Das Evangelium nach Johannes.

Das ewige Wort.

\1\

$1/1$ Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das
Wort war Gott. $1/2$ Dieses war im Anfang bei Gott. $1/3$ Alles
wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines,
das geworden ist.

$1/4$ In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der
Menschen. $1/5$ Und das Licht scheint in der Finsternis, und die
Finsternis hat es nicht erfat.

Die Fleischwerdung des Wortes.

$1/6$ Da war ein Mensch, von Gott gesandt, sein Name Johannes.
$1/7$ Dieser kam zum Zeugnis, da er zeugte von dem Licht, damit
alle durch ihn glaubten. $1/8$ Er war nicht das Licht, sondern
[er kam,] da er zeugte von dem Licht. $1/9$ Das war das
wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen
erleuchtet. $1/10$ Er war in der Welt, und die Welt wurde durch
ihn, und die Welt kannte ihn nicht. $1/11$ Er kam in das Seine,
und die Seinen nahmen ihn nicht an; $1/12$ so viele ihn aber
aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden,
denen, die an seinen Namen glauben; $1/13$ die nicht aus Geblt,
noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des
Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

$1/14$ Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir
haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines
Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. - $1/15$
Johannes zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von
dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir, denn er war eher
als ich. - $1/16$ Denn aus seiner Fllehaben wir alle empfangen,
und [zwar] Gnade um Gnade. $1/17$ Denn das Gesetz wurde durch
Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus
Christus geworden. $1/18 Niemand hat Gott jemals gesehen; der
eingeborene Sohn, der in des Vaters Scho ist, der hat [ihn]
kundgemacht.

Des Tufers Zeugnis ber sich.

vgl. Mt 3,1-12; Mk 1,1-8; Lk 3,1-18.

$1/19$ Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus
Jerusalem Priester und Leviten sandten, damit sie ihn fragen
sollten: Wer bist du? $1/20$ Und er bekannte und leugnete nicht,
und er bekannte: Ich bin nicht der Christus. $1/21$ Und sie
fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Und er sagt: Ich bin}s
nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein. $1/22$ Sie
sprachen nun zu ihm: Wer bist du? Damit wir Antwort geben denen,
die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? $1/23$ Er
sprach: Ich bin die `Stimme eines Rufenden in der Wste: Macht
gerade den Weg des Herrn, wie Jesaja, der Prophet, gesagt hat.
$1/24$ Und sie waren abgesandt von den Pharisern. $1/25$ Und
sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Was taufst du denn, wenn du
nicht der Christus bist, noch Elia, noch der Prophet? $1/26$
Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser;
mitten unter euch steht, den ihr nicht kennt, $1/27$ der nach
mir kommt, und ich bin nicht wrdig, ihm den Riemen seiner
Sandale zu lsen. $1/28$ Dies geschah zu Bethanien, jenseits des
Jordan, wo Johannes taufte.

Des Tufers Zeugnis ber Jesus.

vgl. Mt 3,13-17; Mk 1,9-11; Lk 3,21.22.

$1/29$ Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und
spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Snde der Welt
wegnimmt. $1/30$ Dieser ist es, von dem ich sagte: Nach mir
kommt ein Mann, der vor mir ist, denn er war eher als ich.
$1/31$ Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar
werde, deswegen bin ich gekommen, mit Wasser zu taufen. $1/32$
Und Johannes bezeugte und sprach: Ich schaute den Geist wie eine
Taube aus dem Himmel herabfahren, und er blieb auf ihm. $1/33$
Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser
zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den
Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit
Heiligem Geist tauft. $1/34$ Und ich habe gesehen und habe
bezeugt, da dieser der Sohn Gottes ist.

Die ersten Jnger.

$1/35$ Am folgenden Tag stand Johannes wieder da und zwei von
seinen Jngern; $1/36$ und hinblickend auf Jesus, der umherging,
spricht er: Siehe, das Lamm Gottes! $1/37$ Und es hrten ihn die
zwei Jnger reden und folgten Jesus nach. $1/38$ Jesus aber
wandte sich um und sah sie nachfolgen und spricht zu ihnen: Was
sucht ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi - was bersetzt heit:
Lehrer -, wo hltst du dich auf? $1/39$ Er spricht zu ihnen:
Kommt, und ihr werdet sehen! Sie kamen nun und sahen, wo er sich
aufhielt, und blieben jenen Tag bei ihm. Es war um die zehnte
Stunde. $1/40$ Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer
von den zweien, die es von Johannes gehrt hatten und ihm
nachgefolgt waren. $1/41$ Dieser findet zuerst seinen eigenen
Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden
- was bersetzt ist: Christus. $1/42$ Und er fhrte ihn zu
Jesus. Jesus blickte ihn an und sprach: Du bist Simon, der Sohn
des Johannes; du wirst Kephas heien - was bersetzt wird:
Stein.

$1/43$ Am folgenden Tag wollte er nach Galila aufbrechen, und
er findet Philippus; und Jesus spricht zu ihm: Folge mir nach!
$1/44$ Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des
Andreas und Petrus. $1/45$ Philippus findet den Nathanael und
spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose in dem
Gesetz geschrieben und die Propheten, Jesus, den Sohn des
Joseph, von Nazareth. $1/46$ Und Nathanael sprach zu ihm: Kann
aus Nazareth etwas Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm
und sieh! $1/47$ Jesus sah den Nathanael zu sich kommen und
spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem kein
Trug ist. $1/48$ Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich?
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe Philippus dich rief, als
du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich. $1/49$ Nathanael
antwortete und sprach: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist
der Knig Israels. $1/50$ Jesus antwortete und sprach zu ihm:
Weil ich dir sagte: Ich sah dich unter dem Feigenbaum, glaubst
du? Du wirst Greres als dies sehen. $1/51$ Und er spricht zu
ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel
geffnet sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf
den Sohn des Menschen.

Hochzeit zu Kana.

\2\

$2/1$ Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galila;
und die Mutter Jesu war dort. $2/2$ Es war aber auch Jesus mit
seinen Jngern zu der Hochzeit geladen. $2/3$ Und als es an Wein
mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein.
$2/4$ Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen,
Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. $2/5$ Seine Mutter
spricht zu den Dienern: Was er euch sagen mag, tut. $2/6$ Es
waren aber sechs steinerne Wasserkrge dort aufgestellt, nach
der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Ma
fate. $2/7$ Jesus spricht zu ihnen: Fllt die Wasserkrge mit
Wasser! Und sie fllten sie bis oben an. $2/8$ Und er spricht zu
ihnen: Schpft nun und bringt es dem Speisemeister! Und sie
brachten es. $2/9$ Als aber der Speisemeister das Wasser
gekostet hatte, das Wein geworden war - und er wute nicht,
woher er war, die Diener aber, die das Wasser geschpft hatten,
wuten es -, ruft der Speisemeister den Brutigam $2/10$ und
spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor,
und wenn sie betrunken geworden sind, dann den geringeren; du
hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. $2/11$ Diesen Anfang
der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galila und offenbarte seine
Herrlichkeit; und seine Jnger glaubten an ihn.

$2/12$ Danach ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter
und seine Brder und seine Jnger; und dort blieben sie nicht
viele Tage.

Tempelreinigung.

vgl. Mt 21,12-17; Mk 11,15-19; Lk 19,45-48.

