Die Klagelieder.

Jerusalems Klage ber sein Elend, Bekenntnis der Schuld und
Bitte um Hilfe und Vergeltung an den Feinden.

\1\

$1/1$ Wehe, wie sitzt so einsam da die [einst] volkreiche Stadt!
Sie ist einer Witwe gleich geworden, die Groe unter den
Nationen! Die Frstin ber die Provinzen ist zur Zwangsarbeit
erniedrigt!

$1/2$ Sie weint und weint des Nachts, und ihre Trnen [laufen]
ber ihre Wangen. Sie hat keinen Trster unter allen, die sie
liebten; alle ihre Freunde haben treulos an ihr gehandelt, sind
ihr zu Feinden geworden.

$1/3$ Gefangen ist Juda weggezogen aus Elend und aus schwerem
Sklavendienst. Es wohnt unter den Nationen, findet keinen
Rastplatz. Alle seine Verfolger haben es erreicht - mitten in
der Bedrngnis.

$1/4$ Die Wege nach Zion trauern, weil niemand zum Fest kommt.
All ihre Tore sind menschenleer, ihre Priester seufzen, ihre
Jungfrauen sind betrbt, und ihr selbst ist bitter weh.

$1/5$ Ihre Gegner sind obenauf, ihre Feinde haben Ruhe. Denn der
HERR hat sie betrbt wegen der Menge ihrer Verbrechen. Ihre
Kinder sind vor dem Gegner her in Gefangenschaft gezogen.

$1/6$ So zog aus der Tochter Zion all ihre Pracht aus. Ihre
Obersten sind wie Hirsche geworden, die keine Weide finden, und
kraftlos zogen sie dahin vor dem Verfolger.

$1/7$ Jerusalem denkt in den Tagen ihres Elends und ihrer
Heimatlosigkeit an all ihre Kostbarkeiten, die es [bei ihr] gab
seit den Tagen der Vorzeit, [jetzt,] da ihr Volk durch die Hand
des Gegners gefallen ist und sie keinen Helfer hat. Die Gegner
sehen ihr zu, lachen darber, da es mit ihr aus ist.

$1/8$ Schwer gesndigt hat Jerusalem. Darum ist sie zum Gesptt
geworden; alle ihre Verehrer verachten sie, weil sie ihre Ble
gesehen haben. Sie selbst aber seufzt und wendet sich ab.

$1/9$ Ihre Unreinheit [klebt] an ihrem Saum; ihr Ende hat sie
nicht bedacht. So ist sie entsetzlich heruntergekommen, ohne da
einer sie trstet. Sieh an, HERR, mein Elend, denn der Feind tut
sich gro!

$1/10$ Seine Hand hat der Gegner ausgestreckt nach all ihren
Kostbarkeiten. Ja, sie mute mitansehen, wie Nationen in ihr
Heiligtum kamen, denen du geboten hattest, sie sollten dir nicht
in die Versammlung kommen!

$1/11$ All ihr Volk seufzt auf der Suche nach Brot; sie geben
ihre Kostbarkeiten fr Nahrung hin, um sich am Leben zu halten.
Siehe, HERR, und schau, wie verachtet ich bin!

$1/12$ Ist es [noch] nicht zu euch [gedrungen], alle, die ihr
des Weges zieht? Schaut und seht, ob es einen Schmerz gibt wie
meinen Schmerz, der mir angetan worden ist, mit dem [mich] der
HERR betrbt hat am Tag seiner Zornglut!

$1/13$ Aus der Hhe sandte er Feuer in meine Gebeine und zertrat
sie. Er spannte ein Netz fr meine Fe, zwang mich zur Umkehr.
Er machte mich einsam und allezeit krank.

$1/14$ Schwer ist das Joch meiner Verbrechen, durch seine Hand
zusammengeflochten. Sie kamen auf meinen Hals; [das] brach mir
die Kraft. Der Herr lieferte mich solchen in die Hnde, denen
ich nicht standhalten kann.

$1/15$ Alle meine Starken verwarf der Herr in meiner Mitte; er
rief gegen mich ein Treffen aus, um meine jungen Mnner zu
zerschmettern; der Herr hat der Jungfrau, der Tochter Juda, die
Kelter getreten.

$1/16$ Darber mu ich weinen, mein Auge, mein Auge zerfliet
von Wasser. Denn ein Trster, der meine Seele erquicken knnte,
ist fern von mir. Meine Shne sind vereinsamt, denn der Feind
hat die Oberhand.

