Unbegreifliche Nachsicht Gottes mit den Gottlosen.

\24\

$24/1$ Warum sind dem Allmchtigen die Zeiten nicht unbekannt,
aber die, die ihn kennen, schauen seine Tage nicht? $24/2$ Die
Grenzen verrckt man, raubt eine Herde und bringt sie auf die
Weide. $24/3$ Den Esel der Waisen treibt man weg, pfndet der
Witwe den Stier. $24/4$ Man stt die Armen vom Weg; miteinander
mssen sich die Elenden des Landes verkriechen. $24/5$ Siehe,
[scheu wie] Wildesel in der Wste ziehen sie hinaus an ihr Werk,
suchen nach Nahrung [in] der Steppe als Brot fr die Kinder.
$24/6$ Auf dem Feld ernten sie sein Futter ab und halten im
Weinberg des Gottlosen Nachlese. $24/7$ Nackt bernachten sie,
ohne Gewand und ohne Decke in der Klte, $24/8$ werden vom
Regengu der Berge durchnt, und ohne Zufluchtsort klammern sie
sich an den Fels. $24/9$ Man reit das Waisenkind [der Mutter]
von der Brust, und den Sugling des Elenden nimmt man als Pfand.
$24/10$ Nackt mssen sie einhergehen, ohne Gewand, und hungrig
die Garben schleppen. $24/11$ Zwischen ihren Mauern pressen sie
l, treten die Kelter und leiden Durst. $24/12$ Von der Stadt
her chzen Sterbende, und die Seele der Durchbohrten schreit
auf. Doch Gott nimmt keinen Ansto daran.

$24/13$ Jene gehren zu den Feinden des Lichtes, nichts wollen
sie von seinen Wegen wissen und bleiben nicht auf seinen Pfaden.
$24/14$ Vor dem Tageslicht steht der Mrder auf, um den Elenden
und Armen zu tten, und in der Nacht geht der Dieb um. $24/15$
Auch des Ehebrechers Auge lauert auf die Abenddmmerung, indem
er sagt: Kein Auge kann mich dann ersphen. Und eine Hlle legt
er aufs Gesicht. $24/16$ Man bricht im Dunkeln in die Huser
ein. Bei Tage schlieen sie sich ein, Licht kennen sie nicht.
$24/17$ Denn ihnen allen miteinander [gilt] als Morgen die
Finsternis; ja, [jeder von ihnen] kennt die Schrecken der
Finsternis.

$24/18$ Leicht [treibt] er [dahin wie] auf der Oberflche des
Wassers, verflucht wird ihr Feld auf Erden; nicht [mehr] schlgt
er den Weg zu den Weinbergen ein. $24/19$ Drre und Hitze raffen
Schneewasser weg; [so] der Scheol [alle], die gesndigt haben.
$24/20$ Ihn vergit der Mutterleib. Gewrm labt sich an ihm, nie
mehr wird seiner gedacht - so mu das Unrecht wie Holz
zerbrechen -, $24/21$ er, der sich mit der Unfruchtbaren
eingelassen hatte, die nicht gebiert, und der Witwe nichts Gutes
erwies. $24/22$ [Gott] erhlt durch seine Kraft den Mchtigen am
Leben; der steht auf, auch [wenn] er [schon] des Lebens nicht
mehr sicher war. $24/23$ Er gibt ihm Sicherheit, und der wei
sich gesttzt. Und seine Augen [wachen] ber ihren Wegen.
$24/24$ Sie kommen hoch - ein wenig, dann ist es aus. Sie werden
erniedrigt, wie alle [andern] zusammengerafft und wie der Kopf
der hre abgeschnitten. $24/25$ Ist es denn nicht so? Wer will
mich Lgen strafen und meine Rede zunichte machen?

Dritte Rede des Bildad: Keine Gerechtigkeit der Menschen vor
Gott.

\25\

$25/1$ Und Bildad, der Schuchiter, antwortete und sagte:

$25/2$ Herrschaft und Schrecken sind bei ihm, der Frieden
schafft in seinen Hhen. $25/3$ Gibt es eine Zahl fr seine
Scharen? Und ber wem erhebt sich nicht sein Licht? $25/4$ Wie
knnte ein Mensch gerecht sein vor Gott, und wie knnte rein
dastehen ein von der Frau Geborener? $25/5$ Siehe, selbst der
Mond scheint nicht hell, und die Sterne sind nicht rein in
seinen Augen, $25/6$ geschweige denn der Mensch, die Made, und
das Menschenkind, der Wurm!

