin die Flsse gehen, dorthin gehen
sie [immer] wieder. $1/8$ Alle Worte mhen sich ab. Nichts
vermag ein Mensch zu sagen. Das Auge wird nicht satt zu sehen
und das Ohr nicht voll vom Hren. $1/9$ Das, was war, ist das,
was [wieder] sein wird. Und das, was getan wurde, ist das, was
[wieder] getan wird. Und es gibt gar nichts Neues unter der
Sonne. $1/10$ Gibt es ein Ding, von dem einer sagt: `Siehe, das
ist neu? Lngst ist es gewesen fr die Zeitalter, die vor uns
gewesen sind. $1/11$ Da gibt es keine Erinnerung an die
Frheren. Und an die Knftigen, die sein werden, auch an sie
wird man sich nicht mehr erinnern bei denen, die [noch] spter
sein werden. Nichtigkeit des Strebens nach Weisheit und
Erkenntnis $1/12$ Ich, [der] Prediger, war Knig ber Israel in
Jerusalem. $1/13$ Und ich richtete mein Herz darauf, in Weisheit
alles zu erforschen und zu erkunden, was unter dem Himmel getan
wird. Ein bles Geschft hat Gott [da] den Menschenkindern
gegeben, sich darin abzumhen. $1/14$ Ich sah all die Taten, die
unter der Sonne getan werden, und siehe, alles ist Nichtigkeit
und ein Haschen nach Wind. $1/15$ Gekrmmtes kann nicht gerade
werden, und Fehlendes kann nicht gezhlt werden. $1/16$ Ich
sprach in meinem Herzen und sagte: Ich [nun], siehe, ich habe
[die] Weisheit vergrert und vermehrt, mehr als jeder, der vor
mir ber Jerusalem war, und mein Herz hat in Flle Weisheit und
Erkenntnis geschaut. $1/17$ Auch richtete ich mein Herz darauf,
Weisheit zu erkennen und Erkenntnis von Tollheit und Torheit [zu
haben]. [Doch] erkannte ich, da auch das [nur] ein Haschen nach
Wind ist. $1/18$ Denn wo viel Weisheit ist, ist viel Verdru,
und wer Erkenntnis mehrt, mehrt Kummer.

Nichtigkeit des Vergngens und der Arbeit.

\2\

$2/1$ Ich sprach in meinem Herzen: Wohlan denn, versuch es mit
der Freude und geniee das Gute! Aber siehe, auch das ist
Nichtigkeit. $2/2$ Zum Lachen sprach ich: Unsinnig ist es! - und
zur Freude: Was schafft die? $2/3$ Ich beschlo in meinem
Herzen, meinen Leib durch Wein zu laben, whrend mein Herz sich
mit Weisheit beschftigte, und die Torheit zu ergreifen, bis ich
she, was den Menschenkindern zu tun gut wre unter dem Himmel,
die Zahl ihrer Lebenstage. $2/4$ Ich unternahm groe Werke: Ich
baute mir Huser, ich pflanzte mir Weinberge. $2/5$ Ich machte
mir Grten und Parks und pflanzte darin die unterschiedlichsten
Fruchtbume. $2/6$ Ich machte mir Wasserteiche, um daraus den
aufsprieenden Wald von Bumen zu bewssern. $2/7$ Ich kaufte
Knechte und Mgde und hatte Hausgeborene. Auch hatte ich
greren Besitz an Rindern und Schafen als alle, die vor mir in
Jerusalem waren. $2/8$ Ich sammelte mir auch Silber und Gold und
Schtze von Knigen und Lndern. Ich beschaffte mir Snger und
Sngerinnen und die Vergngungen der Menschenkinder: Frau und
Frauen. $2/9$ Und ich wurde grer und reicher als alle, die vor
mir in Jerusalem waren. Dazu verblieb mir meine Weisheit. $2/10$
Und alles, was meine Augen begehrten, entzog ich ihnen nicht.
Ich versagte meinem Herzen keine Freude, denn mein Herz hatte
Freude von all meiner Mhe, und das war mein Teil von all meiner
Mhe. $2/11$ Und ich wandte mich hin zu all meinen Werken, die
meine Hnde gemacht, und zu der Mhe, mit der ich mich abgemht
hatte. Und siehe, das alles war Nichtigkeit und ein Haschen nach
Wind. Also gibt es keinen Gewinn unter der Sonne. Bemhen um
Weisheit ist nichtig wie um Torheit $2/12$ Und ich wandte mich,
um Weisheit und Tollheit und Torheit zu betrachten. Denn was
[wird] der Mensch [tun], der nach dem Knig kommen wird? Das,
was man schon lngst getan hat. $2/13$ Und ich sah, da die
Weisheit [den gleichen] Vorzug vor der Torheit hat wie das Licht
vor der Finsternis. $2/14$ Der Weise hat seine Augen in seinem
Kopf, der Tor aber geht in der Finsternis. Doch erkannte ich
auch, da ein [und dasselbe] Geschick sie alle trifft. $2/15$
Und ich sprach in meinem Herzen: Gleich dem Geschick des Toren
wird es auch mich treffen. Wozu bin ich dann so beraus weise
gewesen? Und ich sprach in meinem Herzen, da auch das
Nichtigkeit ist. $2/16$ Denn es gibt keine bleibende Erinnerung
an den Weisen, so wenig wie an den Toren, weil in den kommenden
Tagen alles lngst vergessen sein wird. Und wie stirbt der Weise
gleich dem Toren hin! $2/17$ Da hate ich das Leben, denn das
Tun, das unter der Sonne getan wird, war mir zuwider. Denn alles
ist Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind. - $2/18$ Und ich
hate all mein Mhen, mit dem ich mich abmhte unter der Sonne.
Ich mu es [ja] doch dem Menschen hinterlassen, der nach mir
sein wird. $2/19$ Und wer wei, ob der weise oder tricht sein
wird? Und doch wird er Macht haben ber all mein Mhen, mit dem
ich mich abgemht habe und worin ich weise gewesen bin unter der
Sonne. Auch das ist Nichtigkeit. $2/20$ Da wandte ich mich, mein
Herz der Verzweiflung zu berlassen, wegen all dem Mhen, mit
dem ich mich abgemht hatte unter der Sonne. $2/21$ Denn da ist
ein Mensch, dessen Mhen in Weisheit und in Erkenntnis und in
Tchtigkeit [geschieht]; und doch mu er sie einem Menschen als
sein Teil abgeben, der sich nicht darum gemht hat. Auch das ist
Nichtigkeit und ein groes bel. $2/22$ Denn was bleibt dem
Menschen von all seinem Mhen und vom Streben seines Herzens,
womit er sich abmht unter der Sonne? $2/23$ Denn all seine Tage
sind Leiden, und Verdru ist sein Geschft; selbst nachts findet
sein Herz keine Ruhe. Auch das ist Nichtigkeit. $2/24$ Es gibt
nichts Besseres fr den Menschen, als da er it und trinkt und
seine Seele Gutes sehen lt bei seinem Mhen. Auch das sah ich,
da dies alles aus der Hand Gottes [kommt]. $2/25$ Denn: `Wer
kann essen und wer kann frhlich sein ohne mich? $2/26$ Denn dem
Menschen, der vor ihm wohlgefllig ist, gibt er Weisheit und
Erkenntnis und Freude. Dem Snder aber gibt er das Geschft
einzusammeln und aufzuhufen, um es dem abzugeben, der vor Gott
wohlgefllig ist. Auch das ist Nichtigkeit und ein Haschen nach
Wind.