$1/17$ Zion breitet ihre Hnde aus, [doch] da ist niemand, der
sie trstet. Der HERR entbot gegen Jakob seine Nachbarn als
seine Feinde. Jerusalem wurde unter ihnen zum Abscheu.

$1/18$ Gerecht ist er, der HERR, denn gegen seinen Befehl bin
ich widerspenstig gewesen. Hrt doch, alle ihr Vlker, und seht
meinen Schmerz! Meine Jungfrauen und meine jungen Mnner sind in
die Gefangenschaft gezogen.

$1/19$ Ich rief nach denen, die mich geliebt hatten, sie aber
betrogen mich. Meine Priester und meine ltesten kamen in der
Stadt um, als sie fr sich Nahrung suchten, um sich am Leben zu
halten.

$1/20$ Sieh, HERR, wie mir angst ist! Mein Inneres glht, mein
Herz dreht sich mir im Leibe um, weil ich so sehr widerspenstig
gewesen bin. Drauen hat mich das Schwert der Kinder beraubt
[und] drinnen der Tod.

$1/21$ Man hrt, wie ich seufze, [doch] habe ich keinen Trster.
Alle meine Feinde haben mein Unglck gehrt, haben sich gefreut,
da du es getan hast. Fhrst du den Tag herbei, den du
verkndigt hast, dann ergeht es ihnen wie mir.

$1/22$ All ihre Bosheit komme vor dich! Handle an ihnen, wie du
an mir gehandelt hast wegen all meiner Verbrechen! Denn
zahlreich sind meine Seufzer, und mein Herz ist krank.

Unheil im Land und in Jerusalem durch Gottes Zorn gem seiner
Warnung - Zions Schreien nach Gottes Erbarmen.

\2\

$2/1$ Wehe, wie umwlkt in seinem Zorn der Herr die Tochter
Zion! Er hat die Herrlichkeit Israels vom Himmel zur Erde
geworfen und am Tag seines Zorns nicht gedacht an den Schemel
seiner Fe.

$2/2$ Vernichtet hat der Herr - ohne Mitleid - alle Weidepltze
Jakobs; er hat in seinem Grimm niedergerissen die befestigten
Stdte der Tochter Juda; zu Boden gestrzt, entweiht hat er das
Knigreich und seine Obersten.

$2/3$ In Zornesglut hat er abgehauen jedes Horn Israels; er hat
seine Rechte zurckgezogen angesichts des Feindes und hat Jakob
in Brand gesteckt wie ein flammendes Feuer, das ringsum frit.

$2/4$ Seinen Bogen hat er gespannt wie ein Feind, seine rechte
Hand erhoben wie ein Gegner und hat alles den Augen Liebliche
umgebracht. In das Zelt der Tochter Zion hat er seinen Grimm
ausgegossen wie Feuer.

$2/5$ Der Herr ist wie ein Feind geworden. Er hat Israel
vernichtet, vernichtet alle ihre Palste, seine befestigten
Stdte zerstrt. So hat er in der Tochter Juda Weh und
Wehgeschrei gehuft.

$2/6$ Und er hat seine Htte abgebrochen wie die eines Gartens,
hat zerstrt [den Ort fr] seine Festversammlung. Der HERR hat
in Zion Festversammlung und Sabbat in Vergessenheit geraten
lassen und im Toben seines Zorns Knig und Priester verworfen.

$2/7$ Verstoen hat der Herr seinen Altar, entweiht sein
Heiligtum; er hat die Mauern ihrer Palste der Hand des Feindes
preisgegeben; Lrm erhob sich im Haus des HERRN wie an einem
Festtag.

$2/8$ Der HERR hatte es sich vorgenommen, die Mauer der Tochter
Zion zu zerstren; er spannte die Meschnur, wandte seine Hand
vom Vernichten nicht ab und versetzte Bollwerk und Mauer in
Trauer; zusammen schwanden sie dahin.

$2/9$ Eingesunken in die Erde sind ihre Tore, zerstrt und
zerschlagen hat er ihre Riegel. Ihr Knig und ihre Obersten sind
unter den Nationen, es gibt kein Gesetz mehr. Auch ihre
Propheten erhalten kein Gesicht von dem HERRN.

$2/10$ Schweigend sitzen auf der Erde die ltesten der Tochter
Zion; sie haben Staub auf ihr Haupt geworfen, Sacktuch sich
umgegrtet; die Jungfrauen Jerusalems senken ihr Haupt zur Erde.