Hiobs Antwort: Anerkenntnis der unfabaren Majestt Gottes.

\26\

$26/1$ Und Hiob antwortete und sagte:

$26/2$ Wie hast du doch dem beigestanden, der keine Kraft hat,
hast dem Arm geholfen, der nicht stark ist! $26/3$ Wie hast du
den beraten, der keine Weisheit hat, und Gelingen in Flle
geoffenbart! $26/4$ Wem hast du [denn deine] Worte mitgeteilt,
und wessen Geist ist von dir ausgegangen?

$26/5$ [Vor Gott] beben die Schatten unter den Wassern und ihren
Bewohnern. $26/6$ Nackt [liegt] der Scheol vor ihm, und keine
Hlle hat der Abgrund. $26/7$ Er spannt den Norden aus ber der
Leere, hngt die Erde auf ber dem Nichts. $26/8$ In seine
Wolken bindet er die Wasser ein, da unter ihnen das Gewlk
nicht reit. $26/9$ Er versperrt den Anblick [seines] Thrones,
indem er sein Gewlk darber ausbreitet. $26/10$ Eine Schranke
hat er als Kreis ber der Flche der Wasser gezogen bis zum
uersten Ende von Licht und Finsternis. $26/11$ Die Sulen des
Himmels wanken und erstarren vor seinem Drohen. $26/12$ Durch
seine Kraft hat er das Meer erregt und durch seine Einsicht
Rahab zerschmettert. $26/13$ Durch seinen Hauch wird der Himmel
heiter, seine Hand hat die schnelle Schlange durchbohrt. $26/14$
Siehe, das sind die Sume seiner Wege; und wie wenig hren wir
von ihm! Doch den Donner seiner Machttaten, wer versteht ihn?

Hiobs Schlurede: Beteuerung seiner Unschuld - Vergngliches
Glck der Gottlosen.

\27\

$27/1$ Und Hiob fuhr fort, seinen Spruch zu erheben, und sagte:

$27/2$ So wahr Gott lebt, der mir mein Recht entzogen, und der
Allmchtige, der meine Seele bitter gemacht hat, - $27/3$ ja,
solange noch irgend etwas von meinem Atem in mir ist und Gottes
Hauch in meiner Nase -: $27/4$ Wenn meine Lippen Unrecht reden
und wenn meine Zunge Trug ausspricht! $27/5$ Fern sei es von
mir, euch recht zu geben. Bis ich verscheide, lasse ich meine
Rechtschaffenheit nicht von mir weichen. $27/6$ An meiner
Gerechtigkeit halte ich fest und werde sie nicht fahren lassen;
mein Herz schmht nicht einen von meinen Tagen. $27/7$ Meinem
Feind ergehe es wie dem Gottlosen und [dem], der gegen mich
auftritt, wie dem beltter. $27/8$ Denn was ist des Ruchlosen
Hoffnung, wenn sein Leben ein Ende findet, wenn Gott seine Seele
nimmt? $27/9$ Wird Gott sein Hilfegeschrei hren, wenn die Not
ber ihn kommt? $27/10$ Oder wird er an dem Allmchtigen seine
Lust haben, Gott anrufen zu jeder Zeit?