Wechselhaftigkeit menschlichen Lebens - Zufriedenheit durch
Gottesfurcht.

\3\

$3/1$ Fr alles gibt es eine [bestimmte] Stunde. Und fr jedes
Vorhaben unter dem Himmel [gibt es] eine Zeit: $3/2$ Zeit frs
Gebren und Zeit frs Sterben, Zeit frs Pflanzen und Zeit frs
Ausreien des Gepflanzten, $3/3$ Zeit frs Tten und Zeit frs
Heilen, Zeit frs Abbrechen und Zeit frs Bauen, $3/4$ Zeit frs
Weinen und Zeit frs Lachen, Zeit frs Klagen und Zeit frs
Tanzen, $3/5$ Zeit frs Steinewerfen und Zeit frs
Steinesammeln, Zeit frs Umarmen und Zeit frs sich Fernhalten
vom Umarmen, $3/6$ Zeit frs Suchen und Zeit frs Verlieren,
Zeit frs Aufbewahren und Zeit frs Wegwerfen, $3/7$ Zeit frs
Zerreien und Zeit frs Zusammennhen, Zeit frs Schweigen und
Zeit frs Reden, $3/8$ Zeit frs Lieben und Zeit frs Hassen,
Zeit fr Krieg und Zeit fr Frieden. $3/9$ Welchen Gewinn hat
also der Schaffende bei dem, womit er sich abmht? $3/10$ Ich
habe das Geschft gesehen, das Gott den Menschenkindern gegeben
hat, sich darin abzumhen. $3/11$ Alles hat er schn gemacht zu
seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, nur
da der Mensch das Werk nicht ergrndet, das Gott getan hat, vom
Anfang bis zum Ende. $3/12$ Ich erkannte, da es nichts Besseres
bei ihnen gibt, als sich zu freuen und sich in seinem Leben
gtlich zu tun. $3/13$ Aber auch, da jeder Mensch it und
trinkt und Gutes sieht bei all seinem Mhen, das ist eine Gabe
Gottes. $3/14$ Ich erkannte, da alles, was Gott tut, fr ewig
sein wird. Es ist ihm nichts hinzuzufgen und nichts davon
wegzunehmen. Und Gott hat es [so] gemacht, damit man sich vor
ihm frchtet. $3/15$ Was da ist, war lngst, und was sein wird,
ist lngst gewesen; und Gott sucht das Entschwundene [wieder]
hervor. Rtselhaftigkeit des menschlichen Geschicks $3/16$ Und
ferner sah ich unter der Sonne: An dem Ort des Rechts, dort war
die Ungerechtigkeit, und an dem Ort der Gerechtigkeit, dort war
die Ungerechtigkeit. $3/17$ Ich sprach in meinem Herzen: Gott
wird den Gerechten und den Ungerechten richten, denn es gibt
eine Zeit dort fr jedes Vorhaben und fr jedes Werk. $3/18$ Ich
sprach in meinem Herzen: Der Menschenkinder wegen ist es [so],
da Gott sie prft und damit sie sehen, da sie nichts anderes
als Vieh sind. $3/19$ Denn das Geschick der Menschenkinder und
das Geschick des Viehs - sie haben ja ein [und dasselbe]
Geschick - [ist dies]: wie diese sterben, so stirbt jenes, und
einen Odem haben sie alle. Und einen Vorzug des Menschen vor dem
Vieh gibt es nicht, denn alles ist Nichtigkeit. $3/20$ Alles
geht an einen Ort. Alles ist aus dem Staub geworden, und alles
kehrt zum Staub zurck. $3/21$ Wer kennt den Odem der
Menschenkinder, ob er nach oben steigt, und den Odem des Viehs,
ob er nach unten zur Erde hinabfhrt? $3/22$ Und ich sah, da es
nichts Besseres gibt, als da der Mensch sich freut an seinen
Werken; denn das ist sein Teil. Denn wer wird ihn dahin bringen,
hineinzusehen in das, was nach ihm sein wird?