$2/13$ Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf
nach Jerusalem. $2/14$ Und er fand im Tempel die Ochsen- und
Schaf- und Taubenverkufer und die Wechsler sitzen. $2/15$ Und
er machte eine Geiel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel
hinaus, auch die Schafe und die Ochsen; und die Mnzen der
Wechsler schttete er aus, und die Tische warf er um; $2/16$ und
zu den Taubenverkufern sprach er: Nehmt dies weg von hier,
macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus! $2/17$
Seine Jnger gedachten daran, da geschrieben steht: `Der Eifer
um dein Haus verzehrt mich. $2/18$ Die Juden nun antworteten und
sprachen zu ihm: Was fr ein Zeichen [der Vollmacht] zeigst du
uns, da du dies tust? $2/19$ Jesus antwortete und sprach zu
ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn
aufrichten. $2/20$ Da sprachen die Juden: Sechsundvierzig Jahre
ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst ihn in drei
Tagen aufrichten? $2/21$ Er aber sprach von dem Tempel seines
Leibes. $2/22$ Als er nun aus den Toten auferweckt war,
gedachten seine Jnger daran, da er dies gesagt hatte, und sie
glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

$2/23$ Als er aber zu Jerusalem war, am Passah, auf dem Fest,
glaubten viele an seinen Namen, als sie seine Zeichen sahen, die
er tat. $2/24$ Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an,
weil er alle kannte $2/25$ und nicht ntig hatte, da jemand
Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wute, was in dem
Menschen war.

Gesprch mit Nikodemus.

\3\

$3/1$ Es war aber ein Mensch aus den Pharisern mit Namen
Nikodemus, ein Oberster der Juden. $3/2$ Dieser kam zu ihm bei
Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, da du ein Lehrer
bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun,
die du tust, es sei denn Gott mit ihm. $3/3$ Jesus antwortete
und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand
nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht
sehen. $3/4$ Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch
geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in
den Leib seiner Mutter eingehen und geboren werden? $3/5$ Jesus
antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht
aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich
Gottes eingehen. $3/6$ Was aus dem Fleisch geboren ist, ist
Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. $3/7$
Wundere dich nicht, da ich dir sagte: Ihr mt von neuem
geboren werden. $3/8$ Der Wind weht, wo er will, und du hrst
sein Sausen, aber du weit nicht, woher er kommt und wohin er
geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist. $3/9$
Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen?
$3/10$ Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer
Israels und weit das nicht? $3/11$ Wahrlich, wahrlich, ich sage
dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen
haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an. $3/12$ Wenn ich
euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie werdet
ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage? $3/13$ Und
niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur, der aus dem
Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen. $3/14$ Und wie
Mose in der Wste die Schlange erhhte, so mu der Sohn des
Menschen erhht werden, $3/15$ damit jeder, der an ihn glaubt,
ewiges Leben habe. $3/16$ Denn so hat Gott die Welt geliebt, da
er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt,
nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. $3/17$ Denn Gott
hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, da er die Welt
richte, sondern da die Welt durch ihn errettet werde. $3/18$
Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt,
ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des
eingeborenen Sohnes Gottes. $3/19$ Dies aber ist das Gericht,
da das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben
die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren
bse. $3/20$ Denn jeder, der Arges tut, hat das Licht und kommt
nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht blogestellt werden;
$3/21$ wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit
seine Werke offenbar werden, da sie in Gott gewirkt sind.

Weiteres Zeugnis des Tufers ber Jesus.

$3/22$ Danach kamen Jesus und seine Jnger in das Land Juda,
und dort verweilte er mit ihnen und taufte. $3/23$ Aber auch
Johannes taufte zu non, nahe bei Salim, weil dort viel Wasser
war; und sie kamen hin und wurden getauft. $3/24$ Denn Johannes
war noch nicht ins Gefngnis geworfen. $3/25$ Es entstand nun
eine Streitfrage von seiten der Jnger des Johannes mit einem
Juden ber die Reinigung. $3/26$ Und sie kamen zu Johannes und
sprachen zu ihm: Rabbi, der jenseits des Jordan bei dir war, dem
du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und alle kommen zu
ihm. $3/27$ Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann
nichts empfangen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben. $3/28$
Ihr selbst gebt mir Zeugnis, da ich sagte: Ich bin nicht der
Christus, sondern ich bin vor ihm hergesandt. $3/29$ Der die
Braut hat, ist der Brutigam; der Freund des Brutigams aber,
der dasteht und ihn hrt, ist hoch erfreut ber die Stimme des
Brutigams; diese meine Freude nun ist erfllt. $3/30$ Er mu
wachsen, ich aber abnehmen. $3/31$ Der von oben kommt, ist ber
allen; der von der Erde ist, ist von der Erde und redet von der
Erde her. Der vom Himmel kommt, ist ber allen; $3/32$ was er
gesehen und gehrt hat, das bezeugt er; und sein Zeugnis nimmt
niemand an. $3/33$ Wer sein Zeugnis angenommen hat, der hat
besiegelt, da Gott wahrhaftig ist. $3/34$ Denn der, den Gott
gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn Gott gibt den Geist
nicht nach Ma. $3/35$ Der Vater liebt den Sohn und hat alles in
seine Hand gegeben. $3/36$ Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges
Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht
sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

Gesprch mit der Samariterin.

\4\

$4/1$ Als nun der Herr erkannte, da die Phariser gehrt
hatten, da Jesus mehr Jnger mache und taufe als Johannes $4/2$
- obgleich Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jnger -,
$4/3$ verlie er Juda und zog wieder nach Galila. $4/4$ Er
mute aber durch Samaria ziehen. $4/5$ Er kommt nun in eine
Stadt Samarias, genannt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob
seinem Sohn Joseph gab. $4/6$ Es war aber dort eine Quelle
Jakobs. Jesus nun, ermdet von der Reise, setzte sich ohne
weiteres an die Quelle nieder. Es war um die sechste Stunde.
$4/7$ Da kommt eine Frau aus Samaria, Wasser zu schpfen. Jesus
spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! $4/8$ - Denn seine Jnger
waren weggegangen in die Stadt, um Speise zu kaufen. - $4/9$ Die
samaritische Frau spricht nun zu ihm: Wie bittest du, der du ein
Jude bist, von mir zu trinken, die ich eine samaritische Frau
bin? - Denn die Juden verkehren nicht mit den Samaritern. -
$4/10$ Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe
Gottes kennen wrdest und wer es ist, der zu dir spricht: Gib
mir zu trinken, so httest du ihn gebeten, und er htte dir
lebendiges Wasser gegeben. $4/11$ Sie spricht zu ihm: Herr, du
hast kein Schpfgef, und der Brunnen ist tief. Woher hast du
denn das lebendige Wasser? $4/12$ Du bist doch nicht grer als
unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab, und er selbst trank
daraus und seine Shne und sein Vieh? $4/13$ Jesus antwortete
und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird
wieder drsten; $4/14$ wer aber von dem Wasser trinken wird, das
ich ihm geben werde, den wird nicht drsten in Ewigkeit; sondern
das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle
Wassers werden, das ins ewige Leben quillt. $4/15$ Die Frau
spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht
drste und ich nicht hierher komme, um zu schpfen. $4/16$ Jesus
spricht zu ihr: Geh hin, rufe deinen Mann und komm hierher!
$4/17$ Die Frau antwortete und sprach: Ich habe keinen Mann.
Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen
Mann; $4/18$ denn fnf Mnner hast du gehabt, und der, den du
jetzt hast, ist nicht dein Mann; hierin hast du wahr geredet.
$4/19$ Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, da du ein
Prophet bist. $4/20$ Unsere Vter haben auf diesem Berg
angebetet, und ihr sagt, da in Jerusalem der Ort sei, wo man
anbeten msse. $4/21$ Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es
kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg, noch in
Jerusalem den Vater anbeten werdet. $4/22$ Ihr betet an, was ihr
nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus
den Juden. $4/23$ Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die
wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden;
denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. $4/24$ Gott
ist Geist, und die ihn anbeten, mssen in Geist und Wahrheit
anbeten. $4/25$ Die Frau spricht zu ihm: Ich wei, da der
Messias kommt, der Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird
er uns alles verkndigen. $4/26$ Jesus spricht zu ihr: Ich
bin}s, der mit dir redet.