$27/11$ Ich will euch belehren ber Gottes Tun, was der
Allmchtige im Sinn hat, nicht verhehlen. $27/12$ Siehe, ihr
selbst habt es alle geschaut, warum denn schwatzt ihr so
nichtiges Zeug? $27/13$ Dies ist das Los des gottlosen Menschen
bei Gott und das Erbe der Gewaltttigen, das sie vom
Allmchtigen empfangen: $27/14$ Wenn seine Shne zahlreich
werden, dann fr das Schwert, und seine Sprlinge knnen sich
nicht satt essen an Brot. $27/15$ Seine briggebliebenen werden
vom Tod begraben, und seine Witwen weinen nicht. $27/16$ Wenn er
[auch] Silber aufschttet wie Staub und Kleider aufstapelt wie
Lehm, - $27/17$ er stapelt sie [zwar] auf, aber der Gerechte
bekleidet sich [damit], und das Silber teilt der Schuldlose auf.
$27/18$ Er hat sein Haus gebaut wie die Motte und der Laubhtte
gleich, die ein Wchter [sich] macht. $27/19$ Reich legt er sich
hin, und nichts ist ihm genommen. Er schlgt die Augen auf, da
ist es nicht mehr. $27/20$ Wie Wasser erreichen ihn jhe
Schrecken, des Nachts entfhrt ihn ein Sturmwind. $27/21$ Der
Ostwind hebt ihn empor, da er dahinfhrt, und reit ihn weg von
seiner Sttte. $27/22$ Er strzt sich auf ihn ohne Schonung; vor
seiner Gewalt will er flchtend entfliehen. $27/23$ Man klatscht
ber ihn in die Hnde und pfeift seinetwegen von seiner Sttte
aus.

Natrlicher Zugang zu den Schtzen der Erde, aber kein Zugang
zur Weisheit als nur durch Gottesfurcht.

\28\

$28/1$ Ja, fr Silber gibt es einen Fundort und eine Stelle fr
Gold, wo man es auswscht. $28/2$ Eisen wird aus dem Erdreich
hervorgeholt, und Gestein schmilzt man zu Kupfer. $28/3$ Man
setzt der Finsternis ein Ende und durchforscht bis zur uersten
Grenze das Gestein der Dunkelheit und Finsternis. $28/4$ Man
bricht einen Schacht fern von dem [droben] Wohnenden. Vergessen
von dem Fu [, der oben geht], baumeln sie, fern von den
Menschen schweben sie. $28/5$ Die Erde, aus der das Brot
hervorkommt, ihr Unteres wird umgewhlt wie vom Feuer. $28/6$
Ihr Gestein ist die Fundsttte des Saphirs, und Goldstaub
[findet sich] darin. $28/7$ Ein Pfad, den der Raubvogel nicht
kennt und den das Auge der Knigsweihe nicht erblickt hat, -
$28/8$ nie hat das stolze Wild ihn je betreten, der Lwe ist auf
ihm nicht geschritten. $28/9$ Nach dem harten Gestein streckt
man seine Hand aus, whlt die Berge um von Grund auf. $28/10$ In
die Felsen treibt man Stollen, und allerlei Kostbares sieht das
Auge. $28/11$ Die Sickerstellen von Wasseradern dmmt man ein,
und Verborgenes zieht man hervor ans Licht.

$28/12$ Aber die Weisheit, wo kann man sie finden, und wo ist
denn die Fundsttte der Einsicht? $28/13$ Kein Mensch erkennt
ihren Wert, und im Land der Lebendigen wird sie nicht gefunden.
$28/14$ Die Tiefe sagt: In mir ist sie nicht! - und das Meer
sagt: Nicht bei mir! $28/15$ Gelutertes Gold kann fr sie nicht
gegeben und Silber nicht abgewogen werden als Kaufpreis fr sie.
$28/16$ Sie wird nicht aufgewogen mit Gold aus Ofir, mit
kostbarem Schoham-Stein oder Saphir. $28/17$ Gold und Glas sind
ihr nicht vergleichbar, noch lt sie sich eintauschen gegen ein
goldenes Gert. $28/18$ Korallen und Bergkristall brauchen gar
nicht erwhnt zu werden; und ein Beutel [voller] Weisheit ist
mehr [wert] als [ein Beutel voller] Perlen. $28/19$ Nicht
vergleichbar mit ihr ist Topas aus Kusch; mit dem reinsten Gold
wird sie nicht aufgewogen. $28/20$ Die Weisheit nun, woher kommt
sie, und wo denn ist die Fundsttte der Einsicht? $28/21$
Verhllt ist sie vor den Augen alles Lebendigen, und vor den
Vgeln des Himmels ist sie verborgen. $28/22$ Der Abgrund und
der Tod sagen: [Nur] vom Hrensagen haben wir mit unsern Ohren
von ihr gehrt.