Sinnlosigkeit des Lebens durch Unterdrckung, Eifersucht und
Einsamkeit.

\4\

$4/1$ Und ich wandte mich und sah all die Unterdrckungen, die
unter der Sonne geschehen. Und siehe, [da waren] Trnen der
Unterdrckten, und sie hatten keinen Trster. Und von der Hand
ihrer Unterdrcker ging Gewalttat aus, und sie hatten keinen
Trster. $4/2$ Da pries ich die Toten, die lngst gestorben
sind, mehr als die Lebenden, die jetzt noch leben. $4/3$ Und
glcklicher als sie beide [pries ich] den, der noch nicht
gewesen ist, der das bse Tun nicht gesehen hat, das unter der
Sonne geschieht. $4/4$ Und ich sah all das Mhen und alle
Tchtigkeit [bei] der Arbeit, da es Eifersucht des einen gegen
den anderen ist. Auch das ist Nichtigkeit und ein Haschen nach
Wind. - $4/5$ Der Tor legt seine Hnde ineinander und verzehrt
sein eigenes Fleisch. - $4/6$ Besser eine Hand voll Ruhe als
beide Fuste voll Mhe und Haschen nach Wind. $4/7$ Und ich
wandte mich und sah Nichtigkeit unter der Sonne: $4/8$ Da ist
einer [allein] und kein zweiter [bei ihm], auch hat er weder
Sohn noch Bruder, und fr all sein Mhen gibt es kein Ende, auch
werden seine Augen am Reichtum nicht satt. Fr wen mhe ich mich
also und lasse meine Seele Gutes entbehren? Auch das ist
Nichtigkeit und ein bles Geschft. $4/9$ Zwei sind besser daran
als ein einzelner, weil sie einen guten Lohn fr ihre Mhe
haben. $4/10$ Denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen
Gefhrten auf. Wehe aber dem einzelnen, der fllt, ohne da ein
zweiter da ist, ihn aufzurichten! $4/11$ Auch wenn zwei
[beieinander] liegen, so wird ihnen warm. Dem einzelnen aber,
wie soll ihm warm werden? $4/12$ Und wenn einer den einzelnen
berwltigt, so werden [doch] die zwei ihm widerstehen; und eine
dreifache Schnur wird nicht so schnell zerrissen. Nichtigkeit
der Volksgunst $4/13$ Besser ein Junge, arm aber weise, als ein
Knig, alt aber tricht, der [es] nicht versteht, sich warnen zu
lassen. $4/14$ Ja, aus dem Gefngnis geht er hervor, um Knig zu
werden, obwohl er als Armer unter der Knigsherrschaft jenes
[Knigs] geboren wurde. $4/15$ Ich sah alle Lebenden, die unter
der Sonne leben, mit dem Jungen, dem zweiten, der an jenes
Stelle treten sollte: $4/16$ endlos das ganze Volk, alle die,
die er fhrte. [Doch] auch ber ihn werden sich die Spteren
nicht freuen. Denn auch das ist Nichtigkeit und ein Haschen nach
Wind. Warnung vor Ehrfurchtslosigkeit gegenber Gott $4/17$
Bewahre deinen Fu, wenn du zum Haus Gottes gehst! Und:
Herantreten, um zu hren, ist besser, als wenn die Toren
Schlachtopfer geben; denn sie sind Unwissende, so da sie Bses
tun. -