Folgen des Gesprchs mit der Samariterin:.

$4/27$ Glaube der Samariter - Vom Erntefeld Gottes

Und darber kamen seine Jnger und wunderten sich, da er mit
einer Frau redete. Dennoch sagte niemand: Was suchst du? oder:
Was redest du mit ihr? $4/28$ Die Frau nun lie ihren Wasserkrug
stehen und ging weg in die Stadt und sagt zu den Leuten: $4/29$
Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich
getan habe; dieser ist doch nicht etwa der Christus? $4/30$ Sie
gingen zu der Stadt hinaus und kamen zu ihm.

$4/31$ In der Zwischenzeit baten ihn die Jnger und sprachen:
Rabbi, i! $4/32$ Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise
zu essen, die ihr nicht kennt. $4/33$ Da sprachen die Jnger
zueinander: Hat ihm wohl jemand zu essen gebracht? $4/34$ Jesus
spricht zu ihnen: Meine Speise ist, da ich den Willen dessen
tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe. $4/35$ Sagt
ihr nicht: Es sind noch vier Monate, und die Ernte kommt? Siehe,
ich sage euch: Hebt eure Augen auf und schaut die Felder an,
denn sie sind schon wei zur Ernte. $4/36$ Der da erntet,
empfngt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit beide,
der da st und der da erntet, sich zugleich freuen. $4/37$ Denn
hierin ist der Spruch wahr: Ein anderer ist es, der da st, und
ein anderer, der da erntet. $4/38$ Ich habe euch gesandt zu
ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt; andere haben
gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten.

$4/39$ Aus jener Stadt aber glaubten viele von den Samaritern an
ihn um des Wortes der Frau willen, die bezeugte: Er hat mir
alles gesagt, was ich getan habe. $4/40$ Als nun die Samariter
zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb
dort zwei Tage. $4/41$ Und noch viel mehr [Leute] glaubten um
seines Wortes willen; $4/42$ und sie sagten zu der Frau: Wir
glauben nicht mehr um deines Redens willen, denn wir selbst
haben gehrt und wissen, da dieser wahrhaftig der Heiland der
Welt ist.

Heilung des Sohnes eines kniglichen Beamten.

vgl. Mt 8,5-13; Lk 7,1-10.

$4/43$ Nach den zwei Tagen aber zog er von dort weg nach
Galila; $4/44$ denn Jesus selbst bezeugte, da ein Prophet im
eigenen Vaterland kein Ansehen hat. $4/45$ Als er nun nach
Galila kam, nahmen die Galiler ihn auf, da sie alles gesehen,
was er in Jerusalem auf dem Fest getan hatte; denn auch sie
kamen zu dem Fest.

$4/46$ Er kam nun wieder nach Kana in Galila, wo er das Wasser
zu Wein gemacht hatte. Und es war in Kapernaum ein kniglicher
[Beamter], dessen Sohn krank war. $4/47$ Als dieser gehrt
hatte, da Jesus aus Juda nach Galila gekommen sei, ging er zu
ihm hin und bat, da er herabkomme und seinen Sohn heile; denn
er lag im Sterben. $4/48$ Jesus sprach nun zu ihm: Wenn ihr
nicht Zeichen und Wunder seht, so werdet ihr nicht glauben.
$4/49$ Der knigliche Beamte spricht zu ihm: Herr, komm herab,
ehe mein Kind stirbt! $4/50$ Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein
Sohn lebt. Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte,
und ging hin. $4/51$ Aber schon whrend er hinabging, kamen ihm
seine Knechte entgegen und berichteten, da sein Knabe lebe.
$4/52$ Er erforschte nun von ihnen die Stunde, in der es besser
mit ihm geworden sei; und sie sagten zu ihm: Gestern zur siebten
Stunde verlie ihn das Fieber. $4/53$ Da erkannte der Vater, da
es in jener Stunde war, in der Jesus zu ihm sagte: Dein Sohn
lebt. Und er glaubte, er und sein ganzes Haus. $4/54$ Dies tat
Jesus wieder als zweites Zeichen, als er aus Juda nach Galila
gekommen war.

Heilung eines Kranken am Teich Bethesda.

\5\

$5/1$ Danach war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach
Jerusalem. $5/2$ Es ist aber in Jerusalem bei dem Schaftor ein
Teich, der auf hebrisch Bethesda genannt wird, der fnf
Sulenhallen hat. $5/3$ In diesen lag eine Menge Kranker,
Blinder, Lahmer, Drrer, die auf die Bewegung des Wassers
warteten. $5/4$ Denn zu gewissen Zeiten stieg ein Engel in den
Teich herab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung
des Wassers zuerst hineinstieg, wurde gesund, mit welcher
Krankheit er auch behaftet war. $5/5$ Es war aber ein Mensch
dort, der achtunddreiig Jahre mit seiner Krankheit behaftet
war. $5/6$ Als Jesus diesen daliegen sah und wute, da es schon
lange Zeit so mit ihm war, spricht er zu ihm: Willst du gesund
werden? $5/7$ Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen
Menschen, da er mich, wenn das Wasser bewegt worden ist, in den
Teich werfe; whrend ich aber komme, steigt ein anderer vor mir
hinab. $5/8$ Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett auf
und geh umher! $5/9$ Und sofort wurde der Mensch gesund und nahm
sein Bett auf und ging umher. Es war aber an jenem Tag Sabbat.
$5/10$ Es sagten nun die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat,
es ist dir nicht erlaubt, das Bett zu tragen. $5/11$ Er
antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sagte zu mir: Nimm
dein Bett auf und geh umher. $5/12$ Sie fragten ihn: Wer ist der
Mensch, der zu dir sagte: Nimm [dein Bett] auf und geh umher?
$5/13$ Der Geheilte aber wute nicht, wer es war; denn Jesus
hatte sich entfernt, weil eine Volksmenge an dem Ort war. $5/14$
Danach findet Jesus ihn im Tempel, und er sprach zu ihm: Siehe,
du bist gesund geworden; sndige nicht mehr, damit dir nichts
rgeres widerfahre. $5/15$ Der Mensch ging hin und verkndete
den Juden, da es Jesus war, der ihn gesund gemacht habe. $5/16$
Und darum verfolgten die Juden Jesus, weil er dies am Sabbat
getan hatte.

Jesus verteidigt sein Tun, indem er seine Gottessohnschaft
bezeugt.

$5/17$ Er aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und
ich wirke. $5/18$ Darum nun suchten die Juden noch mehr, ihn zu
tten, weil er nicht allein den Sabbat aufhob, sondern auch Gott
seinen eigenen Vater nannte und sich so selbst Gott gleich
machte. $5/19$ Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich
selbst tun, auer was er den Vater tun sieht; denn was der tut,
das tut ebenso auch der Sohn. $5/20$ Denn der Vater hat den Sohn
lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm
grere Werke als diese zeigen, damit ihr euch wundert. $5/21$
Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so
macht auch der Sohn lebendig, welche er will. $5/22$ Denn der
Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem
Sohn gegeben, $5/23$ damit alle den Sohn ehren, wie sie den
Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der
ihn gesandt hat. $5/24$ Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer
mein Wort hrt und glaubt dem, der mich gesandt hat, [der] hat
ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem
Tod in das Leben bergegangen. $5/25$ Wahrlich, wahrlich, ich
sage euch, da die Stunde kommt und jetzt da ist, wo die Toten
die Stimme des Sohnes Gottes hren werden, und die sie gehrt
haben, werden leben. $5/26$ Denn wie der Vater Leben in sich
selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in
sich selbst; $5/27$ und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu
halten, weil er des Menschen Sohn ist. $5/28$ Wundert euch
darber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den
Grbern sind, seine Stimme hren $5/29$ und hervorkommen werden:
die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber
das Bse verbt haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Jesus nennt die Zeugen seiner Gottessohnschaft.