$28/23$ Gott ist es, der Einsicht hat in ihren Weg, und er kennt
ihre Sttte. $28/24$ Denn nur er blickt bis zu den Enden der
Erde. Unter dem ganzen Himmel schaut er aus, $28/25$ um dem Wind
ein Gewicht zu bestimmen; und die Wasser begrenzte er mit einem
Ma. $28/26$ Als er dem Regen eine Ordnung bestimmte und einen
Weg der donnernden Gewitterwolke, $28/27$ da sah er sie und
verkndigte sie, er stellte sie hin und erforschte sie auch.
$28/28$ Und zu dem Menschen sprach er: Siehe, die Furcht des
Herrn, sie ist Weisheit, und vom Bsen weichen, [das] ist
Einsicht.

Hiobs Selbstgesprch: Sein frheres Glck, Gottes Segen und
Anerkennung seitens der Menschen.

\29\

$29/1$ Und Hiob fuhr fort, seinen Spruch zu erheben, und sagte:

$29/2$ O da ich wre wie in den frheren Monaten, wie in den
Tagen, da Gott mich behtete! - $29/3$ als seine Leuchte ber
meinem Haupt schien, als ich bei seinem Licht durch die
Finsternis ging; $29/4$ wie ich war in den Tagen meiner Jugend,
als ber meinem Zelt Gottes Rat [waltete], $29/5$ als der
Allmchtige noch mit mir war, meine Shne mich umgaben; $29/6$
als meine Schritte sich in Dickmilch badeten, und der Fels neben
mir Bche von l ausgo! $29/7$ Ging ich durch das Tor in die
Stadt hinauf, stellte ich meinen Sitz auf dem [ffentlichen]
Platz auf. $29/8$ Sahen mich [dann] die jungen Mnner, so
verbargen sie sich, und die Greise erhoben sich, blieben stehen.
$29/9$ Die Obersten hielten die Worte zurck und legten die Hand
auf ihren Mund. $29/10$ Die Stimme der fhrenden Mnner
verstummte, und ihre Zunge klebte an ihrem Gaumen. $29/11$ Hrte
[mich] ein Ohr, so pries es mich glcklich, und sah [mich] ein
Auge, so legte es Zeugnis fr mich ab. $29/12$ Denn ich befreite
den Elenden, der um Hilfe rief, und die Waise, die keinen Helfer
hatte. $29/13$ Der Segenswunsch des Mutlosen kam auf mich, und
das Herz der Witwe lie ich jauchzen. $29/14$ Ich kleidete mich
in Gerechtigkeit, mich bekleidete wie ein Oberkleid und Kopfbund
mein Recht. $29/15$ Auge wurde ich dem Blinden, und Fu dem
Lahmen war ich! $29/16$ Ein Vater war ich fr die Armen, und den
Rechtsstreit dessen, den ich nicht kannte, untersuchte ich.
$29/17$ Und ich zerschmetterte die Kinnladen des beltters, und
seinen Zhnen entri ich die Beute. $29/18$ Und ich sagte [mir]:
Mit meinem Nest werde ich verscheiden und wie der Phnix meine
Tage zahlreich machen. $29/19$ Meine Wurzel wird geffnet sein
zum Wasser hin, und der Tau wird auf meinem Gezweig bernachten.
$29/20$ Meine Ehre wird frisch bei mir bleiben, und mein Bogen
in meiner Hand wird sich verjngen.

$29/21$ Man hrte mir zu und wartete und verhielt sich still
gegenber meinem Rat. $29/22$ Hatte ich geredet, so sagte man
nichts mehr [dagegen], und auf sie trufelte meine Rede. $29/23$
Und sie warteten auf mich wie auf Regen und sperrten ihren Mund
auf [wie] nach Sptregen. $29/24$ Lchelte ich denen zu, die
kein Vertrauen hatten, dann nahmen sie das Leuchten meines
Gesichts auf. $29/25$ Ich whlte fr sie den Weg aus und sa als
Haupt und thronte wie ein Knig unter der Kriegsschar wie einer,
der Trauernde trstet.

Sein jetziges Elend, Verachtung durch die Menschen, Gottes
feindliche Gesinnung - Berechtigung zur Klage.