$2/11$ In Trnen vergehen meine Augen, mein Inneres glht, meine
Leber hat sich zur Erde ergossen wegen des Zusammenbruchs der
Tochter meines Volkes, weil Kind und Sugling auf den Pltzen
der Stadt verschmachten.

$2/12$ Zu ihren Mttern sagen sie: `Wo ist Brot und Wein?,
whrend sie wie tdlich Verwundete verschmachten auf den Pltzen
der Stadt, whrend ihre Seele sich ergiet in den Scho ihrer
Mtter.

$2/13$ Womit soll ich dir aufhelfen, womit dich vergleichen,
Tochter Jerusalem? Was soll ich dir gleichstellen, damit ich
dich trste, du Jungfrau, Tochter Zion? Denn so gro wie das
Meer ist dein Zusammenbruch. Wer kann dich heilen?

$2/14$ Deine Propheten schauten dir Trug und Tnche; und sie
deckten deine Schuld nicht auf, dein Geschick zu wenden, sondern
sie schauten dir Aussprche zu Lge und Verfhrung.

$2/15$ Alle, die des Weges ziehen, klatschen ber dich in die
Hnde, sie zischen und schtteln ihren Kopf ber die Tochter
Jerusalem: Ist das die Stadt, von der man sagte: Der Schnheit
Vollendung, Wonne der ganzen Erde?

$2/16$ Alle deine Feinde reien ihren Mund ber dich auf, sie
zischen und knirschen mit den Zhnen. Sie sagen: Wir haben
vernichtet! Ja, dies ist der Tag, den wir erhofft haben! Wir
haben [es] erreicht, wir haben [es] gesehen!

$2/17$ Getan hat der HERR, was er sich vorgenommen hatte, er hat
sein Wort zur Vollendung gebracht, das er von den Tagen der
Vorzeit her entboten hatte. Er hat ohne Mitleid niedergerissen
und hat den Feind ber dich frhlich sein lassen, er hat das
Horn deiner Gegner erhht.

$2/18$ Schrei laut um Hilfe zum Herrn, sthne, du Tochter Zion!
La wie einen Bach die Trnen rinnen Tag und Nacht! Gnne dir
keine Ruhe! Dein Augapfel stehe nicht still!

$2/19$ Auf, wimmere bei Nacht, bei Beginn der Nachtwachen,
schtte wie Wasser dein Herz aus vor dem Angesicht des Herrn!
Erhebe deine Hnde zu ihm um der Seele deiner Kinder willen, die
vor Hunger verschmachten an allen Straenecken!

$2/20$ Sieh, HERR, und schaue, an wem du so gehandelt hast!
Drfen Frauen ihre Leibesfrucht essen, die liebevoll gepflegten
Kinder? Drfen im Heiligtum des Herrn Priester und Prophet
erschlagen werden?

$2/21$ Am Boden auf den Straen liegen Kind und Greis; meine
Jungfrauen und meine jungen Mnner sind durchs Schwert gefallen.
Erschlagen hast du am Tag deines Zornes, abgeschlachtet ohne
Mitleid.

$2/22$ Meine Schrecknisse hast du von allen Seiten herbeigerufen
wie zu einem Festtag, und am Tag des Zornes des HERRN gab es
keinen Entkommenen und Entronnenen: Die ich liebevoll gepflegt
und grogezogen habe, mein Feind hat sie vertilgt.

Klage des Propheten ber sein und des Volkes Elend -
Anerkenntnis der Treue Gottes - Aufruf zum Sndenbekenntnis -
Bitte um Rettung und Vergeltung an den Feinden

\3\

$3/1$ Ich bin der Mann, der Elend sah durch die Rute seines
Grimmes. $3/2$ Mich trieb er weg und lie mich gehen in
Finsternis und ohne Licht. $3/3$ Nur gegen mich wendet er immer
wieder seine Hand, jeden Tag.

$3/4$ Verfallen lie er mein Fleisch und meine Haut, zerbrach
meine Knochen, $3/5$ umbaute und umgab mich mit Gift und Mhsal.
$3/6$ Er lie mich wohnen in Finsternissen, wie die Toten der
Urzeit.