$5/30$ Ich kann nichts von mir selbst tun; so wie ich hre,
richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht
meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.
$5/31$ Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht
wahr. $5/32$ Ein anderer ist es, der von mir zeugt, und ich
wei, da das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt. $5/33$ Ihr
habt zu Johannes gesandt, und er hat der Wahrheit Zeugnis
gegeben. $5/34$ Ich aber nehme nicht Zeugnis von einem Menschen
an, sondern dies sage ich, damit ihr errettet werdet. $5/35$
Jener war die brennende und scheinende Lampe; ihr aber wolltet
fr eine Zeit in seinem Licht frhlich sein. $5/36$ Ich aber
habe das Zeugnis, das grer ist als das des Johannes; denn die
Werke, die der Vater mir gegeben hat, da ich sie vollbringe,
die Werke selbst, die ich tue, zeugen von mir, da der Vater
mich gesandt hat. $5/37$ Und der Vater, der mich gesandt hat, er
selbst hat Zeugnis von mir gegeben. Ihr habt weder jemals seine
Stimme gehrt, noch seine Gestalt gesehen, $5/38$ und sein Wort
habt ihr nicht bleibend in euch; denn dem, den er gesandt hat,
dem glaubt ihr nicht. $5/39$ Ihr erforscht die Schriften, denn
ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die
von mir zeugen; $5/40$ und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit
ihr Leben habt. $5/41$ Ich nehme nicht Ehre von Menschen; $5/42$
sondern ich kenne euch, da ihr die Liebe Gottes nicht in euch
habt. $5/43$ Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und
ihr nehmt mich nicht auf; wenn ein anderer in seinem eigenen
Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen. $5/44$ Wie knnt ihr
glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre, die von
dem alleinigen Gott ist, nicht sucht? $5/45$ Meint nicht, da
ich euch bei dem Vater verklagen werde; da ist [einer], der euch
verklagt, Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. $5/46$
Denn wenn ihr Mose glaubtet, so wrdet ihr mir glauben, denn er
hat von mir geschrieben. $5/47$ Wenn ihr aber seinen Schriften
nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

Speisung der Fnftausend.

Mt 14,13-21; Mk 6,30-44; Lk 9,10-17; vgl. Mt 15,32-39; Mk 8,1-9.

\6\

$6/1$ Danach ging Jesus weg auf die andere Seite des Sees von
Galila [oder] von Tiberias; $6/2$ und es folgte ihm eine groe
Volksmenge, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken
tat. $6/3$ Jesus aber ging hinauf auf den Berg und setzte sich
dort mit seinen Jngern. $6/4$ Es war aber das Passah nahe, das
Fest der Juden. $6/5$ Als nun Jesus die Augen aufhob und sah,
da eine groe Volksmenge zu ihm kommt, spricht er zu Philippus:
Woher sollen wir Brote kaufen, da diese essen? $6/6$ Dies sagte
er aber, um ihn zu prfen; denn er selbst wute, was er tun
wollte. $6/7$ Philippus antwortete ihm: Fr zweihundert Denare
Brote reichen nicht fr sie hin, da jeder [auch nur] ein wenig
bekomme. $6/8$ Einer von seinen Jngern, Andreas, der Bruder des
Simon Petrus, spricht zu ihm: $6/9$ Es ist ein kleiner Knabe
hier, der fnf Gerstenbrote und zwei Fische hat. Aber was ist
dies unter so viele? $6/10$ Jesus sprach: Macht, da die Leute
sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Es lagerten sich
nun die Mnner, an Zahl etwa fnftausend. $6/11$ Jesus aber nahm
die Brote, und als er gedankt hatte, teilte er sie denen aus,
die da lagerten; ebenso auch von den Fischen, so viel sie
wollten. $6/12$ Als sie aber gesttigt waren, spricht er zu
seinen Jngern: Sammelt die briggebliebenen Brocken, damit
nichts umkomme. $6/13$ Sie sammelten nun und fllten zwlf
Handkrbe mit Brocken von den fnf Gerstenbroten, welche denen,
die gegessen hatten, brigblieben. $6/14$ Als nun die Leute das
Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist
wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll. $6/15$ Da
nun Jesus erkannte, da sie kommen und ihn ergreifen wollten, um
ihn zum Knig zu machen, zog er sich wieder auf den Berg zurck,
er allein.

Jesus geht auf dem See.

Mt 14,22-33; Mk 6,45-52.

$6/16$ Als es aber Abend geworden war, gingen seine Jnger hinab
an den See; $6/17$ und sie stiegen in das Schiff und fuhren ber
den See nach Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und
Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen; $6/18$ und der See wurde
durch einen starken Wind aufgewhlt. $6/19$ Als sie nun etwa
fnfundzwanzig oder dreiig Stadien gerudert waren, sehen sie
Jesus auf dem See dahergehen und nahe an das Schiff herankommen,
und sie frchteten sich. $6/20$ Er aber spricht zu ihnen: Ich
bin}s, frchtet euch nicht! $6/21$ Sie wollten ihn nun in das
Schiff nehmen, und sogleich war das Schiff am Land, wohin sie
fuhren.

Vom Brot des Lebens.

$6/22$ Am folgenden Tag sah die Volksmenge, die jenseits des
Sees stand, da dort kein anderes Boot war, als nur jenes, in
das seine Jnger gestiegen waren, und da Jesus nicht mit seinen
Jngern in das Schiff gestiegen, sondern seine Jnger allein
weggefahren waren. $6/23$ Es kamen aber andere Boote aus
Tiberias nahe an den Ort, wo sie das Brot gegessen, nachdem der
Herr gedankt hatte. $6/24$ Da nun die Volksmenge sah, da Jesus
nicht dort war, noch seine Jnger, stiegen sie in die Schiffe
und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus. $6/25$ Und als sie
ihn jenseits des Sees gefunden hatten, sprachen sie zu ihm:
Rabbi, wann bist du hierhergekommen? $6/26$ Jesus antwortete
ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht
mich, nicht weil ihr Zeichen gesehen, sondern weil ihr von den
Broten gegessen habt und gesttigt worden seid. $6/27$ Wirket
nicht [fr] die Speise, die vergeht, sondern [fr] die Speise,
die da bleibt ins ewige Leben, die der Sohn des Menschen euch
geben wird; denn diesen hat der Vater, Gott, beglaubigt. $6/28$
Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun, damit wir die Werke
Gottes wirken? $6/29$ Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies
ist das Werk Gottes, da ihr an den glaubt, den er gesandt hat.