\30\

$30/1$ Jetzt aber lachen sie ber mich, die jnger sind als ich
an Jahren, bei denen ich es abgelehnt htte, ihre Vter den
Hunden meiner Herde beizugesellen. $30/2$ Wozu sollte mir auch
die Kraft ihrer Hnde [dienen]? Die Rstigkeit ist bei ihnen
[jedoch] verloren. $30/3$ Durch Mangel und Hunger unfruchtbar -
sie, die die [Wurzeln der] Wste abnagen - sind sie Menschen der
de und Verdung [geworden], $30/4$ sie, die Salzkraut pflcken
am Gestruch und deren Brot die Ginsterwurzel ist. $30/5$ Aus
der Gemeinschaft werden sie vertrieben. Man schreit ber sie wie
ber den Dieb. $30/6$ Am Abhang der Bachtler mssen sie wohnen,
in Erdlchern und Felsen[hhlen]. $30/7$ Zwischen Struchern
schreien sie, unter Unkraut finden sie sich zusammen. $30/8$
Gottloses Volk, ja, Gesindel ohne Namen, sind sie aus dem Land
hinausgepeitscht worden.

$30/9$ Und nun bin ich ihr Spottlied geworden, ich wurde fr sie
zum Gerede. $30/10$ Sie verabscheuen mich, haben sich von mir
entfernt, und nicht mit Speichel fr mein Gesicht gespart.
$30/11$ Denn er hat meine Bogensehne gelst und mich gedemtigt,
so da sie vor mir den Zgel schieen lassen. $30/12$ Zu meiner
Rechten erhebt sich die Brut. Sie stoen meine Fe weg und
schtten gegen mich ihre Unheilsdmme auf. $30/13$ Sie reien
meinen Pfad auf, helfen zu meinem Untergang, und niemand hlt
sie dabei auf. $30/14$ Wie durch eine breite Bresche kommen sie,
unter Krachen wlzen sie sich heran. - $30/15$ Pltzlicher
Schrecken hat sich gegen mich gewandt, er jagt wie der Wind
meiner Wrde nach; und wie eine Wolke ist meine Rettung
vorbergezogen.

$30/16$ Und nun zerfliet in mir meine Seele, die Tage des
Elends packen mich. $30/17$ Nachts bohrt es mir meine Knochen
aus, und die an mir nagenden [Schmerzen] ruhen nicht. $30/18$
Mit gewaltiger Kraft packt er mein Gewand, wie der Kragen meines
Leibrocks schnrt er mich ein. $30/19$ Er hat mich in den Dreck
geworfen, so da ich dem Staub und der Asche gleich geworden
bin. $30/20$ Ich schreie zu dir, und du antwortest mir nicht.
Ich stehe da, doch du achtest nicht auf mich. $30/21$ In einen
Grausamen verwandelst du dich mir, mit der Strke deiner Hand
feindest du mich an. $30/22$ Du hebst mich auf den Wind, du lt
mich [auf ihm] reiten und mich zergehen im Krachen [des
Gewitters]. $30/23$ Denn ich habe es erkannt, zum Tod fhrst du
mich zurck und in das Versammlungshaus aller Lebendigen.

$30/24$ Doch streckt man unter Trmmern nicht die Hand [nach
Rettung] aus, oder [erhebt man] bei seinem Untergang [nicht] ein
Hilfegeschrei deswegen? $30/25$ Oder weinte ich nicht ber den,
der harte Tage hatte, hatte meine Seele mit dem Armen [denn
kein] Mitgefhl? $30/26$ Ja, Gutes erwartete ich, und es kam
Bses. Und ich harrte auf Licht, und es kam Dunkelheit. $30/27$
Meine Eingeweide sind zum Sieden gebracht und haben keine Ruhe.
Tage des Elends sind mir entgegengetreten. $30/28$ Trauernd gehe
ich einher ohne Sonne. Ich stehe auf in der Versammlung [und]
schreie um Hilfe. $30/29$ Ich bin ein Bruder geworden den
Schakalen und ein Gefhrte den Strauenhennen. $30/30$ Meine
Haut ist schwarz geworden [und lst sich] von mir ab, und mein
Gebein brennt vor [Fieber]hitze. $30/31$ Und so ist meine Zither
zur Trauerklage geworden und meine Flte zur Stimme der
Weinenden.

Sein unstrfliches Verhalten gegen Gott und Menschen -
Bereitschaft mit Gott zu rechten.