$3/7$ Er ummauerte mich, da ich nicht herauskann; er legte mich
in schwere, bronzene Ketten. $3/8$ Auch wenn ich schrie und um
Hilfe rief, verschlo er [sein Ohr vor] meinem Gebet. $3/9$ Er
vermauerte meine Wege mit Quadersteinen, kehrte meine Pfade um.

$3/10$ Ein lauernder Br war er mir, ein Lwe im Versteck.
$3/11$ Er lie mich vom Weg abirren, zerfleischte mich und
machte mich menschenleer. $3/12$ Er spannte seinen Bogen und
stellte mich hin als Ziel fr den Pfeil.

$3/13$ Er lie in meine Nieren dringen die Shne seines Kchers.
$3/14$ Ich wurde meinem ganzen Volk zum Gelchter, ihr Spottlied
[bin ich] jeden Tag. $3/15$ Er sttigte mich mit bitteren
Krutern und trnkte mich mit Wermut.

$3/16$ Und er lie auf Kies meine Zhne beien, er trat mich
nieder in den Staub. $3/17$ Du verstieest meine Seele aus dem
Frieden, ich habe vergessen, was Glck ist. $3/18$ Und ich
sagte: Verloren ist mein Glanz und meine Hoffnung auf den HERRN.

$3/19$ An mein Elend und meine Heimatlosigkeit zu denken,
[bedeutet] Wermut und Gift! $3/20$ [Und doch] denkt und denkt
meine Seele daran und ist niedergedrckt in mir. $3/21$ [Doch]
dies will ich mir in den Sinn zurckrufen, darauf will ich
hoffen:

$3/22$ Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja,
sein Erbarmen hrt nicht auf, $3/23$ es ist jeden Morgen neu.
Gro ist deine Treue. $3/24$ Mein Anteil ist der HERR, sagt
meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen.

$3/25$ Gut ist der HERR zu denen, die auf ihn harren, zu der
Seele, die nach ihm fragt. $3/26$ Es ist gut, da man schweigend
hofft auf die Rettung des HERRN. $3/27$ Gut ist es fr den Mann,
wenn er das Joch in seiner Jugend trgt.

$3/28$ Er sitze einsam und schweige, wenn er es ihm auferlegt.
$3/29$ Er lege seinen Mund in den Staub, vielleicht gibt es
Hoffnung. $3/30$ Er biete dem, der ihn schlgt, die Wange,
sttige sich an Schmach.

$3/31$ Denn nicht fr ewig verstt der Herr, $3/32$ sondern
wenn er betrbt hat, erbarmt er sich nach der Flle seiner
Gnadenerweise. $3/33$ Denn nicht von Herzen demtigt und betrbt
er die Menschenkinder.

$3/34$ Da man alle Gefangenen des Landes unter seinen Fen
zertritt, $3/35$ da man das Recht eines Mannes beugt vor dem
Angesicht des Hchsten, $3/36$ da man einen Menschen irrefhrt
in seinem Rechtsstreit - sollte der Herr es nicht sehen?

$3/37$ Wer ist es, der da sprach, und es geschah, - [und] der
Herr hat es nicht geboten? $3/38$ Kommt nicht aus dem Mund des
Hchsten das Bse und das Gute hervor? $3/39$ Was beklagt sich
der Mensch, der [noch] am Leben ist, [was beklagt sich] der Mann
ber seine Sndenstrafe?

$3/40$ Prfen wollen wir unsere Wege und erforschen und umkehren
zu dem HERRN! $3/41$ Lat uns unser Herz samt den Hnden erheben
zu Gott im Himmel! $3/42$ Wir, wir haben die Treue gebrochen und
sind widerspenstig gewesen; du [aber], du hast nicht vergeben.

$3/43$ Du hast dich in Zorn gehllt und hast uns verfolgt; du
hast uns umgebracht ohne Mitleid. $3/44$ Du hast dich in eine
Wolke gehllt, so da kein Gebet hindurchdrang. $3/45$ Du hast
uns zum Kehricht und zum Ekel gemacht mitten unter den Vlkern.

$3/46$ Alle unsere Feinde reien ihren Mund ber uns auf. $3/47$
Grauen und Grube sind uns zuteil geworden, Untergang und
Zusammenbruch. $3/48$ Wasserbche lt mein Auge flieen wegen
des Zusammenbruchs der Tochter meines Volkes.

$3/49$ Mein Auge ergiet sich und kommt nicht zur Ruhe, [trnt]
unaufhrlich, $3/50$ bis der HERR vom Himmel herunterschaut und
hinsieht. $3/51$ Mein Auge schmerzt mich wegen all der Tchter
meiner Stadt.

