Krankheit und Tod des Lazarus.

\11\

$11/1$ Es war aber einer krank, Lazarus, von Bethanien, aus dem
Dorf der Maria und ihrer Schwester Martha. $11/2$ Maria aber war
es, die den Herrn mit Salbl salbte und seine Fe mit ihren
Haaren abtrocknete; deren Bruder Lazarus war krank. $11/3$ Da
sandten die Schwestern zu ihm und lieen ihm sagen: Herr, siehe,
der, den du lieb hast, ist krank. $11/4$ Als aber Jesus es
hrte, sprach er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern um
der Herrlichkeit Gottes willen, damit der Sohn Gottes durch sie
verherrlicht werde. $11/5$ Jesus aber liebte die Martha und ihre
Schwester und den Lazarus. $11/6$ Als er nun hrte, da er krank
sei, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war. $11/7$
Danach spricht er zu den Jngern: Lat uns wieder nach Juda
gehen. $11/8$ Die Jnger sagen zu ihm: Rabbi, eben suchten die
Juden dich zu steinigen, und wieder gehst du dahin? $11/9$ Jesus
antwortete: Hat der Tag nicht zwlf Stunden? Wenn jemand am Tag
umhergeht, stt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt
sieht; $11/10$ wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stt er
an, weil das Licht nicht in ihm ist. $11/11$ Dies sprach er, und
danach sagt er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, ist
eingeschlafen; aber ich gehe hin, damit ich ihn aufwecke.
$11/12$ Da sprachen die Jnger zu ihm: Herr, wenn er
eingeschlafen ist, so wird er geheilt werden. $11/13$ Jesus aber
hatte von seinem Tod gesprochen: sie aber meinten, er rede von
der Ruhe des Schlafes. $11/14$ Dann nun sagte ihnen Jesus gerade
heraus: Lazarus ist gestorben; $11/15$ und ich bin froh um
euretwillen, da ich nicht dort war, damit ihr glaubt; aber lat
uns zu ihm gehen. $11/16$ Da sprach Thomas, der [auch] Zwilling
genannt ist, zu den Mitjngern: Lat auch uns gehen, da wir mit
ihm sterben.

Auferweckung des Lazarus.

$11/17$ Als nun Jesus kam, fand er ihn schon vier Tage in der
Gruft liegen. $11/18$ Bethanien aber war nahe bei Jerusalem,
etwa fnfzehn Stadien weit; $11/19$ und viele von den Juden
waren zu Martha und Maria gekommen, um sie ber ihren Bruder zu
trsten. $11/20$ Martha nun, als sie hrte, da Jesus komme,
ging ihm entgegen. Maria aber sa im Haus. $11/21$ Da sprach
Martha zu Jesus: Herr, wenn du hier gewesen wrest, so wre mein
Bruder nicht gestorben; $11/22$ und jetzt wei ich, da, was du
von Gott bitten magst, Gott dir geben wird. $11/23$ Jesus
spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. $11/24$ Martha
spricht zu ihm: Ich wei, da er auferstehen wird in der
Auferstehung am letzten Tag. $11/25$ Jesus sprach zu ihr: Ich
bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird
leben, auch wenn er gestorben ist; $11/26$ und jeder, der da
lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst
du das? $11/27$ Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, da du
der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.
$11/28$ Und als sie dies gesagt hatte, ging sie hin und rief
heimlich ihre Schwester Maria und sagte: Der Lehrer ist da und
ruft dich. $11/29$ Als jene es hrte, steht sie schnell auf und
geht zu ihm. $11/30$ Jesus aber war noch nicht in das Dorf
gekommen, sondern war an dem Ort, wo Martha ihm begegnet war.
$11/31$ Als nun die Juden, die bei ihr im Haus waren und sie
trsteten, sahen, da Maria schnell aufstand und hinausging,
folgten sie ihr, da sie meinten, sie gehe zur Gruft, um dort zu
weinen. $11/32$ Als nun Maria dahin kam, wo Jesus war, und ihn
sah, fiel sie ihm zu Fen und sprach zu ihm: Herr, wenn du hier
gewesen wrest, so wre mein Bruder nicht gestorben. $11/33$ Als
nun Jesus sie weinen sah und die Juden weinen, die mit ihr
gekommen waren, wurde er im Geist erzrnt und wurde erschttert
$11/34$ und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sagen zu ihm:
Herr, komm und sieh! $11/35$ Jesus weinte. $11/36$ Da sprachen
die Juden: Siehe, wie lieb hat er ihn gehabt! $11/37$ Einige
aber von ihnen sagten: Konnte dieser, der die Augen des Blinden
auftat, nicht machen, da auch dieser nicht gestorben wre?
$11/38$ Jesus nun, wieder in seinem Innern erzrnt, kommt zur
Gruft. Es war aber eine Hhle, und ein Stein lag davor. $11/39$
Jesus spricht: Nehmt den Stein weg! Die Schwester des
Verstorbenen, Martha, spricht zu ihm: Herr, er riecht schon,
denn er ist vier Tage hier. $11/40$ Jesus spricht zu ihr: Habe
ich dir nicht gesagt, wenn du glaubtest, so wrdest du die
Herrlichkeit Gottes sehen? $11/41$ Sie nahmen nun den Stein weg.
Jesus aber hob die Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir,
da du mich erhrt hast. $11/42$ Ich aber wute, da du mich
allezeit erhrst; doch um der Volksmenge willen, die umhersteht,
habe ich es gesagt, damit sie glauben, da du mich gesandt hast.
$11/43$ Und als er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme:
Lazarus, komm heraus! $11/44$ Und der Verstorbene kam heraus, an
Fen und Hnden mit Grabtchern umwickelt, und sein Gesicht war
mit einem Schweituch umbunden. Jesus spricht zu ihnen: Macht
ihn frei und lat ihn gehen.

$11/45$ Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und
sahen, was er getan hatte, glaubten an ihn. $11/46$ Einige aber
von ihnen gingen hin zu den Pharisern und sagten ihnen, was
Jesus getan hatte.

Ratssitzung ber Jesus: Beschlu, ihn zu tten.

$11/47$ Da versammelten die Hohenpriester und die Phariser
[den] Hohen Rat und sprachen: Was tun wir? Denn dieser Mensch
tut viele Zeichen. $11/48$ Wenn wir ihn so lassen, werden alle
an ihn glauben, und die Rmer werden kommen und unsere Stadt wie
auch unsere Nation wegnehmen. $11/49$ Einer aber von ihnen,
Kaiphas, der jenes Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr
wit nichts $11/50$ und berlegt auch nicht, da es euch
ntzlich ist, da ein Mensch fr das Volk sterbe und nicht die
ganze Nation umkomme. $11/51$ Dies aber sagte er nicht aus sich
selbst, sondern da er jenes Jahr Hoherpriester war, weissagte
er, da Jesus fr die Nation sterben sollte; $11/52$ und nicht
fr die Nation allein, sondern da er auch die zerstreuten
Kinder Gottes in eins versammelte. $11/53$ Von jenem Tag an
ratschlagten sie nun, um ihn zu tten. $11/54$ Jesus ging nun
nicht mehr ffentlich unter den Juden umher, sondern ging von
dort weg in die Gegend nahe bei der Wste, in eine Stadt mit
Namen Ephraim; und dort verweilte er mit den Jngern.