\5\

$5/1$ Sei nicht vorschnell mit deinem Mund, und dein Herz eile
nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen! Denn Gott ist im
Himmel, und du bist auf der Erde; darum seien deine Worte
wenige. $5/2$ Denn bei viel Geschftigkeit kommt der Traum und
bei vielen Worten trichte Rede. - $5/3$ Wenn du Gott ein
Gelbde ablegst, zgere nicht, es zu erfllen! Denn er hat kein
Gefallen an den Toren. Was du gelobst, erflle! $5/4$ Besser,
da du nicht gelobst, als da du gelobst und nicht erfllst.
$5/5$ Gestatte deinem Mund nicht, da er dein Fleisch in Snde
bringt! Und sprich nicht vor dem Boten [Gottes]: Es war ein
Versehen! Wozu soll Gott ber deine Stimme zrnen und das Werk
deiner Hnde verderben? $5/6$ Denn bei vielen Trumen und
Nichtigkeiten sind auch viele Worte. So frchte Gott!
Nichtigkeit des Reichtums - Rat zu einfacher Lebensfhrung $5/7$
Wenn du Unterdrckung des Armen und Raub von Recht und
Gerechtigkeit im Land siehst, wundere dich nicht ber die Sache,
denn ein Hoher wacht ber dem [anderen] Hohen, und Hohe ber
ihnen [beiden]. $5/8$ Doch ein Gewinn fr das Land ist bei
alldem [dies]: Ein Knig, [der] fr das bebaute Feld [sorgt].
$5/9$ Wer Geld liebt, wird des Geldes nicht satt, und wer den
Reichtum liebt, nicht des Ertrages. Auch das ist Nichtigkeit. -
$5/10$ Wenn das Gut sich mehrt, so mehren sich die, die davon
zehren. Und welchen Nutzen hat sein Besitzer, als da seine
Augen es ansehen? - $5/11$ S ist der Schlaf des Arbeiters, ob
er wenig oder viel it; aber der berflu des Reichen lt ihn
nicht schlafen. - $5/12$ Es gibt ein schlimmes bel, das ich
unter der Sonne gesehen habe: Reichtum, der von seinem Besitzer
zu seinem Unglck aufbewahrt wird. $5/13$ Und geht solcher
Reichtum durch ein unglckliches Ereignis verloren und hat er
einen Sohn gezeugt, so ist gar nichts in dessen Hand. $5/14$ Wie
er aus dem Leib seiner Mutter hervorgekommen ist, nackt wird er
wieder hingehen, wie er gekommen ist, und fr seine Mhe wird er
nicht das Geringste davontragen, das er in seiner Hand mitnehmen
knnte. $5/15$ Und auch dies ist ein schlimmes bel: Ganz wie er
gekommen ist, wird er hingehen. Und was fr einen Gewinn hat er
davon, da er fr den Wind sich mht? $5/16$ Auch it er all
seine Tage in Finsternis und hat viel Verdru und Krankheit und
Zorn. $5/17$ Siehe, was ich als gut, was ich als schn ersehen
habe: Da einer it und trinkt und Gutes sieht bei all seiner
Mhe, mit der er sich abmht unter der Sonne, die Zahl seiner
Lebenstage, die Gott ihm gegeben hat; denn das ist sein Teil.
$5/18$ Auch jeder Mensch, dem Gott Reichtum und Gter gegeben
und den er ermchtigt hat, davon zu genieen und sein Teil zu
nehmen und sich bei seiner Mhe zu freuen, - das ist eine Gabe
Gottes. $5/19$ Denn er denkt nicht viel an die Tage seines
Lebens, weil Gott ihn mit der Freude seines Herzens beschftigt.

Nichtigkeit von Reichtum und Ehre.

\6\

$6/1$ Es gibt ein bel, das ich unter der Sonne gesehen habe,
und schwer [lastet] es auf dem Menschen: $6/2$ Ein Mensch, dem
Gott Reichtum und Gter und Ehre gibt, und seiner Seele fehlt
nichts von allem, was er wnschen mag; aber Gott ermchtigt ihn
nicht, davon zu genieen, sondern ein fremder Mann geniet es.
Das ist Nichtigkeit und ein schlimmes bel. - $6/3$ Wenn ein
Mann hundert [Kinder] zeugte und viele Jahre lebte, da die Tage
seiner Jahre viele wren, aber seine Seele sich nicht am Guten
sttigte, und ihm auch kein Begrbnis [zuteil] wrde, [von dem]
sage ich: Eine Fehlgeburt ist besser daran als er. $6/4$ Denn in
Nichtigkeit kommt sie, und in Finsternis geht sie dahin, und mit
Finsternis wird ihr Name bedeckt; $6/5$ auch hat sie die Sonne
nicht gesehen und nicht gekannt. Diese hat mehr Ruhe als jener.
$6/6$ Und wenn er auch zweimal tausend Jahre gelebt, aber Gutes
nicht gesehen htte, - geht nicht alles an einen Ort? $6/7$
Alles Mhen des Menschen ist fr seinen Mund, und doch wird
seine Begierde nicht gestillt. $6/8$ Denn was fr einen Vorzug
hat der Weise vor dem Toren? Was [ntzt es] dem Demtigen, der
es versteht, vor den Lebenden [recht] zu wandeln? $6/9$ Besser
das Sehen mit den Augen als das Umherschweifen der Begierde!
Auch das ist Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind. $6/10$ Was
geschieht, [schon] lngst ist sein Name genannt, und bekannt
ist, was ein Mensch sein wird. Darum kann er nicht mit dem
rechten, der strker ist als er. $6/11$ Denn da sind viele
Worte, die die Nichtigkeit [nur] grer machen. - Welchen Nutzen
hat der Mensch davon? $6/12$ Denn wer erkennt, was fr den
Menschen im Leben gut ist, die Zahl der Tage seines nichtigen
Lebens, die er wie ein Schatten verbringt? Denn wer kann dem
Menschen mitteilen, was nach ihm sein wird unter der Sonne?