$3/52$ Wie einen Vogel jagten und jagten mich [jene], die
grundlos meine Feinde sind. $3/53$ Sie strzten mein Leben in
die Grube und warfen Steine auf mich. $3/54$ Wasser strmten
ber mein Haupt. Ich sagte [mir]: Ich bin [vom Leben]
abgeschnitten!

$3/55$ Da rief ich deinen Namen an, o HERR, aus der Grube tief
unten. $3/56$ Du hast meine Stimme gehrt. Verbirg dein Ohr
nicht vor meinem Seufzen, meinem Schreien! $3/57$ Du nahtest an
dem Tag, als ich dich anrief; du sprachst: Frchte dich nicht!

$3/58$ Du hast, Herr, meinen Rechtsstreit gefhrt, hast mein
Leben erlst. $3/59$ Du, HERR, hast meine Entrechtung gesehen.
Verhilf mir zu meinem Recht! $3/60$ Du hast gesehen all ihre
Rachgier, alle ihre Plne gegen mich.

$3/61$ Gehrt hast du ihr Schmhen, o HERR, alle ihre Plne
gegen mich, $3/62$ das Gerede derer, die gegen mich aufgetreten
sind, und ihren Spott ber mich den ganzen Tag. $3/63$ Ihr
Sitzen und ihr Aufstehen schau dir an! Ich bin ihr Spottlied.

$3/64$ be an ihnen Vergeltung, HERR, nach dem Werk ihrer Hnde!
$3/65$ Gib ihnen Verblendung des Herzens! Dein Fluch komme ber
sie! $3/66$ Jage ihnen nach im Zorn und rotte sie aus unter dem
Himmel des HERRN!

Das furchtbare Geschick Jerusalems durch Schuld der Propheten
und Priester - Wunsch auf Vergeltung an Edom.

\4\

$4/1$ Wehe, wie dunkel ist das Gold geworden, [wie] entstellt
das feine Gold! Wie liegen hingeschttet die Steine des
Heiligtums an allen Straenecken!

$4/2$ Die Shne Zions, die kostbaren, [einst] aufgewogen mit
gediegenem Gold, wehe, wie sind sie irdenen Krgen
gleichgeachtet, dem Werk von Tpferhnden!

$4/3$ Selbst Schakale reichen die Brust, sugen ihre Jungen.
[Doch] die Tochter meines Volkes ist grausam geworden wie die
Straue in der Wste.

$4/4$ Die Zunge des Suglings klebte an seinem Gaumen vor Durst;
die Kinder verlangten Brot, niemand brach es ihnen.

$4/5$ Die [sonst] Leckerbissen aen, verschmachteten auf den
Straen; die auf Karmesin getragen wurden, muten auf Misthaufen
liegen.

$4/6$ Und die Schuld der Tochter meines Volkes war grer als
die Snde Sodoms, das pltzlich zerstrt wurde, ohne da Hnde
sich rhrten.

$4/7$ Ihre Frsten waren reiner als Schnee, weier als Milch;
rosiger war ihr Leib als Korallen, [wie] Saphir war ihre
Gestalt.

$4/8$ Dunkler als Ru ist [jetzt] ihr Aussehen, man erkennt sie
nicht auf den Straen; runzlig ist ihre Haut auf ihren Knochen,
sie ist drr geworden wie Holz.

$4/9$ Die vom Schwert Getteten hatten es besser als die vom
Hunger Getteten, [denn] die verendeten [langsam], getroffen vom
Mangel an Feldfrucht.

$4/10$ Die Hnde weichherziger Frauen haben ihre Kinder gekocht;
sie dienten ihnen als Speise beim Zusammenbruch der Tochter
meines Volkes.

$4/11$ Der HERR hat seinem Grimm Genge getan, hat seine
Zornglut ausgegossen; und er hat in Zion ein Feuer angezndet,
das [sogar] seine Grundmauern gefressen hat.

$4/12$ Die Knige der Erde htten es nicht geglaubt, noch alle
Bewohner des Erdkreises, da Gegner und Feind in die Tore
Jerusalems eindringen wrden.

$4/13$ Wegen der Verfehlungen ihrer Propheten, [wegen] der
Snden ihrer Priester, die in ihrer Mitte das Blut der Gerechten
vergossen haben,

$4/14$ wankten sie [wie] Blinde auf den Straen, besudelt mit
Blut, so da man ihre Kleider nicht anrhren durfte.