$6/30$ Da sprachen sie zu ihm: Was tust du nun fr ein Zeichen,
damit wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? $6/31$ Unsere
Vter aen das Manna in der Wste, wie geschrieben steht: `Brot
aus dem Himmel gab er ihnen zu essen. $6/32$ Da sprach Jesus zu
ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch
das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch
das wahrhaftige Brot aus dem Himmel. $6/33$ Denn das Brot Gottes
ist der, welcher aus dem Himmel herabkommt und der Welt das
Leben gibt. $6/34$ Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns
allezeit dieses Brot! $6/35$ Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das
Brot des Lebens: Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer
an mich glaubt, wird nimmermehr drsten. $6/36$ Aber ich habe
euch gesagt, da ihr mich auch gesehen habt und nicht glaubt.
$6/37$ Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und
wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoen; $6/38$ denn
ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht da ich meinen Willen
tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. $6/39$
Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, da ich
von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es
auferwecke am letzten Tag. $6/40$ Denn dies ist der Wille meines
Vaters, da jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges
Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

$6/41$ Da murrten die Juden ber ihn, weil er sagte: Ich bin das
Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; $6/42$ und sie
sprachen: Ist dieser nicht Jesus, der Sohn Josephs, dessen Vater
und Mutter wir kennen? Wie sagt denn dieser: Ich bin aus dem
Himmel herabgekommen? $6/43$ Da antwortete Jesus und sprach zu
ihnen: Murrt nicht untereinander! $6/44$ Niemand kann zu mir
kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht;
und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. $6/45$ Es steht in
den Propheten geschrieben: `Und sie werden alle von Gott gelehrt
sein. Jeder, der von dem Vater gehrt und gelernt hat, kommt zu
mir. $6/46$ Nicht da jemand den Vater gesehen hat, auer dem,
der von Gott ist, dieser hat den Vater gesehen. $6/47$ Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, hat ewiges Leben. $6/48$
Ich bin das Brot des Lebens. $6/49$ Eure Vter haben das Manna
in der Wste gegessen und sind gestorben. $6/50$ Dies [aber] ist
das Brot, das aus dem Himmel herabkommt, damit man davon esse
und nicht sterbe. $6/51$ Ich bin das lebendige Brot, das aus dem
Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot it, wird
er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist
mein Fleisch, das ich geben werde fr das Leben der Welt.

$6/52$ Die Juden stritten nun untereinander und sagten: Wie kann
dieser uns sein Fleisch zu essen geben? $6/53$ Da sprach Jesus
zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das
Fleisch des Sohnes des Menschen et und sein Blut trinkt, so
habt ihr kein Leben in euch selbst. $6/54$ Wer mein Fleisch it
und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn
auferwecken am letzten Tag; $6/55$ denn mein Fleisch ist wahre
Speise, und mein Blut ist wahrer Trank. $6/56$ Wer mein Fleisch
it und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. $6/57$
Wie der lebendige Vater mich gesandt hat, und ich lebe um des
Vaters willen, so auch, wer mich it, der wird auch leben um
meinetwillen. $6/58$ Dies ist das Brot, das aus dem Himmel
herabgekommen ist. Nicht wie die Vter aen und starben; wer
dieses Brot it, wird leben in Ewigkeit. $6/59$ Dies sprach er,
als er in der Synagoge zu Kapernaum lehrte.

Ablehnung der Rede Jesu - Bekenntnis des Petrus - Hinweis auf
den Verrter.

$6/60$ Viele nun von seinen Jngern, die es gehrt hatten,
sprachen: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hren? $6/61$ Da
aber Jesus bei sich selbst wute, da seine Jnger hierber
murrten, sprach er zu ihnen: rgert euch dies? $6/62$ Wenn ihr
nun den Sohn des Menschen [dahin] auffahren seht, wo er zuvor
war? $6/63$ Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch
ntzt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind
Geist und sind Leben; $6/64$ aber es sind einige unter euch, die
nicht glauben. Denn Jesus wute von Anfang an, welche es waren,
die nicht glaubten, und wer es war, der ihn berliefern wrde.
$6/65$ Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt, da niemand zu
mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben. $6/66$
Von da an gingen viele seiner Jnger zurck und gingen nicht
mehr mit ihm. $6/67$ Da sprach Jesus zu den Zwlfen: Wollt ihr
etwa auch weggehen? $6/68$ Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu
wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; $6/69$ und
wir haben geglaubt und erkannt, da du der Heilige Gottes bist.
$6/70$ Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch, die Zwlf,
erwhlt? Und von euch ist einer ein Teufel. $6/71$ Er sprach
aber von Judas, dem [Sohn] des Simon Ischarioth; denn dieser
sollte ihn berliefern, einer von den Zwlfen.

Reise nach Jerusalem zum Laubhttenfest.

\7\

$7/1$ Und danach zog Jesus in Galila umher; denn er wollte
nicht in Juda umherziehen, weil die Juden ihn zu tten suchten.
$7/2$ Es war aber nahe das Fest der Juden, die Laubhtten. $7/3$
Es sprachen nun seine Brder zu ihm: Zieh von hier fort und geh
nach Juda, da auch deine Jnger deine Werke sehen, die du
tust; $7/4$ denn niemand tut etwas im Verborgenen und sucht
[dabei] selbst ffentlich bekannt zu sein. Wenn du diese Dinge
tust, so zeige dich der Welt! $7/5$ Denn auch seine Brder
glaubten nicht an ihn. $7/6$ Da spricht Jesus zu ihnen: Meine
Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist stets bereit. $7/7$
Die Welt kann euch nicht hassen; mich aber hat sie, weil ich
von ihr zeuge, da ihre Werke bse sind. $7/8$ Geht ihr hinauf
zu diesem Fest; ich gehe nicht hinauf zu diesem Fest; denn meine
Zeit ist noch nicht erfllt. $7/9$ Nachdem er dies zu ihnen
gesagt hatte, blieb er in Galila. $7/10$ Als aber seine Brder
hinaufgegangen waren, da ging auch er hinauf zum Fest, nicht
ffentlich, sondern wie im Verborgenen. $7/11$ Die Juden nun
suchten ihn auf dem Fest und sprachen: Wo ist jener? $7/12$ Und
viel Gemurmel war ber ihn unter den Volksmengen; die einen
sagten: Er ist gut; andere sagten: Nein, sondern er verfhrt die
Volksmenge. $7/13$ Niemand jedoch sprach ffentlich von ihm aus
Furcht vor den Juden.

Reden und Auseinandersetzung mit den Juden auf dem
Laubhttenfest.

$7/14$ Als es aber schon um die Mitte des Festes war, ging Jesus
hinauf in den Tempel und lehrte. $7/15$ Da wunderten sich die
Juden und sagten: Wie besitzt dieser Gelehrsamkeit, da er doch
nicht gelernt hat? $7/16$ Da antwortete ihnen Jesus und sprach:
Meine Lehre ist nicht mein, sondern dessen, der mich gesandt
hat. $7/17$ Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von
der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich aus mir selbst
rede. $7/18$ Wer aus sich selbst redet, sucht seine eigene Ehre;
wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist
wahrhaftig, und Ungerechtigkeit ist nicht in ihm. $7/19$ Hat
nicht Mose euch das Gesetz gegeben? Und keiner von euch tut das
Gesetz. Was sucht ihr mich zu tten? $7/20$ Die Volksmenge
antwortete: Du hast einen Dmon. Wer sucht dich zu tten? $7/21$
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ein Werk habe ich getan,
und ihr alle verwundert euch deswegen. $7/22$ Mose gab euch die
Beschneidung - nicht da sie von Mose sei, sondern von den
Vtern -, und am Sabbat beschneidet ihr einen Menschen. $7/23$
Wenn ein Mensch die Beschneidung am Sabbat empfngt, damit das
Gesetz Moses nicht gebrochen werde, zrnt ihr mir, da ich den
ganzen Menschen gesund gemacht habe am Sabbat? $7/24$ Richtet
nicht nach dem Schein, sondern richtet ein gerechtes Gericht.