$11/55$ Es war aber nahe das Passah der Juden, und viele gingen
aus dem Land hinauf nach Jerusalem vor dem Passah, um sich zu
reinigen. $11/56$ Sie suchten nun Jesus und sprachen, als sie im
Tempel standen, untereinander: Was meint ihr? Wird er nicht zu
dem Fest kommen? $11/57$ Es hatten aber die Hohenpriester und
die Phariser Befehl gegeben, wenn jemand wisse, wo er sei, da
er es anzeigen solle, damit sie ihn griffen.

Salbung Jesu in Bethanien.

Mt 26,6-13; Mk 14,3-9

\12\

$12/1$ Jesus nun kam sechs Tage vor dem Passah nach Bethanien,
wo Lazarus war, den Jesus aus den Toten auferweckt hatte. $12/2$
Sie machten ihm nun dort ein Abendessen, und Martha diente;
Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch lagen.
$12/3$ Da nahm Maria ein Pfund Salbl von echter, sehr kostbarer
Narde und salbte die Fe Jesu und trocknete seine Fe mit
ihren Haaren. Das Haus aber wurde von dem Geruch des Salbls
erfllt. $12/4$ Es sagt aber Judas, der Iskariot, einer von
seinen Jngern, der ihn berliefern sollte: $12/5$ Warum ist
dieses Salbl nicht fr dreihundert Denare verkauft und den
Armen gegeben worden? $12/6$ Er sagte dies aber nicht, weil er
fr die Armen besorgt war, sondern weil er ein Dieb war und die
Kasse hatte und beiseiteschaffte, was eingelegt wurde. $12/7$ Da
sprach Jesus: La sie! Mge sie es aufbewahrt haben fr den Tag
meines Begrbnisses! $12/8 Denn die Armen habt ihr allezeit bei
euch, mich aber habt ihr nicht allezeit.

Anschlge der Hohenpriester gegen Lazarus.

$12/9$ Eine groe Volksmenge aus den Juden erfuhr nun, da er
dort sei; und sie kamen nicht um Jesu willen allein, sondern
damit sie auch den Lazarus shen, den er aus den Toten
auferweckt hatte. $12/10$ Die Hohenpriester aber ratschlagten,
auch den Lazarus zu tten, $12/11$ weil viele von den Juden um
seinetwillen hingingen und an Jesus glaubten.

Einzug in Jerusalem.

Mt 21,1-11; Mk 11,1-10; Lk 19,28-40

$12/12$ Am folgenden Tag, als eine groe Volksmenge, die zu dem
Fest gekommen war, hrte, da Jesus nach Jerusalem komme,
$12/13$ nahmen sie die Palmzweige und gingen hinaus, ihm
entgegen, und schrien: Hosanna! Gepriesen [sei], der da kommt im
Namen des Herrn, und der Knig Israels! $12/14$ Jesus aber fand
einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht:
$12/15$ `Frchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein Knig
kommt, sitzend auf einem Eselsfllen. $12/16$ Dies verstanden
seine Jnger zuerst nicht; jedoch als Jesus verherrlicht war, da
erinnerten sie sich, da dies von ihm geschrieben war und sie
ihm dies getan hatten. $12/17$ Es bezeugte nun die Volksmenge,
die bei ihm war, da er Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn aus
den Toten auferweckt habe. $12/18$ Darum ging ihm auch die
Volksmenge entgegen, weil sie hrten, da er dieses Zeichen
getan hatte. $12/19$ Da sprachen die Phariser zueinander: Ihr
seht, da ihr gar nichts ausrichtet; siehe, die Welt ist ihm
nachgegangen.

ber das Sterben des Menschensohnes.

$12/20$ Es waren aber einige Griechen unter denen, die
hinzukamen, um auf dem Fest anzubeten. $12/21$ Diese nun kamen
zu Philippus von Bethsaida in Galila und baten ihn und sagten:
Herr, wir mchten Jesus sehen. $12/22$ Philippus kommt und sagt
es Andreas, es kommt Andreas und Philippus, und sie sagen es
Jesus. $12/23$ Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die
Stunde ist gekommen, da der Sohn des Menschen verherrlicht
werde. $12/24$ Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das
Weizenkorn nicht in die Erde fllt und stirbt, bleibt es allein;
wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. $12/25$ Wer sein
Leben liebt, wird es verlieren; und wer sein Leben in dieser
Welt hat, wird es zum ewigen Leben bewahren. $12/26$ Wenn mir
jemand dient, so folge er mir nach; und wo ich bin, da wird auch
mein Diener sein. Wenn mir jemand dient, so wird der Vater ihn
ehren. $12/27$ Jetzt ist meine Seele bestrzt. Und was soll ich
sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde? Doch darum bin ich
in diese Stunde gekommen. $12/28$ Vater, verherrliche deinen
Namen! Da kam eine Stimme aus dem Himmel: Ich habe [ihn]
verherrlicht und werde [ihn] auch wieder verherrlichen. $12/29$
Die Volksmenge nun, die dastand und zuhrte, sagte, es habe
gedonnert; andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet. $12/30$
Jesus antwortete und sprach: Nicht um meinetwillen ist diese
Stimme geschehen, sondern um euretwillen. $12/31$ Jetzt ist das
Gericht dieser Welt; jetzt wird der Frst dieser Welt
hinausgeworfen werden. $12/32$ Und ich, wenn ich von der Erde
erhht bin, werde alle zu mir ziehen. $12/33$ Dies aber sagte
er, um anzudeuten, welches Todes er sterben sollte. $12/34$ Die
Volksmenge antwortete ihm: Wir haben aus dem Gesetz gehrt, da
der Christus bleibe in Ewigkeit, und wie sagst du, da der Sohn
des Menschen erhht werden msse? Wer ist dieser, der Sohn des
Menschen? $12/35$ Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine
Zeit ist das Licht unter euch; wandelt, whrend ihr das Licht
habt, damit nicht Finsternis euch ergreife. Und wer in der
Finsternis wandelt, wei nicht, wohin er geht. $12/36$ Whrend
ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Shne des
Lichtes werdet. Dies redete Jesus und ging weg und verbarg sich
vor ihnen.

Unglaube und Glaube bei den Juden.

$12/37$ Obwohl er aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte,
glaubten sie nicht an ihn, $12/38$ damit das Wort des Propheten
Jesaja erfllt wrde, das er sprach: `Herr, wer hat unserer
Verkndigung geglaubt, und wem ist der Arm des Herrn offenbart
worden? $12/39$ Darum konnten sie nicht glauben, weil Jesaja
wieder gesagt hat: $12/40$ `Er hat ihre Augen verblendet und ihr
Herz verstockt, da sie nicht mit den Augen sehen und mit dem
Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile. $12/41$
Dies sprach Jesaja, weil er seine Herrlichkeit sah und von ihm
redete. $12/42$ Dennoch aber glaubten auch von den Obersten
viele an ihn; doch wegen der Phariser bekannten sie [ihn]
nicht, damit sie nicht aus der Synagoge ausgeschlossen wrden;
$12/43$ denn sie liebten die Ehre bei den Menschen mehr als die
Ehre bei Gott.

Abschlu der ffentlichen Wirksamkeit Jesu: Folgen des Glaubens
und des Unglaubens.