$4/15$ `Weicht! Unrein! rief man ihnen zu. `Weicht, weicht!
Nicht anrhren! Ja, sie muten in die Ferne und heimatlos
umherschweifen. Man sagte unter den Nationen: Sie drfen [bei
uns] nicht lnger bleiben!

$4/16$ Das Angesicht des HERRN hat sie zerstreut, er schaut sie
nicht mehr an. Auf die Priester hat man keine Rcksicht
genommen, Greisen ist man nicht gndig gewesen!

$4/17$ Noch vergehen unsere Augen [auf der Suche] nach Hilfe fr
uns - umsonst. Auf unserer Warte warteten wir auf eine Nation,
die [doch] nicht retten kann.

$4/18$ Man belauerte unsere Schritte, so da wir auf unseren
Pltzen nicht gehen konnten. Unser Ende nahte, erfllt waren
unsere Tage; ja, unser Ende kam.

$4/19$ Unsere Verfolger waren schneller als die Adler am Himmel.
Auf den Bergen hetzten sie uns, in der Wste lauerten sie uns
auf.

$4/20$ Unser Lebensodem, der Gesalbte des HERRN, wurde in ihren
Gruben gefangen, [er,] von dem wir sagten: In seinem Schatten
werden wir leben unter den Nationen.

$4/21$ Sei frhlich und freue dich, Tochter Edom, die du wohnst
im Land Uz! Auch an dich wird der Becher kommen; du wirst
betrunken sein und dich entblen.

$4/22$ Zu Ende ist deine Schuld, Tochter Zion! Nie mehr fhrt er
dich gefangen fort. Er sucht deine Schuld heim, Tochter Edom,
deckt deine Snden auf.

Klage ber die Schreckensherrschaft der Feinde und Bitte um
Gnade.

\5\

$5/1$ Gedenke, HERR, [all] dessen, was uns geschehen ist! Schau
her und sieh unsere Schmach!

$5/2$ Unser Erbteil ist Fremden zugefallen, unsere Huser
Auslndern.

$5/3$ Waisen sind wir geworden, ohne Vater; unsere Mtter sind
Witwen gleich.

$5/4$Unser Wasser trinken wir fr Geld, unser Holz bekommen wir
[nur] gegen Bezahlung.

$5/5$ Unsere Verfolger sitzen uns im Nacken; wir werden mde,
[aber] man lt uns keine Ruhe.

$5/6$ gypten gaben wir die Hand [und] Assur, um genug Brot zu
essen zu haben.

$5/7$Unsere Vter haben gesndigt, sie sind nicht mehr. Wir aber
tragen ihre Schuld.

$5/8$ Sklaven herrschen ber uns; da ist niemand, der [uns] aus
ihrer Hand herausreit.

$5/9$ Unter Lebensgefahr holen wir unser Brot, [bedroht] vom
Schwert der Wste.

$5/10$ Unsere Haut ist geschrumpft wie von einem Ofen wegen der
Qualen des Hungers.

$5/11$ Frauen haben sie in Zion vergewaltigt, Jungfrauen in den
Stdten Judas.

$5/12$ Oberste wurden von ihrer Hand aufgehngt, die ltesten
entehrt.

$5/13$ Junge Mnner mssen die Handmhle tragen, und Knaben
strzen unter der Holzlast zu Boden.

$5/14$ Die ltesten bleiben vom Tor fern, die jungen Mnner von
ihrem Saitenspiel.

$5/15$ Die Freude unseres Herzens hat aufgehrt, in Trauer ist
unser Reigen verwandelt.

$5/16$ Gefallen ist die Krone unseres Hauptes. Wehe uns, da wir
gesndigt haben!

$5/17$ Deswegen ist unser Herz krank geworden; wegen dieser
[Dinge] sind unsere Augen verdunkelt,

$5/18$ wegen des Berges Zion, der verdet ist; Fchse streifen
auf ihm umher.

$5/19$ Du [aber], HERR, bleibst in Ewigkeit, dein Thron von
Generation zu Generation.

$5/20$ Warum willst du uns fr immer vergessen, uns verlassen
lebenslang?

$5/21$ Bring uns zurck, HERR, zu dir, da wir umkehren!
Erneuere unsere Tage [,da sie werden] wie frher!

$5/22$ Oder solltest du uns endgltig verworfen haben, allzu
zornig sein ber uns?
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