Mahnung zur Anerkennung gttlicher Fhrungen, zu einem guten
Mittelweg und zu echter Weisheit.

\7\

$7/1$ Besser ein [guter] Name als gutes Salbl und der Tag des
Todes als der Tag, da einer geboren wird. $7/2$ Besser, ins Haus
der Trauer zu gehen, als ins Haus des Gastmahls zu gehen; denn
jenes ist das Ende aller Menschen, und der Lebende nimmt es sich
zu Herzen. - $7/3$ Besser Verdru als Lachen; denn bei traurigem
Gesicht ist das Herz in rechter Verfassung. - $7/4$ Das Herz der
Weisen ist im Haus der Trauer, das Herz der Toren aber im Haus
der Freude. $7/5$ Besser, das Schelten des Weisen zu hren, als
da einer das Singen der Toren hrt. $7/6$ Denn wie das Prasseln
der Dornen unter dem Kochtopf so das Lachen des Toren. Auch das
ist Nichtigkeit. $7/7$ Ja, unrechter Gewinn macht den Weisen zum
Toren, und das Bestechungsgeschenk richtet das Herz zugrunde.
$7/8$ Besser das Ende einer Sache als ihr Anfang, besser
langmtig als hochmtig. $7/9$ Sei nicht vorschnell in deinem
Geist zum Zorn, denn der Zorn ruht im Busen der Toren. $7/10$
Sage nicht: Wie kommt es, da die frheren Tage besser waren als
diese? Denn nicht aus Weisheit fragst du danach. $7/11$ Gut ist
Weisheit [zusammen] mit Erbbesitz und ein Vorteil fr die, die
die Sonne sehen. $7/12$ Denn im Schatten der Weisheit [ist es
wie] im Schatten des Geldes; aber der Gewinn der Erkenntnis ist
der: Die Weisheit erhlt ihren Besitzer am Leben. $7/13$ Sieh
das Werk Gottes an! Ja, wer kann gerade machen, was er gekrmmt
hat? $7/14$ Am Tag des Glcks sei guter Dinge! Und am Tag des
Unglcks bedenke: Auch diesen hat Gott ebenso wie jenen gemacht;
gerade deshalb, weil der Mensch gar nichts herausfinden kann
[von dem], was nach ihm ist. $7/15$ Das alles habe ich gesehen
in den Tagen meiner Nichtigkeit! Da ist ein Gerechter, der bei
seiner Gerechtigkeit umkommt, und da ist ein Ungerechter, der
bei seiner Bosheit [seine Tage] verlngert. $7/16$ Sei nicht
allzu gerecht und gebrde dich nicht bermig weise! Wozu
willst du dich zugrunde richten? $7/17$ Sei nicht allzu
ungerecht und sei kein Tor! Wozu willst du sterben, ehe deine
Zeit da ist? $7/18$ Es ist gut, da du an diesem festhltst und
auch von jenem deine Hand nicht lt, denn der Gottesfrchtige
entgeht dem allen. $7/19$ Die Weisheit hilft den Weisen mehr als
zehn Machthaber, die in der Stadt sind. $7/20$ Denn kein Mensch
auf Erden ist [so] gerecht, da er [nur] Gutes tte und niemals
sndigte. $7/21$ Auch richte dein Herz nicht auf all die Worte,
die man redet, damit du nicht hrst, wie dein Knecht dich
verflucht; $7/22$ denn auch viele Male - dein Herz wei es -
hast auch du andere verflucht. $7/23$ Das alles habe ich in
Weisheit geprft. Ich sprach: Ich will weise werden, aber sie
blieb fern von mir. $7/24$ Fern ist, was da ist, und tief, tief!
Wer kann es ergrnden? $7/25$ Ich wandte mich, und mein Herz
[ging] darauf [aus], Weisheit und ein richtiges Urteil zu
erkennen und zu erkunden und zu suchen und Ungerechtigkeit als
Torheit und die Narrheit als Tollheit zu erkennen. $7/26$ Und
ich fand bitterer als den Tod die Frau, die Netzen gleich ist
und deren Herz Fangstricke, deren Hnde Fesseln sind. Wer Gott
wohlgefllig ist, wird ihr entrinnen, der Snder aber wird durch
sie gefangen. $7/27$ Siehe, dies fand ich, spricht der Prediger,
[indem ich] eins zum anderen [fgte], um ein richtiges Urteil zu
finden: $7/28$ Was meine Seele fortwhrend suchte und ich nicht
fand: Einen Mann fand ich aus Tausenden, aber eine Frau unter
diesen allen fand ich nicht. $7/29$ Allein, siehe, dies habe ich
gefunden: Gott hat den Menschen aufrichtig gemacht; sie aber
suchten viele Knste.