$12/44$ Jesus aber rief und sprach: Wer an mich glaubt, glaubt
nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat; $12/45$ und
wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. $12/46$ Ich bin
als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt,
nicht in der Finsternis bleibe; $12/47$ und wenn jemand meine
Worte hrt und nicht befolgt, so richte ich ihn nicht, denn ich
bin nicht gekommen, da ich die Welt richte, sondern da ich die
Welt errette. $12/48$ Wer mich verwirft und meine Worte nicht
annimmt, hat den, der ihn richtet: das Wort, das ich geredet
habe, das wird ihn richten am letzten Tag. $12/49$ Denn ich habe
nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich
gesandt hat, er hat mir ein Gebot gegeben, was ich sagen und was
ich reden soll; $12/50$ und ich wei, da sein Gebot ewiges
Leben ist. Was ich nun rede, rede ich so, wie mir der Vater
gesagt hat.

Die Fuwaschung.

\13\

$13/1$ Vor dem Passahfest aber, als Jesus wute, da seine
Stunde gekommen war, aus dieser Welt zu dem Vater hinzugehen -
da er die Seinen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte
er sie bis ans Ende. $13/2$ Und whrend des Abendessens, als der
Teufel schon dem Judas, Simons [Sohn], dem Iskariot, es ins Herz
gegeben hatte, da er ihn berliefere, $13/3$ steht [Jesus] - im
Bewutsein, da der Vater ihm alles in die Hnde gegeben und da
er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe - $13/4$ von dem
Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein
leinenes Tuch und umgrtete sich. $13/5$ Dann giet er Wasser in
das Waschbecken und fing an, die Fe der Jnger zu waschen und
mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit dem er umgrtet war.
$13/6$ Er kommt nun zu Simon Petrus, und der spricht zu ihm:
Herr, du wschst meine Fe? $13/7$ Jesus antwortete und sprach
zu ihm: Was ich tue, weit du jetzt nicht, du wirst es aber
nachher verstehen. $13/8$ Petrus spricht zu ihm: Du sollst
nimmermehr meine Fe waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich
dich nicht wasche, so hast du kein Teil mit mir. $13/90$ Simon
Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht meine Fe allein, sondern
auch die Hnde und das Haupt. $13/10$ Jesus spricht zu ihm: Wer
gebadet ist, hat nicht ntig, sich zu waschen, ausgenommen die
Fe, sondern ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle.
$13/11$ Denn er kannte den, der ihn berlieferte; darum sagte
er: Ihr seid nicht alle rein.

$13/12$ Als er nun ihre Fe gewaschen und seine Oberkleider
genommen hatte, legte er sich wieder zu Tisch und sprach zu
ihnen: Wit ihr, was ich euch getan habe? $13/13$ Ihr nennt mich
Lehrer und Herr, und ihr sagt recht, denn ich bin es. $13/14$
Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, eure Fe gewaschen habe,
so seid auch ihr schuldig, einander die Fe zu waschen. $13/15$
Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, da auch ihr tut, wie
ich euch getan habe. $13/16$ Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
Ein Sklave ist nicht grer als sein Herr, noch ein Gesandter
grer, als der ihn gesandt hat. $13/17$ Wenn ihr dies wit,
glckselig seid ihr, wenn ihr es tut.

Bezeichnung des Verrters.

Mt 26,20-25; Mk 14,17-21; Lk 22,14.21-23

$13/18$ Ich rede nicht von euch allen, ich wei, welche ich
erwhlt habe; aber damit die Schrift erfllt wrde: `Der mit mir
das Brot it, hat seine Ferse gegen mich aufgehoben. $13/19$ Von
jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es
geschieht, glaubt, da ich es bin. $13/20$ Wahrlich, wahrlich,
ich sage euch: Wer aufnimmt, wen ich senden werde, nimmt mich
auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt
hat.

$13/21$ Als Jesus dies gesagt hatte, wurde er im Geist
erschttert und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich
sage euch: Einer von euch wird mich berliefern. $13/22$ Da
blickten die Jnger einander an, in Verlegenheit darber, von
wem er rede. $13/23$ Einer von seinen Jngern, den Jesus liebte,
lag zu Tisch an der Brust Jesu. $13/24$ Diesem nun winkt Simon
Petrus und spricht zu ihm: Sage, wer es ist, von dem er spricht.
$13/25$ Jener lehnt sich an die Brust Jesu und spricht zu ihm:
Herr, wer ist es? $13/26$ Jesus antwortete: Der ist es, dem ich
den Bissen, wenn ich ihn eingetaucht habe, geben werde. Und als
er den Bissen eingetaucht hatte, nimmt er ihn und gibt ihn dem
Judas, Simons [Sohn], dem Ischarioth. $13/27$ Und nach dem
Bissen fuhr dann der Satan in ihn. Jesus spricht nun zu ihm: Was
du tust, tu schnell! $13/28$ Keiner aber von den zu Tisch
Liegenden verstand, wozu er ihm dies sagte: $13/29$ Denn einige
meinten, weil Judas die Kasse hatte, da Jesus zu ihm sage:
Kaufe, was wir fr das Fest bentigen, oder da er den Armen
etwas geben solle. $13/30$ Als nun jener den Bissen genommen
hatte, ging er sogleich hinaus. Es war aber Nacht.

Das neue Gebot: Liebe.

$13/31$ Als er nun hinausgegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist
der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in
ihm. $13/32$ Wenn Gott verherrlicht ist in ihm, so wird auch
Gott ihn verherrlichen in sich selbst, und er wird ihn sogleich
verherrlichen. $13/33$ Kinder, noch eine kleine Weile bin ich
bei euch; ihr werdet mich suchen, und wie ich den Juden sagte:
Wohin ich gehe, knnt ihr nicht hinkommen, so sage ich jetzt
auch euch. $13/34$ Ein neues Gebot gebe ich euch, da ihr
einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr
einander liebt. $13/35$ Daran werden alle erkennen, da ihr
meine Jnger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Ankndigung der Verleugnung durch Petrus.

Mt 26,31-35; Mk 14,27-31; Lk 22,31-34

$13/36$ Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, wohin gehst du? Jesus
antwortete ihm: Wohin ich gehe, [dorthin] kannst du mir jetzt
nicht folgen; du wirst mir aber spter folgen. $13/37$ Petrus
spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen?
Mein Leben will ich fr dich lassen. $13/38$ Jesus antwortet:
Dein Leben willst du fr mich lassen? Wahrlich, wahrlich, ich
sage dir, der Hahn wird nicht krhen, bis du mich dreimal
verleugnet hast.

Hingang zum Vater und Wiederkunft - Offenbarung des Vaters.