$7/25$ Es sagten nun einige von den Bewohnern Jerusalems: Ist
das nicht der, den sie zu tten suchen? $7/26$ Und siehe, er
redet ffentlich, und sie sagen ihm nichts. Haben etwa die
Obersten wahrhaftig erkannt, da dieser der Christus ist? $7/27$
Diesen aber kennen wir, woher er ist; wenn aber der Christus
kommt, so wei niemand, woher er ist. $7/28$ Jesus nun rief im
Tempel, lehrte und sprach: Ihr kennt mich und wit auch, woher
ich bin; und ich bin nicht von mir selbst gekommen, sondern der
mich gesandt hat, ist wahrhaftig, den ihr nicht kennt. $7/29$
Ich kenne ihn, weil ich von ihm bin und er mich gesandt hat.
$7/30$ Da suchten sie ihn zu greifen; und niemand legte die Hand
an ihn, weil seine Stunde noch nicht gekommen war. $7/31$ Viele
aber von der Volksmenge glaubten an ihn und sprachen: Wenn der
Christus kommt, wird er wohl mehr Zeichen tun als die, welche
dieser getan hat? $7/32$ Die Phariser hrten die Volksmenge
dies ber ihn murmeln; und die Phariser und die Hohenpriester
sandten Diener, da sie ihn greifen mchten. $7/33$ Da sprach
Jesus: Noch eine kleine Zeit bin ich bei euch, und ich gehe hin
zu dem, der mich gesandt hat. $7/34$ Ihr werdet mich suchen und
nicht finden, und wo ich bin, knnt ihr nicht hinkommen. $7/35$
Es sprachen nun die Juden zueinander: Wohin will dieser gehen,
da wir ihn nicht finden sollen? Will er etwa in die Zerstreuung
der Griechen gehen und die Griechen lehren? $7/36$ Was ist das
fr ein Wort, das er sprach: Ihr werdet mich suchen und nicht
finden, und: Wo ich bin, knnt ihr nicht hinkommen? $7/37$ An
dem letzten, dem groen Tag des Festes aber stand Jesus und rief
und sprach: Wenn jemand drstet, so komme er zu mir und trinke.
$7/38$ Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus
dessen Leibe werden Strme lebendigen Wassers flieen. $7/39$
Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die
an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus
noch nicht verherrlicht worden war.

Meinungen des Volkes und des Hohen Rates ber Jesus.

$7/40$ Einige nun aus der Volksmenge sagten, als sie diese Worte
hrten: Dieser ist wahrhaftig der Prophet. $7/41$ Andere sagten:
Dieser ist der Christus. Andere sagten: Der Christus kommt doch
nicht aus Galila? $7/42$ Hat nicht die Schrift gesagt: Aus der
Nachkommenschaft Davids und aus Bethlehem, dem Dorf, wo David
war, kommt der Christus? $7/43$ Es entstand nun seinetwegen eine
Spaltung in der Volksmenge. $7/44$ Einige aber von ihnen wollten
ihn greifen, aber keiner legte die Hnde an ihn. $7/45$ Es kamen
nun die Diener zu den Hohenpriestern und Pharisern, und diese
sprachen zu ihnen: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? $7/46$ Die
Diener antworteten: Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser
Mensch. $7/47$ Da antworteten ihnen die Phariser: Seid ihr denn
auch verfhrt? $7/48$ Hat wohl jemand von den Obersten an ihn
geglaubt, oder von den Pharisern? $7/49$ Diese Volksmenge aber,
die das Gesetz nicht kennt, sie ist verflucht! $7/50$ [Da]
spricht Nikodemus zu ihnen, der einer von ihnen war: $7/51$
Richtet denn unser Gesetz den Menschen ehe es zuvor von ihm
selbst gehrt und erkannt hat, was er tut? $7/52$ Sie
antworteten und sprachen zu ihm: Bist du etwa auch aus Galila?
Forsche und siehe, da aus Galila kein Prophet aufsteht. $7/53$
Und jeder ging nach seinem Haus.

\8\

$8/1$ Jesus aber ging nach dem lberg.

Jesus und die Ehebrecherin.

$8/2$ Frhmorgens aber kam er wieder in den Tempel, und alles
Volk kam zu ihm; und er setzte sich und lehrte sie. $8/3$ Die
Schriftgelehrten und die Phariser aber bringen eine Frau, die
beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte
$8/4$ und sagen zu ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat
beim Ehebruch ergriffen worden. $8/5$ In dem Gesetz aber hat uns
Mose geboten, solche zu steinigen. Du nun, was sagst du? $8/6$
Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, damit sie etwas htten,
um ihn anzuklagen. Jesus aber bckte sich nieder und schrieb mit
dem Finger auf die Erde. $8/7$ Als sie aber fortfuhren, ihn zu
fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch
ohne Snde ist, werfe zuerst den Stein auf sie. $8/8$ Und wieder
bckte er sich nieder und schrieb auf die Erde. $8/9$ Als sie
aber [dies] hrten, gingen sie einer nach dem anderen hinaus,
angefangen von den ltesten; und er wurde allein gelassen mit
der Frau, die in der Mitte stand. $8/10$ Jesus aber richtete
sich auf und sprach zu ihr: Frau, wo sind jene? Hat niemand dich
verurteilt? $8/11$ Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber
sprach zu ihr: So verurteile auch ich dich nicht. Geh hin und
sndige nicht mehr!

Das Licht der Welt.

$8/12$ Jesus redete nun wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das
Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis
wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. $8/13$ Da
sprachen die Phariser zu ihm: Du zeugst von dir selbst; dein
Zeugnis ist nicht wahr. $8/14$ Jesus antwortete und sprach zu
ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis
wahr, weil ich wei, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe;
ihr aber wit nicht, woher ich komme und wohin ich gehe. $8/15$
Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand. $8/16$ Wenn
ich aber auch richte, so ist mein Gericht wahr, weil ich nicht
allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.
$8/17$ Aber auch in eurem Gesetz steht geschrieben, da das
Zeugnis zweier Menschen wahr ist. $8/18$ Ich bin es, der von mir
selbst zeugt, und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt von
mir. $8/19$ Da sprachen sie zu ihm: Wo ist dein Vater? Jesus
antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater; wenn ihr
mich gekannt httet, so wrdet ihr auch meinen Vater gekannt
haben. $8/20$ Diese Worte redete er in der Schatzkammer, als er
im Tempel lehrte; und niemand legte Hand an ihn, denn seine
Stunde war noch nicht gekommen.

Der Gesandte des Vaters.

$8/21$ Er sprach nun wieder zu ihnen: Ich gehe hin, und ihr
werdet mich suchen und werdet in eurer Snde sterben; wo ich
hingehe, knnt ihr nicht hinkommen. $8/22$ Da sagten die Juden:
Er will sich doch nicht selbst tten, da er spricht: Wo ich
hingehe, knnt ihr nicht hinkommen? $8/23$ Und er sprach zu
ihnen: Ihr seid von dem, was unten ist, ich bin von dem, was
oben ist; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser
Welt. $8/24$ Daher sagte ich euch, da ihr in euren Snden
sterben werdet; denn wenn ihr nicht glauben werdet, da ich es
bin, so werdet ihr in euren Snden sterben. $8/25$ Da sprachen
sie zu ihm: Wer bist du? Jesus sprach zu ihnen: Durchaus das,
was ich auch zu euch rede. $8/26$ Vieles habe ich ber euch zu
reden und zu richten, aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig;
und was ich von ihm gehrt habe, das rede ich zu der Welt.
$8/27$ Sie erkannten nicht, da er von dem Vater zu ihnen
sprach. $8/28$ Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Sohn des
Menschen erhht haben werdet, dann werdet ihr erkennen, da ich
es bin und da ich nichts von mir selbst tue, sondern wie der
Vater mich gelehrt hat, das rede ich. $8/29$ Und der mich
gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelassen,
weil ich allezeit das ihm Wohlgefllige tue. $8/30$ Als er dies
redete, glaubten viele an ihn.