\8\

$8/1$ Wer ist wie der Weise, und wer versteht die Deutung der
Dinge? Die Weisheit des Menschen lt sein Gesicht leuchten, und
die Hrte seines Gesichts verndert sich. Verhalten zur
Obrigkeit $8/2$ Ich [sage]: Dem Befehl des Knigs gehorche, und
[zwar] wegen des Eides Gottes! $8/3$ bereile dich nicht, von
ihm wegzugehen, la dich nicht auf eine bse Sache ein! Er tut
ja doch alles, was er will. $8/4$ Denn des Knigs Wort ist
mchtig, und wer will zu ihm sagen: Was tust du [da]? $8/5$ Wer
das Gebot hlt, wei um keine bse Sache, und das Herz eines
Weisen kennt [die richtige] Zeit und das rechte [Verhalten].
$8/6$ Denn fr jede Sache gibt es [die richtige] Zeit und das
rechte [Verhalten]. Denn das Unglck des Menschen [lastet]
schwer auf ihm, $8/7$ denn er wei nicht, was werden wird; denn
wer sollte ihm mitteilen, wie es werden wird? $8/8$ Kein Mensch
hat Gewalt ber den Wind, den Wind zurckzuhalten, und niemand
hat Gewalt ber den Tag des Todes. Auch gibt es keine Entlassung
im Krieg, und die Ungeduldigkeit rettet nicht ihren Herrn. $8/9$
Das alles sah ich und richtete mein Herz auf alles Tun, das
unter der Sonne getan wird, zur Zeit, da der Mensch ber den
Menschen Gewalt hat zu seinem Unglck. Unbegreifliches gleiches
Ergehen der Gerechten und Gottlosen - Gleiches Los fr alle
$8/10$ Und so sah ich Ungerechte, die begraben wurden und [zur
Ruhe] eingingen. Die aber das Rechte getan hatten, [muten] von
der heiligen Sttte wegziehen und wurden in der Stadt vergessen.
Auch das ist Nichtigkeit. $8/11$ Weil der Urteilsspruch ber die
bse Tat nicht schnell vollzogen wird, darum ist das Herz der
Menschenkinder davon erfllt, Bses zu tun, $8/12$ denn ein
Snder tut hundertmal Bses und verlngert [doch seine Tage].
Aber ich habe auch erkannt, da es den Gottesfrchtigen gutgehen
wird, die sich vor seinem Angesicht frchten. $8/13$ Doch nicht
gutgehen wird es dem Ungerechten, und er wird, dem Schatten
gleich, seine Tage nicht verlngern, weil er sich vor dem
Angesicht Gottes nicht frchtet. $8/14$ Es gibt etwas Nichtiges,
das auf Erden geschieht: Da sind Gerechte, denen es nach dem Tun
der Ungerechten ergeht, und da sind Ungerechte, denen es nach
dem Tun der Gerechten ergeht. Ich sagte: Auch das ist
Nichtigkeit. $8/15$ Und ich pries die Freude, weil es fr den
Menschen nichts Besseres unter der Sonne gibt, als zu essen und
zu trinken und sich zu freuen. Und dies wird ihn begleiten bei
seinem Mhen die Tage seines Lebens hindurch, die Gott ihm unter
der Sonne gegeben hat. $8/16$ Als ich mein Herz darauf richtete,
Weisheit zu erkennen und das Treiben zu besehen, das auf Erden
geschieht, - denn weder bei Tag noch bei Nacht sieht man Schlaf
mit seinen Augen - $8/17$ da sah ich am Ganzen des Werkes
Gottes, da der Mensch das Werk nicht ergrnden kann, das unter
der Sonne geschieht. Wie [sehr] der Mensch sich auch abmht, es
zu erforschen, so ergrndet er es nicht. Und selbst wenn der
Weise behauptet, es zu erkennen, er kann es doch nicht
ergrnden.