\14\

$14/1$ Euer Herz werde nicht bestrzt. Ihr glaubt an Gott,
glaubt auch an mich. $14/2$ Im Hause meines Vaters sind viele
Wohnungen. Wenn es nicht so wre, wrde ich euch gesagt haben:
Ich gehe hin, euch eine Sttte zu bereiten? $14/3$ Und wenn ich
hingehe und euch eine Sttte bereite, so komme ich wieder und
werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.
$14/4$ Und wohin ich gehe, dahin wit ihr den Weg. $14/5$ Thomas
spricht zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Und wie
knnen wir den Weg wissen? $14/6$ Jesus spricht zu ihm: Ich bin
der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater
als nur durch mich. $14/7$ Wenn ihr mich erkannt habt, werdet
ihr auch meinen Vater erkennen; und von jetzt an erkennt ihr ihn
und habt ihn gesehen. $14/8$ Philippus spricht zu ihm: Herr,
zeige uns den Vater, und es gengt uns. $14/9$ Jesus spricht zu
ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht
erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.
Und wie sagst du: Zeige uns den Vater? $14/10$ Glaubst du nicht,
da ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte,
die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater
aber, der in mir bleibt, tut seine Werke. $14/11$ Glaubt mir,
da ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber
nicht, so glaubt mir um der Werke selbst willen. $14/12$
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird
auch die Werke tun, die ich tue, und wird grere als diese tun,
weil ich zum Vater gehe. $14/13$ Und was ihr bitten werdet in
meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht
werde im Sohn. $14/14$ Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem
Namen, so werde ich es tun.

Sendung des Sachwalters.

$14/15$ Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten;
$14/16$ und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen
anderen Beistand geben, da er bei euch sei in Ewigkeit, $14/17$
den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil
sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er
bleibt bei euch und wird in euch sein. $14/18$ Ich werde euch
nicht verwaist zurcklassen, ich komme zu euch. $14/19$ Noch ein
Kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich:
weil ich lebe, werdet auch ihr leben. $14/20$ An jenem Tag
werdet ihr erkennen, da ich in meinem Vater bin und ihr in mir
und ich in euch. $14/21$ Wer meine Gebote hat und sie hlt, der
ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem
Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst
ihm offenbaren. $14/22$ Judas, nicht der Ischarioth, spricht zu
ihm: Herr, wie kommt es, da du dich uns offenbaren willst und
nicht der Welt? $14/23$ Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn
jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater
wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei
ihm machen. $14/24$ Wer mich nicht liebt, hlt meine Worte
nicht; und das Wort, das ihr hrt, ist nicht mein, sondern des
Vaters, der mich gesandt hat. $14/25$ Dies habe ich zu euch
geredet, whrend ich bei euch weile. $14/26$ Der Beistand aber,
der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen,
der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich
euch gesagt habe. $14/27$ Frieden lasse ich euch, meinen Frieden
gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz
werde nicht bestrzt, sei auch nicht furchtsam. $14/28$ Ihr habt
gehrt, da ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und ich komme zu
euch. Wenn ihr mich liebtet, so wrdet ihr euch freuen, da ich
zum Vater gehe, denn der Vater ist grer als ich. $14/29$ Und
jetzt habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr
glaubt, wenn es geschieht. $14/30$ Ich werde nicht mehr vieles
mit euch reden, denn der Frst der Welt kommt und hat nichts in
mir; $14/31$ aber damit die Welt erkenne, da ich den Vater
liebe und so tue, wie mir der Vater geboten hat. - Steht auf,
lat uns von hier fortgehen!

Der wahre Weinstock.

\15\

$15/1$ Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der
Weingrtner. $15/2$ Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt,
die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er,
da sie mehr Frucht bringe. $15/3$ Ihr seid schon rein um des
Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. $15/4$ Bleibt in
mir und ich in euch. Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht
bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht,
ihr bleibt denn in mir. $15/5$ Ich bin der Weinstock, ihr seid
die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel
Frucht, denn getrennt von mir knnt ihr nichts tun. $15/6$ Wenn
jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die
Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer,
und sie verbrennen. $15/7$ Wenn ihr in mir bleibt und meine
Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und
es wird euch geschehen. $15/8$ Hierin wird mein Vater
verherrlicht, da ihr viel Frucht bringt und meine Jnger
werdet.

Das Gebot der Liebe.

$15/9$ Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch
geliebt; bleibt in meiner Liebe. $15/10$ Wenn ihr meine Gebote
haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die
Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
$15/11$ Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in
euch sei und eure Freude vllig werde. $15/12$ Dies ist mein
Gebot, da ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.
$15/13$ Grere Liebe hat niemand als die, da er sein Leben
hingibt fr seine Freunde. $15/14$ Ihr seid meine Freunde, wenn
ihr tut, was ich euch gebiete. $15/15$ Ich nenne euch nicht mehr
Sklaven, denn der Sklave wei nicht, was sein Herr tut; euch
aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von
meinem Vater gehrt, euch kundgetan habe. $15/16$ Ihr habt nicht
mich erwhlt, sondern ich habe euch erwhlt und euch gesetzt,
da ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit,
was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe.
$15/17$ Dies gebiete ich euch, da ihr einander liebt!

Ankndigung von Verfolgungen.

$15/18$ Wenn die Welt euch hat, so wit, da sie mich vor euch
gehat hat. $15/19$ Wenn ihr von der Welt wret, wrde die Welt
das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern
ich euch aus der Welt erwhlt habe, darum hat euch die Welt.
$15/20$ Gedenkt des Wortes, das ich euch gesagt habe: Ein Sklave
ist nicht grer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben,
werden sie auch euch verfolgen; wenn sie mein Wort gehalten
haben, werden sie auch das eure halten. $15/21$ Aber dies alles
werden sie euch tun um meines Namens willen, weil sie den nicht
kennen, der mich gesandt hat. $15/22$ Wenn ich nicht gekommen
wre und zu ihnen geredet htte, so htten sie keine Snde;
jetzt aber haben sie keinen Vorwand fr ihre Snde. $15/23$ Wer
mich hat, hat auch meinen Vater. $15/24$ Wenn ich nicht die
Werke unter ihnen getan htte, die kein anderer getan hat, so
htten sie keine Snde; jetzt aber haben sie [sie] gesehen und
[doch] sowohl mich als auch meinen Vater gehat. $15/25$ Aber
[dies geschieht], damit das Wort erfllt wrde, das in ihrem
Gesetz geschrieben steht: `Sie haben mich ohne Ursache gehat.
$15/26$ Wenn der Beistand gekommen ist, den ich euch von dem
Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater
ausgeht, so wird der von mir zeugen. $15/27$ Aber auch ihr
zeugt, weil ihr von Anfang an bei mir seid.

\16\

$16/1$ Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht
rgert. $16/2$ Sie werden euch aus der Synagoge ausschlieen; es
kommt sogar die Stunde, da jeder, der euch ttet, meinen wird,
Gott einen Opferdienst darzubringen. $16/3$ Und dies werden sie
tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben. $16/4$
Dies aber habe ich zu euch geredet, damit ihr, wenn die Stunde
gekommen ist, daran gedenkt, da ich es euch gesagt habe. Dies
aber habe ich euch von Anfang an nicht gesagt, weil ich bei euch
war.

Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes.

$16/5$ Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und
niemand von euch fragt mich: Wohin gehst du? $16/6$ sondern weil
ich dies zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz
erfllt. $16/7$ Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch
ntzlich, da ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der
Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich
ihn zu euch senden. $16/8$ Und wenn er gekommen ist, wird er die
Welt berfhren von Snde und von Gerechtigkeit und von Gericht.
$16/9$ Von Snde, weil sie nicht an mich glauben; $16/10$ von
Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht
mehr seht; $16/11$ von Gericht aber, weil der Frst dieser Welt
gerichtet ist.