Wahre Freiheit.

$8/31$ Jesus sprach nun zu den Juden, die ihm geglaubt hatten:
Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine
Jnger; $8/32$ und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die
Wahrheit wird euch frei machen. $8/33$ Sie antworteten ihm: Wir
sind Abrahams Nachkommenschaft und sind nie jemandes Sklaven
gewesen. Wie sagst du: Ihr sollt frei werden? $8/34$ Jesus
antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der
die Snde tut, ist der Snde Sklave. $8/35$ Der Sklave aber
bleibt nicht fr immer im Haus; der Sohn bleibt fr immer.
$8/36$ Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr
wirklich frei sein.

Wahre Nachkommen Abrahams.

$8/37$ Ich wei, da ihr Abrahams Nachkommen seid; aber ihr
sucht mich zu tten, weil mein Wort nicht Raum in euch findet.
$8/38$ Ich rede, was ich bei meinem Vater gesehen habe; auch ihr
nun mgt tun, was ihr von eurem Vater gehrt habt. $8/39$ Sie
antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Jesus
spricht zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wret, so wrdet ihr
die Werke Abrahams tun; $8/40$ jetzt aber sucht ihr mich zu
tten, einen Menschen, der die Wahrheit zu euch geredet hat, die
ich von Gott gehrt habe; das hat Abraham nicht getan. $8/41$
Ihr tut die Werke eures Vaters. Sie sprachen zu ihm: Wir sind
nicht durch Hurerei geboren; wir haben einen Vater, Gott. $8/42$
Jesus sprach zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wre, so wrdet ihr
mich lieben, denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen;
denn ich bin auch nicht von mir selbst gekommen, sondern er hat
mich gesandt. $8/43$ Warum versteht ihr meine Sprache nicht?
Weil ihr mein Wort nicht hren knnt. $8/44$ Ihr seid aus dem
Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun.
Jener war ein Menschenmrder von Anfang an und stand nicht in
der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lge
redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lgner
und der Vater derselben. $8/45$ Weil ich aber die Wahrheit sage,
glaubt ihr mir nicht. $8/46$ Wer von euch berfhrt mich einer
Snde? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht?
$8/47$ Wer aus Gott ist, hrt die Worte Gottes. Darum hrt ihr
nicht, weil ihr nicht aus Gott seid. $8/48$ Die Juden
antworteten und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, da du
ein Samariter bist und einen Dmon hast? $8/49$ Jesus
antwortete: Ich habe keinen Dmon, sondern ich ehre meinen
Vater, und ihr verunehrt mich. $8/50$ Ich aber suche nicht meine
Ehre: Es ist einer, der [sie] sucht und der richtet. $8/51$
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn jemand mein Wort
bewahren wird, so wird er den Tod nicht sehen ewiglich. $8/52$
Die Juden sprachen zu ihm: Jetzt erkennen wir, da du einen
Dmon hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du
sagst: Wenn jemand mein Wort bewahren wird, so wird er den Tod
nicht schmecken in Ewigkeit. $8/53$ Bist du etwa grer als
unser Vater Abraham, der gestorben ist? Und die Propheten sind
gestorben. Was machst du aus dir selbst? $8/54$ Jesus
antwortete: Wenn ich mich selbst ehre, so ist meine Ehre nichts;
mein Vater ist es, der mich ehrt, von dem ihr sagt: Er ist unser
Gott. $8/55$ Und ihr habt ihn nicht erkannt, ich aber kenne ihn;
und wenn ich sagte: Ich kenne ihn nicht, so wrde ich euch
gleich sein: ein Lgner. Aber ich kenne ihn, und ich bewahre
sein Wort. $8/56$ Abraham, euer Vater, frohlockte, da er meinen
Tag sehen sollte, und er sah [ihn] und freute sich. $8/57$ Da
sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fnfzig Jahre alt
und hast Abraham gesehen? $8/58$ Jesus sprach zu ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich.
$8/59$ Da hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen. Jesus aber
verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus.

Heilung eines Blindgeborenen.

\9\

$9/1$ Und als er vorberging, sah er einen Menschen, blind von
Geburt. $9/2$ Und seine Jnger fragten ihn und sagten: Rabbi,
wer hat gesndigt, dieser oder seine Eltern, da er blind
geboren wurde? $9/3$ Jesus antwortete: Weder dieser hat
gesndigt, noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an
ihm offenbart wrden. $9/4$ Wir mssen die Werke dessen wirken,
der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da
niemand wirken kann. $9/5$ Solange ich in der Welt bin, bin ich
das Licht der Welt. $9/6$ Als er dies gesagt hatte, spie er auf
die Erde und bereitete einen Teig aus dem Speichel und strich
den Teig auf seine Augen; $9/7$ und er sprach zu ihm: Geh hin,
wasche dich in dem Teich Siloah - was bersetzt wird: Gesandter.
Da ging er hin und wusch sich und kam sehend.

Der Geheilte und die Juden.

$9/8$ Die Nachbarn nun, und die ihn frher gesehen hatten, da
er ein Bettler war, sprachen: Ist dieser nicht der, der da sa
und bettelte? $9/9$ Einige sagten: Er ist es; andere sagten:
Nein, sondern er ist ihm hnlich; er sagte: Ich bin}s. $9/10$
Sie sprachen nun zu ihm: Wie sind deine Augen aufgetan worden?
$9/11$ Er antwortete: Der Mensch, der Jesus heit, bereitete
einen Teig und salbte meine Augen [damit] und sprach zu mir: Geh
hin nach Siloah und wasche dich. Als ich aber hinging und mich
wusch, wurde ich sehend. $9/12$ Da sprachen sie zu ihm: Wo ist
jener? Er sagt: Ich wei es nicht.

$9/13$ Sie fhren ihn, den einst Blinden, zu den Pharisern.
$9/14$ Es war aber Sabbat, als Jesus den Teig bereitete und
seine Augen auftat. $9/15$ Nun fragten ihn wieder auch die
Phariser, wie er sehend geworden sei. Er aber sprach zu ihnen:
Er legte Teig auf meine Augen, und ich wusch mich, und ich sehe.
$9/16$ Da sprachen einige von den Pharisern: Dieser Mensch ist
nicht von Gott, denn er hlt den Sabbat nicht. Andere sagten:
Wie kann ein sndiger Mensch solche Zeichen tun? Und es war
Zwiespalt unter ihnen. $9/17$ Sie sagen nun wieder zu dem
Blinden: Was sagst du von ihm, weil er deine Augen aufgetan hat?
Er aber sprach: Er ist ein Prophet. $9/18$ Es glaubten nun die
Juden nicht von ihm, da er blind war und sehend geworden, bis
sie die Eltern dessen riefen, der sehend geworden war. $9/19$
Und sie fragten sie und sprachen: Ist dieser euer Sohn, von dem
ihr sagt, da er blind geboren wurde? Wie sieht er denn jetzt?
$9/20$ Seine Eltern antworteten und sprachen: Wir wissen, da
dieser unser Sohn ist und da er blind geboren wurde; $9/21$ wie
er aber jetzt sieht, wissen wir nicht, oder wer seine Augen
aufgetan hat, wissen wir nicht. Er ist mndig. Fragt ihn, er
wird selbst ber sich reden. $9/22$ Dies sagten seine Eltern,
weil sie die Juden frchteten; denn die Juden waren schon
bereingekommen, da, wenn jemand ihn als Christus bekennen
wrde, er aus der Synagoge ausgeschlossen werden sollte. $9/23$
Deswegen sagten seine Eltern: Er ist mndig, fragt ihn. $9/24$
Sie riefen nun zum zweiten Mal den Menschen, der blind war, und
sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, da dieser
Mensch ein Snder ist. $9/25$ Da antwortete er: Ob er ein Snder
ist, wei ich nicht; eins wei ich, da ich blind war und jetzt
sehe. $9/26$ Und sie sprachen wieder zu ihm: Was hat er dir
getan? Wie tat er deine Augen auf? $9/27$ Er antwortete ihnen:
Ich habe es euch schon gesagt, und ihr habt nicht gehrt. Warum
wollt ihr es nochmals hren? Wollt ihr etwa auch seine Jnger
werden? $9/28$ Sie schmhten ihn und sprachen: Du bist sein
Jnger; wir aber sind Moses Jnger. $9/29$ Wir wissen, da Gott
zu Mose geredet hat; von diesem aber wissen wir nicht, woher er
ist. $9/30$ Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Hierbei
ist es doch erstaunlich, da ihr nicht wit, woher er ist, und
er hat [doch] meine Augen aufgetan. $9/31$ Wir wissen, da Gott
Snder nicht hrt, sondern wenn jemand gottesfrchtig ist und
seinen Willen tut, den hrt er. $9/32$ Von Anbeginn hat man
nicht gehrt, da jemand die Augen eines Blindgeborenen aufgetan
habe. $9/33$ Wenn dieser nicht von Gott wre, so knnte er
nichts tun. $9/34$ Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist
ganz in Snden geboren, und du lehrst uns? Und sie warfen ihn
hinaus.