\9\

$9/1$ Denn das alles habe ich mir zu Herzen genommen, und zwar
um dies alles zu prfen: Da die Gerechten und die Weisen und
ihre Taten in der Hand Gottes sind. Sei es Liebe, sei es Ha,
nichts [davon] erkennt der Mensch. Alles [beides] liegt vor
ihrer Zeit, $9/2$ alles [beides] - wie bei allen [Menschen]. Ein
Geschick ist fr den Gerechten und fr den Ungerechten
[bestimmt], fr den Guten und den Reinen und den Unreinen und
fr den, der opfert, und den, der nicht opfert; wie der Gute so
der Snder, der, der schwrt, wie der, der den Eid scheut. $9/3$
Das ist ein bel in allem, was unter der Sonne geschieht, da
einerlei Geschick allen zuteil wird. Auch ist das Herz der
Menschenkinder voll Bosheit, und Irrsinn ist in ihrem Herzen
whrend ihres Lebens; und danach [geht es] zu den Toten. $9/4$
Ja, wer noch all den Lebenden zugesellt ist, [fr den] gibt es
Hoffnung. Denn selbst ein lebendiger Hund ist besser [daran] als
ein toter Lwe! $9/5$ Denn die Lebenden wissen, da sie sterben
werden, die Toten aber wissen gar nichts, und sie haben keinen
Lohn mehr, denn ihr Andenken ist vergessen. $9/6$ Auch ihr
Lieben, auch ihr Hassen, auch ihr Eifern ist lngst
verlorengegangen. Und sie haben ewig keinen Anteil mehr an
allem, was unter der Sonne geschieht. Freude am Leben bei
Ohnmacht gegenber der Zeit $9/7$ Geh hin, i dein Brot mit
Freude und trink deinen Wein mit frohem Herzen! Denn lngst hat
Gott Wohlgefallen an deinem Tun. $9/8$ Deine Kleider seien wei
zu jeder Zeit, und das Salbl fehle nicht auf deinem Haupt.
$9/9$ Geniee das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage
deines nichtigen Lebens, das er dir unter der Sonne gegeben hat,
all deine nichtigen Tage hindurch! Denn das ist dein Anteil am
Leben und an deinem Mhen, womit du dich abmhst unter der
Sonne. $9/10$ Alles, was deine Hand zu tun findet, das tue in
deiner Kraft! Denn es gibt weder Tun noch Berechnung, noch
Kenntnis, noch Weisheit im Scheol, in den du gehst. $9/11$
Ferner sah ich unter der Sonne, da nicht die Schnellen den Lauf
[gewinnen] und nicht die Helden den Krieg und auch nicht die
Weisen [das] Brot und auch nicht die Verstndigen [den] Reichtum
und auch nicht die Kenntnisreichen die Beliebtheit, sondern Zeit
und Geschick trifft sie alle. $9/12$ Denn auch kennt der Mensch
seine Zeit nicht. Wie die Fische, die gefangen werden im
verderblichen Netz, und wie die Vgel, die in der Falle gefangen
werden, wie sie werden die Menschenkinder verstrickt zur Zeit
des Unglcks, wenn es pltzlich ber sie fllt. Weisheit und
Torheit $9/13$ Auch dieses sah ich als Weisheit unter der Sonne,
und es kam mir gro vor: $9/14$ Es war eine kleine Stadt, und
wenig Mnner waren darin. Gegen die kam ein groer Knig,
umzingelte sie und baute groe Belagerungswerke gegen sie.
$9/15$ Aber es fand sich darin ein armer weiser Mann, der die
Stadt durch seine Weisheit htte retten knnen, aber kein Mensch
dachte an diesen armen Mann. $9/16$ Da sagte ich [mir]:
`Weisheit ist besser als Strke! Aber die Weisheit des Armen
wird verachtet, und seine Worte werden nicht gehrt. - $9/17$
Worte der Weisen, in Ruhe gehrt, sind mehr wert als das
Geschrei des Herrschers unter Toren. $9/18$ Weisheit ist besser
als Kriegsgert, aber ein Snder verdirbt viel Gutes.

\10\

$10/1$ Tote Fliegen lassen das l des Salbenmischers stinken und
gren. Ein wenig Torheit hat mehr Gewicht als Weisheit [und]
Ehre. - $10/2$ Der Verstand des Weisen ist zu seiner Rechten und
der Verstand des Toren zu seiner Linken. $10/3$ Und auch wenn
der Tor auf dem Weg geht, fehlt ihm der Verstand, und er sagt
jedem, er sei ein Tor. $10/4$ Wenn der Zorn des Herrschers gegen
dich aufsteigt, so verla deinen Platz nicht! Denn Gelassenheit
verhindert groe Snden. - $10/5$ Es gibt ein bel, das ich
unter der Sonne gesehen habe, gleich einem Versehen, das vom
Machthaber ausgeht: $10/6$ Die Torheit wird in groe Wrden
eingesetzt, und Reiche sitzen in Niedrigkeit. $10/7$ Ich habe
Knechte auf Pferden gesehen und Oberste, die wie Knechte zu Fu
gingen. $10/8$ Wer eine Grube grbt, kann hineinfallen, und wer
eine Mauer einreit, den kann eine Schlange beien. $10/9$ Wer
Steine bricht, kann sich an ihnen verletzen, wer Holz spaltet,
kann sich an ihm gefhrden. - $10/10$ Wenn das Eisen stumpf
geworden ist und niemand die Schneide schleift, so mu man seine
Krfte [mehr] anstrengen. Aber ein Vorteil ist es, die Weisheit
richtig anzuwenden. - $10/11$ Wenn die Schlange vor der
Beschwrung beit, so hat der Beschwrer keinen Vorteil. $10/12$
Die Worte aus dem Mund eines Weisen [bringen ihm] Beliebtheit,
aber die Lippen eines Toren verschlingen ihn selbst. $10/13$ Der
Anfang der Worte seines Mundes ist Torheit und das Ende seiner
Rede bser Unsinn. $10/14$ Und der Tor macht viele Worte. Der
Mensch erkennt nicht, was sein wird. Und was nach ihm sein wird,
wer teilt es ihm mit? $10/15$ Die Arbeit des Toren macht ihn
mde, [ihn], der nicht zur Stadt zu gehen wei. $10/16$ Wehe
dir, Land, dessen Knig ein Junge ist und dessen Oberste [schon]
am Morgen speisen! $10/17$ Glcklich du Land, dessen Knig ein
Edler ist und dessen Oberste zur [rechten] Zeit speisen, als
Mnner und nicht als Zecher! - $10/18$ Durch Faulheit der beiden
[Hnde] senkt sich das Geblk, und durch Lssigkeit der Hnde
tropft das Haus. - $10/19$ Um zu lachen, bereitet man ein Mahl,
und Wein erheitert das Leben, und das Geld gewhrt das alles. -
$10/20$ Auch in deinen Gedanken fluche nicht dem Knig und in
deinen Schlafzimmern fluche nicht ber den Reichen! Denn die
Vgel des Himmels knnten die Stimme entfhren und was Flgel
hat, das Wort anzeigen.