$16/12$ Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr knnt es
jetzt nicht tragen. $16/13$ Wenn aber jener, der Geist der
Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit
leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er
hren wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch
verkndigen. $16/14$ Er wird mich verherrlichen, denn von dem
Meinen wird er nehmen und euch verkndigen. $16/15$ Alles, was
der Vater hat, ist mein; darum sagte ich, da er von dem Meinen
nimmt und euch verkndigen wird.

Trost und Freude im Blick auf Jesu Abscheiden und Wiederkehr.

$16/16$ Eine kleine [Weile], und ihr seht mich nicht, und wieder
eine kleine [Weile], und ihr werdet mich sehen. $16/17$ Es
sprachen nun einige von seinen Jngern zueinander: Was ist das,
was er zu uns sagt: Eine kleine [Weile], und ihr seht mich
nicht, und wieder eine kleine [Weile], und ihr werdet mich
sehen, und: Ich gehe hin zum Vater? $16/18$ Sie sprachen nun:
Was ist das fr eine `kleine [Weile], wovon er redet? Wir wissen
nicht, was er sagt. $16/19$ Jesus erkannte, da sie ihn fragen
wollten, und sprach zu ihnen: Forscht ihr darber miteinander,
da ich sagte: Eine kleine [Weile], und ihr seht mich nicht, und
wieder eine kleine [Weile], und ihr werdet mich sehen? $16/20$
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, da ihr weinen und wehklagen
werdet, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein,
aber eure Traurigkeit wird zur Freude werden. $16/21$ Die Frau
hat Traurigkeit, wenn sie gebiert, weil ihre Stunde gekommen
ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, gedenkt sie nicht mehr
der Bedrngnis, um der Freude willen, da ein Mensch zur Welt
geboren ist. $16/22$ Auch ihr nun habt jetzt zwar Traurigkeit;
aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen,
und eure Freude nimmt niemand von euch. $16/23$ Und an jenem Tag
werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage
euch: Was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er
euch geben. $16/24$ Bis jetzt habt ihr nichts gebeten in meinem
Namen. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude
vllig sei. $16/25$ Dies habe ich in Bildreden zu euch geredet;
es kommt die Stunde, da ich nicht mehr in Bildreden zu euch
sprechen, sondern euch offen von dem Vater verkndigen werde.
$16/26$ An jenem Tag werdet ihr bitten in meinem Namen, und ich
sage euch nicht, da ich den Vater fr euch bitten werde;
$16/27$ denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich
geliebt und geglaubt habt, da ich von Gott ausgegangen bin.
$16/28$ Ich bin von dem Vater ausgegangen und in die Welt
gekommen; wieder verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.

$16/29$ Seine Jnger sprechen zu ihm: Siehe, jetzt redest du
offen und gebrauchst keine Bildrede; $16/30$ jetzt wissen wir,
da du alles weit und nicht ntig hast, da dich jemand frage;
hierdurch glauben wir, da du von Gott ausgegangen bist. $16/31$
Jesus antwortete ihnen: Glaubt ihr jetzt? $16/32$ Siehe, es
kommt die Stunde und ist gekommen, da ihr euch zerstreuen
werdet, ein jeder in seine Heimat und mich allein lassen werdet;
doch ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. $16/33$
Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In
der Welt habt ihr Drangsal; aber seid guten Mutes, ich habe die
Welt berwunden.

Das hohepriesterliche Gebet.

\17\

$17/1$ Dies redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und
sprach: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen
Sohn, damit der Sohn dich verherrliche, $17/2$ wie du ihm
Vollmacht gegeben hast ber alles Fleisch, da er allen, die du
ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe. $17/3$ Dies aber ist das
ewige Leben, da sie dich, den allein wahren Gott, und den du
gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. $17/4$ Ich habe dich
verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du
mir gegeben hast, da ich es tun sollte. $17/5$ Und nun
verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der
Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.

$17/6$ Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir
aus der Welt gegeben hast. Dein waren sie, und mir hast du sie
gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. $17/7$ Jetzt haben sie
erkannt, da alles, was du mir gegeben hast, von dir ist; $17/8$
denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben,
und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, da ich von
dir ausgegangen bin, und haben geglaubt, da du mich gesandt
hast. $17/9$ Ich bitte fr sie; nicht fr die Welt bitte ich,
sondern fr die, welche du mir gegeben hast, denn sie sind dein
$17/10$ - und alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist,
mein -, und ich bin in ihnen verherrlicht. $17/11$ Und ich bin
nicht mehr in der Welt, und diese sind in der Welt, und ich
komme zu dir. Heiliger Vater! Bewahre sie in deinem Namen, den
du mir gegeben hast, da sie eins seien wie wir. $17/12$ Als ich
bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir
gegeben hast; und ich habe [sie] behtet, und keiner von ihnen
ist verloren als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift
erfllt werde. $17/13$ Jetzt aber komme ich zu dir; und dieses
rede ich in der Welt, damit sie meine Freude vllig in sich
haben. $17/14$ Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt
hat sie gehat, weil sie nicht von der Welt sind, wie ich nicht
von der Welt bin. $17/15$ Ich bitte nicht, da du sie aus der
Welt wegnimmst, sondern da du sie bewahrst vor dem Bsen.
$17/16$ Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt
bin. $17/17$ Heilige sie durch die Wahrheit: dein Wort ist
Wahrheit. $17/18$ Wie du mich in die Welt gesandt hast, habe
auch ich sie in die Welt gesandt; $17/19$ und ich heilige mich
selbst fr sie, damit auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit.
$17/20$ Aber nicht fr diese allein bitte ich, sondern auch fr
die, welche durch ihr Wort an mich glauben, $17/21$ damit sie
alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, da auch
sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, da du mich
gesandt hast. $17/22$ Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben
hast, habe ich ihnen gegeben, da sie eins seien, wie wir eins
sind $17/23$ - ich in ihnen und du in mir -, da sie in eins
vollendet seien, damit die Welt erkenne, da du mich gesandt und
sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast. $17/24$ Vater, ich
will, da die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien,
wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir
gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der
Welt. $17/25$ Gerechter Vater! - Und die Welt hat dich nicht
erkannt; ich aber habe dich erkannt, und diese haben erkannt,
da du mich gesandt hast. $17/26$ Und ich habe ihnen deinen
Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, womit du
mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen.

Gefangennahme.

Mt 26,47-56; Mk 14,43-50; Lk 22,47-53

\18\

$18/1$ Als Jesus dies gesagt hatte, ging er mit seinen Jngern
hinaus ber den Bach Kidron, wo ein Garten war, in den er
hineinging, er und seine Jnger. $18/2$ Aber auch Judas, der ihn
berlieferte, wute den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen
Jngern zusammen war. $18/3$ Als nun Judas die Schar und von den
Hohenpriestern und Pharisern Diener genommen hatte, kommt er
dahin mit Leuchten und Fackeln und Waffen. $18/4$ Jesus nun, der
alles wute, was ber ihn kommen wrde, ging hinaus und sprach
zu ihnen: Wen sucht ihr? $18/5$ Sie antworteten ihm: Jesus, den
Nazorer. Er spricht zu ihnen: Ich bin}s. Aber auch Judas, der
ihn berlieferte, stand bei ihnen. $18/6$ Als er nun zu ihnen
sagte: Ich bin}s, wichen sie zurck und fielen zu Boden. $18/7$
Da fragte er sie wieder: Wen sucht ihr? Sie aber sprachen:
Jesus, den Nazorer. $18/8$ Jesus antwortete: Ich habe euch
gesagt, da ich es bin; wenn ihr nun mich sucht, so lat diese
gehen; $18/9$ damit das Wort erfllt wrde, das er sprach: Von
denen, die du mir gegeben hast, habe ich keinen verloren.
$18/10$ Simon Petrus nun, der ein Schwert hatte, zog es und
schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr
ab. Der Name des Knechtes aber war Malchus. $18/11$ Da sprach
Jesus zu Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide! Den Kelch,
den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?