\31\

$31/1$ Einen Bund habe ich mit meinen Augen geschlossen. Wie
htte ich da auf eine Jungfrau [lstern] blicken sollen? $31/2$
Denn was wre [dafr] die Zuteilung von Gott droben gewesen und
das Erbteil vom Allmchtigen in den Hhen? $31/3$ Ist nicht
Verderben fr den beltter [bestimmt] und Migeschick fr die,
die Unrecht tun? $31/4$ Sieht er nicht meine Wege und zhlt alle
meine Schritte?

$31/5$ Wenn ich mit Gehaltlosem umgegangen bin und mein Fu zum
Betrug geeilt ist, - $31/6$ er soll mich auf der Waage der
Gerechtigkeit wiegen, so wird Gott meine Rechtschaffenheit
erkennen! $31/7$ Wenn mein Schritt vom Weg abgebogen und mein
Herz meinen Augen gefolgt ist und an meinen Hnden ein Makel
klebt, $31/8$ dann mge ich sen und ein anderer essen, und
meine Sprlinge mgen entwurzelt werden!

$31/9$ Wenn mein Herz sich wegen einer Frau hat betren lassen
und ich an der Tr meines Nchsten gelauert habe, $31/10$ [dann]
soll meine Frau fr einen anderen mahlen, und andere mgen ber
ihr niederknien! $31/11$ Denn das wre eine Schandtat und das
eine Schuld, die vor die Richter gehrt. $31/12$ Ja, ein Feuer
wre es, das bis zum Untergang fre und meinen ganzen Ertrag
entwurzeln wrde.

$31/13$ Wenn ich miachtet habe das Recht meines Knechtes und
meiner Magd in ihrem Rechtsstreit mit mir, $31/14$ was wollte
ich dann tun, wenn Gott sich erhbe; und wenn er untersuchte,
was ihm erwidern? $31/15$ Hat nicht er, der mich im Mutterleib
gemacht hat, [auch] ihn gemacht, und hat nicht einer im
Mutterscho uns bereitet?

$31/16$ Wenn ich Geringen einen Wunsch verweigert habe, die
Augen der Witwe erlschen lie $31/17$ und meinen Bissen alleine
a, so da die Waise nichts [mehr] davon essen konnte - $31/18$
ist sie doch von meiner Jugend an bei mir aufgewachsen wie [bei]
einem Vater, und wie eine Schwester habe ich sie geleitet -,
$31/19$ wenn ich [ruhig] zusah, wie einer ohne Kleidung
umherirrte und der Arme keine Decke hatte, $31/20$ wenn seine
Lenden mich nicht segneten und er sich von der Wolle meiner
Lmmer nicht wrmen durfte, $31/21$ wenn ich [drohend] meine
Hand gegen eine Waise geschwungen habe, weil ich im Tor meinen
Beistand sah, $31/22$ dann soll mir meine Schulter vom Nacken
fallen, und mein Arm soll vom Gelenk abbrechen! $31/23$ Denn
schrecklich wre mir das Verderben Gottes, und seiner Hoheit
knnte ich nicht standhalten.

$31/24$ Wenn ich das Gold zu meiner Zuversicht gemacht und zum
feinen Gold gesagt habe: Du meine Hoffnung! $31/25$ Wenn ich
mich freute, da mein Vermgen so umfangreich war und da meine
Hand Gewaltiges erreicht hatte! $31/26$ Wenn ich das Licht [der
Sonne] sah, wie sie es leuchten lie, und den Mond, wie er
prchtig daherzog, $31/27$ und mein Herz sich [dann] im Geheimen
betren lie und ich Kuhnde warf! $31/28$ Auch das ist Schuld,
die vor den Richter gehrt! Ich htte ja Gott droben verleugnet.

$31/29$ Wenn ich mich freute ber den Untergang meines Hassers
und aufjauchzte, als Unglck ihn traf! $31/30$ Nie habe ich ja
meinem Gaumen erlaubt zu sndigen, mit einem Fluch dessen Seele
zu fordern.

$31/31$ Wenn die Mnner in meinem Zelt nicht bezeugt haben: Wer
wre wohl nicht von seinem Fleisch satt geworden! $31/32$ Der
Fremde mute nicht im Freien bernachten, ich ffnete dem
Wanderer meine Tr.