Der Geheilte und der Sohn Gottes.

$9/35$ Jesus hrte, da sie ihn hinausgeworfen hatten; und als
er ihn fand, sprach er zu ihm: Glaubst du an den Sohn des
Menschen? $9/36$ Er antwortete und sprach: Und wer ist es, Herr,
da ich an ihn glaube? $9/37$ Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn
gesehen, und der mit dir redet, der ist es. $9/38$ Er aber
sprach: Ich glaube, Herr. Und er warf sich vor ihm nieder.

$9/39$ Und Jesus sprach: Zum Gericht bin ich in diese Welt
gekommen, damit die Nichtsehenden sehen und die Sehenden blind
werden. $9/40$ Einige von den Pharisern, die bei ihm waren,
hrten dies und sprachen zu ihm: Sind denn auch wir blind?
$9/41$ Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wret, so httet
ihr keine Snde. Nun aber sagt ihr: Wir sehen. [Daher] bleibt
eure Snde.

Der gute Hirte.

\10\

$10/1$ Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die
Tr in den Hof der Schafe eingeht, sondern anderswo
hinbersteigt, der ist ein Dieb und ein Ruber. $10/2$ Wer aber
durch die Tr eingeht, ist Hirte der Schafe. $10/3$ Diesem tut
der Trhter auf, und die Schafe hren seine Stimme, und er ruft
seine eigenen Schafe mit Namen und fhrt sie heraus. $10/4$ Wenn
er seine eigenen [Schafe] alle herausgebracht hat, geht er vor
ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme
kennen. $10/5$ Einem Fremden aber werden sie nicht folgen,
sondern werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden
nicht kennen. $10/6$ In dieser Bildrede sprach Jesus zu ihnen;
sie aber verstanden nicht, was es war, das er zu ihnen redete.

$10/7$ Jesus sprach nun wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich
sage euch: Ich bin die Tr der Schafe. $10/8$ Alle, die vor mir
gekommen sind, sind Diebe und Ruber; aber die Schafe hrten
nicht auf sie. $10/9$ Ich bin die Tr; wenn jemand durch mich
eingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen
und Weide finden. $10/10$ Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und
zu schlachten und zu verderben. Ich bin gekommen, damit sie
Leben haben und [es in] berflu haben. $10/11$ Ich bin der gute
Hirte; der gute Hirte lt sein Leben fr die Schafe. $10/12$
Wer Mietling und nicht Hirte ist, wer die Schafe nicht zu eigen
hat, sieht den Wolf kommen und verlt die Schafe und flieht -
und der Wolf raubt und zerstreut sie -, $10/13$ weil er ein
Mietling ist und sich um die Schafe nicht kmmert. $10/14$ Ich
bin der gute Hirte; und ich kenne die Meinen und bin gekannt von
den Meinen, $10/15$ wie der Vater mich kennt und ich den Vater
kenne; und ich lasse mein Leben fr die Schafe. $10/16$ Und ich
habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind; auch diese
mu ich bringen, und sie werden meine Stimme hren, und es wird
eine Herde, ein Hirte sein. $10/17$ Darum liebt mich der Vater,
weil ich mein Leben lasse, um es wiederzunehmen. $10/18$ Niemand
nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe
Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wiederzunehmen.
Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen. $10/19$ Es
entstand wieder ein Zwiespalt unter den Juden dieser Worte
wegen. $10/20$ Viele aber von ihnen sagten: Er hat einen Dmon
und ist von Sinnen. Was hrt ihr ihn? $10/21$ Andere sagten:
Diese Reden sind nicht die eines Besessenen. Kann etwa ein Dmon
der Blinden Augen auftun?

$10/22$ Es war aber das Fest der Tempelweihe in Jerusalem; es
war Winter. $10/23$ Und Jesus ging in dem Tempel umher, in der
Sulenhalle Salomos. $10/24$ Da umringten ihn die Juden und
sprachen zu ihm: Bis wann hltst du unsere Seele hin? Wenn du
der Christus bist, so sage es uns frei heraus. $10/25$ Jesus
antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht.
Die Werke, die ich in dem Namen meines Vaters tue, diese zeugen
von mir; $10/26$ aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von
meinen Schafen, wie ich euch gesagt habe. $10/27$ Meine Schafe
hren meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir;
$10/28$ und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht
verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand
rauben. $10/29$ Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist grer
als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters
rauben. $10/30$ Ich und der Vater sind eins.

Anschlge gegen Jesus.

$10/31$ Da hoben die Juden wieder Steine auf, da sie ihn
steinigten. $10/32$ Jesus antwortete ihnen: Viele gute Werke
habe ich euch von meinem Vater gezeigt. Fr welches Werk unter
ihnen steinigt ihr mich? $10/33$ Die Juden antworteten ihm:
Wegen eines guten Werkes steinigen wir dich nicht, sondern wegen
Lsterung, und weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu
Gott machst. $10/34$ Jesus antwortete ihnen: Steht nicht in
eurem Gesetz geschrieben: `Ich habe gesagt: Ihr seid Gtter?
$10/35$ Wenn er jene Gtter nannte, an die das Wort Gottes
erging - und die Schrift kann nicht aufgelst werden -, $10/36$
sagt ihr von dem, den der Vater geheiligt und in die Welt
gesandt hat: Du lsterst, weil ich sagte: Ich bin Gottes Sohn?
$10/37$ Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt
mir nicht; $10/38$ wenn ich sie aber tue, so glaubt den Werken,
wenn ihr auch mir nicht glaubt, damit ihr erkennt und glaubt,
da der Vater in mir ist und ich in ihm.

$10/39$ Da suchten sie wieder ihn zu greifen, und er entging
ihrer Hand. $10/40$ Und er ging wieder weg jenseits des Jordan
an den Ort, wo Johannes zuerst taufte, und er blieb dort.
$10/41$ Und viele kamen zu ihm und sagten: Johannes tat zwar
kein Zeichen; alles aber, was Johannes von diesem gesagt hat,
war wahr. $10/42$ Und viele glaubten dort an ihn.
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