Verhr durch Hannas - Verleugnung durch Petrus.

Mt 26,57-75; Mk 14,53-72; Lk 22,54-71

$18/12$ Die Schar nun und der Oberst und die Diener der Juden
nahmen Jesus und banden ihn; $18/13$ und sie fhrten ihn zuerst
hin zu Hannas, denn er war Schwiegervater des Kaiphas, der jenes
Jahr Hoherpriester war. $18/14$ Kaiphas aber war es, der den
Juden geraten hatte, es sei ntzlich, da ein Mensch fr das
Volk sterbe. $18/15$ Simon Petrus aber folgte Jesus und ein
anderer Jnger. Dieser Jnger aber war dem Hohenpriester bekannt
und ging mit Jesus hinein in den Hof des Hohenpriesters. $18/16$
Petrus aber stand an der Tr drauen. Da ging der andere Jnger,
der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und sprach mit der
Trhterin und fhrte Petrus hinein. $18/17$ Da spricht die
Magd, die Trhterin, zu Petrus: Bist nicht auch du [einer] von
den Jngern dieses Menschen? Er sagt: Ich bin}s nicht. $18/18$
Es standen aber die Knechte und die Diener da, die ein
Kohlenfeuer gemacht hatten, weil es kalt war, und wrmten sich;
Petrus aber stand auch bei ihnen und wrmte sich. $18/19$ Der
Hohepriester nun fragte Jesus ber seine Jnger und ber seine
Lehre. $18/20$ Jesus antwortete ihm: Ich habe ffentlich zu der
Welt geredet; ich habe allezeit in der Synagoge und in dem
Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen, und im Verborgenen
habe ich nichts geredet. $18/21$ Was fragst du mich? Frage die,
welche gehrt haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, diese
wissen, was ich gesagt habe. $18/22$ Als er aber dies sagte, gab
einer der Diener, der dabeistand, Jesus einen Schlag [ins
Gesicht] und sagte: Antwortest du so dem Hohenpriester? $18/23$
Jesus antwortete ihm: Wenn ich schlecht geredet habe, so gib
Zeugnis von dem Schlechten; wenn aber recht, was schlgst du
mich? $18/24$ Hannas nun sandte ihn gebunden zu Kaiphas, dem
Hohenpriester.

$18/25$ Simon Petrus aber stand da und wrmte sich. Da sprachen
sie zu ihm: Bist nicht auch du [einer] von seinen Jngern? Er
leugnete und sprach: Ich bin}s nicht. $18/26$ Es spricht einer
von den Knechten des Hohenpriesters, der ein Verwandter dessen
war, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht in
dem Garten bei ihm? $18/27$ Da leugnete Petrus wieder; und
gleich darauf krhte der Hahn.

Verhr durch Pilatus.

Mt 27,2.11-26; Mk 15,1-15; Lk 23,1-5.13-25

$18/28$ Sie fhren nun Jesus von Kaiphas in das Prtorium; es
war aber frhmorgens. Und sie gingen nicht hinein in das
Prtorium, damit sie sich nicht verunreinigten, sondern das
Passah essen knnten. $18/29$ Pilatus ging nun zu ihnen hinaus
und sprach: Welche Anklage bringt ihr gegen diesen Menschen vor?
$18/30$ Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wenn dieser nicht
ein beltter wre, wrden wir ihn dir nicht berliefert haben.
$18/31$ Da sprach Pilatus zu ihnen: Nehmt ihr ihn und richtet
ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Es ist uns
nicht erlaubt, jemanden zu tten; $18/32$ damit das Wort Jesu
erfllt wrde, das er sprach, um anzudeuten, welches Todes er
sterben sollte.

$18/33$ Pilatus ging nun wieder hinein in das Prtorium und rief
Jesus und sprach zu ihm: Bist du der Knig der Juden? $18/34$
Jesus antwortete: Sagst du dies von dir selbst, oder haben dir
andere von mir gesagt? $18/35$ Pilatus antwortete: Bin ich etwa
ein Jude? Deine Nation und die Hohenpriester haben dich mir
berliefert. Was hast du getan? $18/36$ Jesus antwortete: Mein
Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt
wre, so htten meine Diener gekmpft, damit ich den Juden nicht
berliefert wrde, jetzt aber ist mein Reich nicht von hier.
$18/37$ Da sprach Pilatus zu ihm: Also, du bist ein Knig? Jesus
antwortete: Du sagst es, da ich ein Knig bin. Ich bin dazu
geboren und dazu in die Welt gekommen, da ich fr die Wahrheit
Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hrt meine
Stimme. $18/38$ Pilatus spricht zu ihm: Was ist Wahrheit? Und
als er dies gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und
spricht zu ihnen: Ich finde keinerlei Schuld an ihm; $18/39$ es
ist aber ein Brauch bei euch, da ich euch an dem Passah einen
losgebe. Wollt ihr nun, da ich euch den Knig der Juden
losgebe? $18/40$ Da schrien wieder alle und sagten: Nicht
diesen, sondern den Barabbas! Barabbas aber war ein Ruber.

Geielung und Verurteilung.

V. 1-5: Mt 27,26-31; Mk 15,15-20

\19\

$19/1$ Dann nahm nun Pilatus Jesus und lie ihn geieln. $19/2$
Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie
auf sein Haupt und warfen ihm ein Purpurkleid um; $19/3$ und sie
kamen zu ihm und sagten: Sei gegrt, Knig der Juden! Und sie
gaben ihm Schlge [ins Gesicht]. $19/4$ Und Pilatus ging wieder
hinaus und spricht zu ihnen: Siehe, ich fhre ihn zu euch
heraus, damit ihr wit, da ich keinerlei Schuld an ihm finde.
$19/5$ Jesus nun ging hinaus und trug die Dornenkrone und das
Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Siehe, der Mensch! $19/6$
Als ihn nun die Hohenpriester und die Diener sahen, schrien sie
und sagten: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen:
Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn, denn ich finde keine Schuld
an ihm. $19/7$ Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz,
und nach dem Gesetz mu er sterben, weil er sich selbst zu
Gottes Sohn gemacht hat. $19/8$ Als nun Pilatus dieses Wort
hrte, frchtete er sich noch mehr; $19/9$ und er ging wieder
hinein in das Prtorium und spricht zu Jesus: Woher bist du?
Jesus aber gab ihm keine Antwort. $19/10$ Da spricht Pilatus zu
ihm: Redest du nicht mit mir? Weit du nicht, da ich Macht
habe, dich loszugeben, und Gewalt habe, dich zu kreuzigen?
$19/11$ Jesus antwortete: Du httest keinerlei Macht ber mich,
wenn sie dir nicht von oben gegeben wre; darum hat der, welcher
mich dir berliefert hat, grere Snde. $19/12$ Daraufhin
suchte Pilatus ihn loszugeben. Die Juden aber schrien und
sagten: Wenn du diesen losgibst, bist du des Kaisers Freund
nicht; jeder, der sich selbst zum Knig macht, widersetzt sich
dem Kaiser. $19/13$ Als nun Pilatus diese Worte hrte, fhrte er
Jesus hinaus und setzte sich auf den Richterstuhl an einen Ort,
genannt Steinpflaster, auf hebrisch aber Gabbatha. $19/14$ Es
war aber Rsttag des Passah; es war um die sechste Stunde. Und
er spricht zu den Juden: Siehe, euer Knig! $19/15$ Sie aber
schrien: Weg, weg! kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Euren
Knig soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir
haben keinen Knig auer dem Kaiser. $19/16$ Dann nun lieferte
er ihn an sie aus, da er gekreuzigt wrde. Sie aber nahmen
Jesus hin und fhrten ihn fort.