Ntzliches Handeln in der Gegenwart bei ungewisser Zukunft.

\11\

$11/1$ Wirf dein Brot hin auf die Wasserflche! - denn du wirst
es nach vielen Tagen [wieder] finden! - $11/2$ Gib Anteil sieben
[anderen], ja, sogar acht, denn du weit nicht, was fr Unglck
sich auf der Erde ereignen wird! - $11/3$ Wenn die Wolken voll
werden, gieen sie Regen aus auf die Erde. Und wenn ein Baum
nach Sden oder nach Norden fllt: an der Stelle, wo der Baum
fllt, da mu er liegenbleiben. $11/4$ Wer auf den Wind achtet,
wird nie sen, und wer auf die Wolken sieht, wird nie ernten. -
$11/5$ Wie du den Weg des Windes nicht kennst [und nicht] die
Gebeine im Leib der Schwangeren, so kennst du das Werk Gottes
nicht, der alles wirkt. - $11/6$ Am Morgen se deinen Samen und
am Abend la deine Hand nicht ruhen! Denn du weit nicht, was
gedeihen wird: ob dieses oder jenes oder ob beides zugleich gut
werden wird. - $11/7$ S aber ist das Licht, und gut fr die
Augen [ist es], die Sonne zu sehen. $11/8$ Denn wenn der Mensch
viele Jahre lebt, soll er in ihnen allen sich freuen und an die
Tage der Finsternis denken, da sie viel sein werden. Alles, was
kommt, ist Nichtigkeit. Freuden der Jugend, Mhsale des Alters
$11/9$ Freue dich, Jngling, in deiner Jugend, und dein Herz
mache dich frhlich in den Tagen deiner Jugendzeit! Und lebe
nach dem, was dein Herz wnscht und wonach deine Augen
ausschauen! Doch wisse, da um all dieser [Dinge] willen Gott
dich zur Rechenschaft ziehen wird! $11/10$ Entferne den Unmut
aus deinem Herzen und halte bel von deinem Leib fern! Denn
Jugend und dunkles Haar sind Nichtigkeit.

\12\

$12/1$ Und denke an deinen Schpfer in den Tagen deiner
Jugendzeit, bevor die Tage des bels kommen und die Jahre
herannahen, von denen du sagen wirst: Ich habe kein Gefallen an
ihnen! - $12/2$ bevor sich verfinstern die Sonne und das Licht,
der Mond und die Sterne, und die Wolken nach dem Regen
wiederkehren; $12/3$ an dem Tag, wenn die Wchter des Hauses
zittern und die starken Mnner sich krmmen und die Mllerinnen
mig gehen, weil sie wenig geworden, wenn sich verfinstern, die
durch die Fenster sehen, $12/4$ und die Tren zur Strae hin
geschlossen werden, whrend das Gerusch der Mhle dnner wird
und ansteigt zur Vogelstimme, und alle Tchter des Gesangs
werden gedmpft. $12/5$ Auch vor der Anhhe frchtet man sich,
und Schrecknisse sind auf dem Weg. Und der Mandelbaum steht in
Blte, und die Heuschrecke schleppt sich mhsam dahin, und die
Kaper platzt auf. Denn der Mensch geht hin zu seinem ewigen
Haus, und die Klagenden ziehen umher auf der Strae; - $12/6$
bevor die silberne Schnur zerreit und die goldene Schale
zerspringt und der Krug am Quell zerbricht und das Schpfrad
zersprungen in den Brunnen [fllt]. $12/7$ Und der Staub kehrt
zur Erde zurck, so wie er gewesen, und der Geist kehrt zu Gott
zurck, der ihn gegeben hat. $12/8$ Nichtigkeit der
Nichtigkeiten! spricht der Prediger. Alles ist Nichtigkeit!

Die Summe aller Lehre: Gottesfurcht.

$12/9$ Und darber hinaus, da der Prediger weise war, lehrte er
noch das Volk Erkenntnis und erwog und forschte [und] verfate
viele Sprche. $12/10$ Der Prediger suchte, wohlgefllige Worte
zu finden und Worte der Wahrheit aufrichtig niederzuschreiben.
$12/11$ Die Worte der Weisen sind wie Treiberstachel und wie
eingeschlagene Ngel die gesammelten [Sprche]. Sie sind gegeben
von einem Hirten. $12/12$ Und darber hinaus, mein Sohn, la
dich von ihnen warnen! Des vielen Bchermachens ist kein Ende,
und viel Studieren ermdet den Leib. $12/13$ Das Endergebnis des
Ganzen lat uns hren: Frchte Gott und halte seine Gebote! Denn
das [soll] jeder Mensch [tun]. $12/14$ Denn Gott wird jedes
Werk, es sei gut oder bse, in ein Gericht ber alles Verborgene
bringen.





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