Golgatha: Kreuzigung.

Mt 27,32-44; Mk 15,21-32; Lk 23,26-43

$19/17$ Und er selbst trug sein Kreuz und ging hinaus nach der
Sttte, genannt Schdelsttte, die auf hebrisch Golgatha heit,
$19/18$ wo sie ihn kreuzigten, und zwei andere mit ihm, auf
dieser und auf jener Seite, Jesus aber in der Mitte. $19/19$
Pilatus schrieb aber auch eine Aufschrift und setzte sie auf das
Kreuz. Es war aber geschrieben: Jesus, der Nazorer, der Knig
der Juden. $19/20$ Diese Aufschrift nun lasen viele von den
Juden, denn die Sttte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei
der Stadt; und es war geschrieben auf hebrisch, griechisch
[und] lateinisch. $19/21$ Die Hohenpriester der Juden sagten nun
zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Knig der Juden, sondern da
jener gesagt hat: Ich bin Knig der Juden. $19/22$ Pilatus
antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.

$19/23$ Die Soldaten nun nahmen, als sie Jesus gekreuzigt
hatten, seine Kleider - und machten vier Teile, einem jeden
Soldaten einen Teil - und das Unterkleid. Das Unterkleid aber
war ohne Naht, von oben an durchgewebt. $19/24$ Da sprachen sie
zueinander: Lat es uns nicht zerreien, sondern darum losen,
wessen es sein soll; damit die Schrift erfllt wrde, die
spricht: `Sie haben meine Kleider unter sich verteilt, und ber
mein Gewand haben sie das Los geworfen. Die Soldaten nun haben
dies getan.

$19/25$ Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und die
Schwester seiner Mutter, Maria, des Kleopas [Frau] und Maria
Magdalena. $19/26$ Als nun Jesus die Mutter sah und den Jnger,
den er liebte, dabeistehen, spricht er zu seiner Mutter: Frau,
siehe, dein Sohn! $19/27$ Dann spricht er zu dem Jnger: Siehe,
deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm der Jnger sie zu
sich.

Golgatha: Tod.

V. 28-30: Mt 27,45-50; Mk 15,33-37; Lk 23,44-46

$19/28$ Danach, da Jesus wute, da alles schon vollbracht war,
spricht er, damit die Schrift erfllt wrde: Mich drstet!
$19/29$ Es stand nun dort ein Gef voll Essig. Sie aber fllten
einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und
brachten ihn an seinen Mund. $19/30$ Als nun Jesus den Essig
genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das
Haupt und bergab den Geist.

$19/31$ Die Juden nun baten den Pilatus, damit die Leiber nicht
am Sabbat am Kreuz blieben, weil es Rsttag war - denn der Tag
jenes Sabbats war gro -, da ihre Beine gebrochen und sie
abgenommen werden mchten. $19/32$ Da kamen die Soldaten und
brachen die Beine des ersten und des anderen, der mit ihm
gekreuzigt war. $19/33$ Als sie aber zu Jesus kamen und sahen,
da er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht,
$19/34$ sondern einer der Soldaten durchbohrte mit einem Speer
seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. $19/35$
Und der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist
wahr; und er wei, da er sagt, [was] wahr [ist], damit auch ihr
glaubt. $19/36$ Denn dies geschah, damit die Schrift erfllt
wrde: `Kein Bein von ihm wird zerbrochen werden. $19/37$ Und
wieder sagt eine andere Schrift: `Sie werden den anschauen, den
sie durchstochen haben.

Grablegung.

Mt 27,57-61; Mk 15,42-47; Lk 23,50-56

$19/38$ Danach aber bat Joseph von Arimatha, der ein Jnger
Jesu war, aber ein geheimer, aus Furcht vor den Juden, den
Pilatus, da er den Leib Jesu abnehmen drfe. Und Pilatus
erlaubte es. Er kam nun und nahm den Leib Jesu ab. $19/39$ Es
kam aber auch Nikodemus, der zuerst bei Nacht zu Jesus gekommen
war, und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, ungefhr
hundert Pfund. $19/40$ Sie nahmen nun den Leib Jesu und
wickelten ihn in Leinentcher mit den wohlriechenden len, wie
es bei den Juden zu bestatten Sitte ist. $19/41$ Es war aber an
dem Ort, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und in dem Garten
eine neue Gruft, in die noch nie jemand gelegt worden war.
$19/42$ Dorthin nun legten sie Jesus, wegen des Rsttags der
Juden, weil die Gruft nahe war. Das leere Grab des
Auferstandenen Mt 28,1-10; Mk 16,1-11; Lk 24,1-12

\20\

$20/1$ An dem ersten Wochentag aber kommt Maria Magdalena frh,
als es noch finster war, zur Gruft und sieht den Stein von der
Gruft weggenommen. $20/2$ Sie luft nun und kommt zu Simon
Petrus und zu dem anderen Jnger, den Jesus lieb hatte, und
spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn aus der Gruft weggenommen,
und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. $20/3$ Da ging
Petrus hinaus und der andere Jnger, und sie gingen zu der
Gruft. $20/4$ Die beiden aber liefen zusammen, und der andere
Jnger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zu der
Gruft; $20/5$ und als er sich vornberbckt, sieht er die
Leinentcher daliegen; doch ging er nicht hinein. $20/6$ Da
kommt Simon Petrus, der ihm folgte, und ging hinein in die Gruft
und sieht die Leinentcher daliegen $20/7$ und das Schweituch,
das auf seinem Haupt war, nicht zwischen den Leinentchern
liegen, sondern fr sich zusammengewickelt an einem [besonderen]
Ort. $20/8$ Da ging nun auch der andere Jnger hinein, der
zuerst zu der Gruft kam, und er sah und glaubte. $20/9$ Denn sie
verstanden die Schrift noch nicht, da er aus den Toten
auferstehen mute. $20/10$ Da gingen nun die Jnger wieder heim.

Erscheinung des Auferstandenen vor Maria Magdalena.

$20/11$ Maria aber stand drauen bei der Gruft und weinte. Als
sie nun weinte, bckte sie sich vornber in die Gruft $20/12$
und sieht zwei Engel in weien [Kleidern] dasitzen, einen bei
dem Haupt und einen bei den Fen, wo der Leib Jesu gelegen
hatte. $20/13$ Und jene sagen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie
spricht zu ihnen: Weil sie meinen Herrn weggenommen und ich
nicht wei, wo sie ihn hingelegt haben. $20/14$ Als sie dies
gesagt hatte, wandte sie sich zurck und sieht Jesus dastehen;
und sie wute nicht, da es Jesus war. $20/15$ Jesus spricht zu
ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie, in der Meinung, es
sei der Grtner, spricht zu ihm: Herr, wenn du ihn weggetragen,
so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich werde ihn
wegholen. $20/16$ Jesus spricht zu ihr: Maria! Sie wendet sich
um und spricht zu ihm auf hebrisch: Rabbuni! das heit Lehrer.
$20/17$ Jesus spricht zu ihr: Rhre mich nicht an, denn ich bin
noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brdern
und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem
Vater und zu meinem Gott und eurem Gott. $20/18$ Maria Magdalena
kommt und verkndet den Jngern, da sie den Herrn gesehen und
er dies zu ihr gesagt habe.

Erscheinung des Auferstandenen vor den Jngern.

$20/19$ Als es nun Abend war an jenem Tag, dem ersten der Woche,
und die Tren, wo die Jnger waren, aus Furcht vor den Juden
verschlossen waren, kam Jesus und trat in die Mitte und spricht
zu ihnen: Friede euch! $20/20$ Und als er dies gesagt hatte,
zeigte er ihnen die Hnde und die Seite. Da freuten sich die
Jnger, als sie den Herrn sahen. $20/21$ Jesus sprach nun wieder
zu ihnen: Friede euch! Wie der Vater mich ausgesandt hat, sende
ich auch euch. $20/22$ Und als er dies gesagt hatte, hauchte er
sie an und spricht zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist! $20/23$
Wenn ihr jemandem die Snden vergebt, dem sind sie vergeben,
wenn ihr sie jemandem behaltet, sind sie [ihm] behalten.

$20/24$ Thomas aber, einer von den Zwlfen, genannt Zwilling,
war nicht bei ihnen, als Jesus kam. $20/25$ Da sagten die
anderen Jnger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber
sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Hnden das Mal der
Ngel sehe und meine Finger in das Mal der Ngel lege und lege
meine Hand in seine Seite, so werde ich nicht glauben. $20/26$
Und nach acht Tagen waren seine Jnger wieder drinnen und Thomas
bei ihnen. [Da] kommt Jesus, als die Tren verschlossen waren,
und trat in die Mitte und sprach: Friede euch! $20/27$ Dann
spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine
Hnde, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite,
und sei nicht unglubig, sondern glubig. $20/28$ Thomas
antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! $20/29$
Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, hast du
geglaubt. Glckselig [sind], die nicht gesehen und [doch]
geglaubt haben!

Zweck dieses Buches.

$20/30$ Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor den
Jngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind.
$20/31$ Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, da Jesus
der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den
Glauben Leben habt in seinem Namen.

Erscheinung des Auferstandenen vor den Jngern am See Tiberias.

\21\

$21/1$ Nach diesem offenbarte Jesus sich wieder den Jngern am
See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: $21/2$ Simon
Petrus und Thomas, genannt Zwilling, und Nathanael, der von Kana
in Galila war, und die [Shne] des Zebedus und zwei andere von
seinen Jngern waren zusammen. Simon Petrus spricht zu ihnen:
$21/3$ Ich gehe hin fischen. Sie sprechen zu ihm: Auch wir gehen
mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Schiff; und in
jener Nacht fingen sie nichts. $21/4$ Als aber schon der frhe
Morgen anbrach, stand Jesus am Ufer; doch wuten die Jnger
nicht, da es Jesus war. $21/5$ Jesus spricht nun zu ihnen:
Kinder, habt ihr wohl etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
$21/6$ Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten
Seite des Schiffes aus, und ihr werdet finden. Da warfen sie es
aus und konnten es vor der Menge der Fische nicht mehr ziehen.
$21/7$ Da sagt jener Jnger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist
der Herr. Simon Petrus nun, als er hrte, da es der Herr sei,
grtete das Oberkleid um - denn er war nackt - und warf sich in
den See. $21/8$ Die anderen Jnger aber kamen in dem Boot - denn
sie waren nicht weit vom Land, sondern etwa zweihundert Ellen -
und zogen das Netz mit den Fischen nach. $21/9$ Als sie nun ans
Land ausstiegen, sehen sie ein Kohlenfeuer liegen und Fisch
daraufliegen und Brot. $21/10$ Jesus spricht zu ihnen: Bringt
her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt. $21/11$ Da
ging Simon Petrus hinauf und zog das Netz voll groer Fische,
hundertdreiundfnfzig, auf das Land; und obwohl es so viele
waren, zerri das Netz nicht. $21/12$ Jesus spricht zu ihnen:
Kommt her, frhstckt! Keiner aber von den Jngern wagte ihn zu
fragen: Wer bist du? Denn sie wuten, da es der Herr war.
$21/13$ Jesus kommt und nimmt das Brot und gibt es ihnen, und
ebenso den Fisch. $21/14$ Dies ist schon das dritte Mal, da
Jesus sich den Jngern offenbarte, nachdem er aus den Toten
auferweckt war.

Gesprch mit Petrus.

$21/15$ Als sie nun gefrhstckt hatten, spricht Jesus zu Simon
Petrus: Simon, [Sohn] des Johannes, liebst du mich mehr als
diese? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weit, da ich dich lieb
habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lmmer! $21/16$ Wiederum
spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, [Sohn] des Johannes,
liebst du mich? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weit, da ich
dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Hte meine Schafe! $21/17$ Er
spricht zum dritten Mal zu ihm: Simon, [Sohn] des Johannes, hast
du mich lieb? Petrus wurde traurig, da er zum dritten Mal zu
ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach zu ihm: Herr, du weit
alles; du erkennst, da ich dich lieb habe. Jesus spricht zu
ihm: Weide meine Schafe! $21/18$ Wahrlich, wahrlich, ich sage
dir: Als du jnger warst, grtetest du dich selbst und gingst,
wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du
deine Hnde ausstrecken, und ein anderer wird dich grten und
hinbringen, wohin du nicht willst. $21/19$ Dies aber sagte er,
um anzudeuten, mit welchem Tod er Gott verherrlichen sollte. Und
als er dies gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!
$21/20$ Petrus wandte sich um und sieht den Jnger nachfolgen,
den Jesus liebte, der sich auch bei dem Abendessen an seine
Brust gelehnt und gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich
berliefert? $21/21$ Als nun Petrus diesen sah, spricht er zu
Jesus: Herr, was [soll] aber dieser? $21/22$ Jesus spricht zu
ihm: Wenn ich will, da er bleibe, bis ich komme, was geht es
dich an? Folge du mir nach! $21/23$ Es ging nun dieses Wort
unter die Brder aus: Jener Jnger stirbt nicht. Aber Jesus
sprach nicht zu ihm, da er nicht sterbe, sondern: Wenn ich
will, da er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?

Schluwort.

$21/24$ Das ist der Jnger, der von diesen Dingen zeugt und der
dies geschrieben hat; und wir wissen, da sein Zeugnis wahr ist.
$21/25$ Es gibt aber auch viele andere Dinge, die Jesus getan
hat, und wenn diese alle einzeln niedergeschrieben wrden, so
wrde, scheint mir, selbst die Welt die geschriebenen Bcher
nicht fassen.
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