$31/33$ Wenn ich wie Adam meine Vergehen zugedeckt habe, um
meine Schuld in meiner Brust zu verbergen, $31/34$ weil ich etwa
erschrocken gewesen wre [vor] der groen Menge und die
Verachtung der Sippen mich niedergeschmettert htte, so da ich
mich still verhalten htte, nicht zur Tre hinausgegangen wre!

$31/35$ Ach htte ich doch einen, der auf mich hrte, - hier ist
meine Unterschrift! Der Allmchtige antworte mir! [Wo ist] die
[Klage]schrift, die mein Rechtsgegner geschrieben hat? $31/36$
Wahrlich, ich wrde sie auf meine Schulter heben, sie mir um
[den Kopf] winden als Kranz. $31/37$ Ich wrde ihm ber die Zahl
meiner Schritte Auskunft geben, wie ein Frst wrde ich ihm
nahen.

$31/38$ Wenn gegen mich mein Ackerboden Anklage erhob und seine
Furchen miteinander weinten, $31/39$ wenn ich seinen Ertrag,
ohne zu bezahlen, verzehrt habe und die Seele seiner Besitzer
zum Keuchen brachte, $31/40$ [dann] soll statt Weizen
Dorngestrpp hervorkommen und anstelle von Gerste Unkraut!

Zu Ende sind die Worte Hiobs.

Erste Rede des Elihu: Bisherige Zurckhaltung und
Unparteilichkeit - Aufforderung an Hiob zur Stellungnahme.

\32\

$32/1$ Und jene drei Mnner hrten auf, dem Hiob zu antworten,
weil er in seinen Augen gerecht war. $32/2$ Da entbrannte der
Zorn Elihus, des Sohnes Barachels, des Busiters, von der Sippe
Ram. Gegen Hiob entbrannte sein Zorn, weil er sich Gott
gegenber im Recht betrachtete. $32/3$ Und gegen seine drei
Freunde entbrannte sein Zorn, weil sie keine Antwort gefunden
und Hiob [doch] fr schuldig erklrt hatten. $32/4$ Elihu aber
hatte sich Hiob gegenber zurckgehalten mit Reden, weil jene
die lteren an Jahren waren als er. $32/5$ Und als Elihu sah,
da keine Antwort [mehr] in dem Mund der drei Mnner war, da
entbrannte sein Zorn. $32/6$ Und Elihu, der Sohn des Barachel,
der Busiter, hob an und sagte:

Ich bin der Jngste an Jahren, und ihr seid Greise. Darum hatte
ich Angst und frchtete mich, euch mein Wissen zu verknden.
$32/7$ Ich sagte [mir]: Mag [erst] das Alter reden, soll die
Menge der Jahre Weisheit erkennen lassen! $32/8$ Jedoch - es ist
der Geist im Menschen und der Atem des Allmchtigen, der sie
verstndig werden lt. $32/9$ Nicht [nur] die Betagten sind die
Weisen, noch verstehen [stets] die Alten, was recht ist. $32/10$
Darum sage ich: Hrt mir zu! Auch ich will mein Wissen
verknden. $32/11$ Siehe, ich wartete auf eure Worte, horchte
auf eure einsichtigen [Reden], bis ihr [die rechten] Worte
ausfindig gemacht httet. $32/12$ Und ich wandte euch meine
Aufmerksamkeit zu, doch siehe, keiner war da, der Hiob widerlegt
htte, [keiner] von euch, der seine Worte erwidert htte.
$32/13$ Da ihr [aber ja] nicht sagt: Wir haben Weisheit
gefunden; Gott kann ihn aus dem Felde schlagen, nicht ein
Mensch! $32/14$ Er hat ja nicht an mich [seine] Worte gerichtet,
und mit euren Worten werde ich ihm nicht erwidern. - $32/15$ Sie
sind bestrzt, sie antworten nicht mehr, die Worte lassen sie im
Stich. $32/16$ Soll ich da warten, weil sie nicht reden, weil
sie dastehen [und] nicht mehr antworten? $32/17$ Auch ich will
meinerseits mein Teil erwidern, auch ich will mein Wissen
verknden. $32/18$ Denn erfllt bin ich mit Worten; der Geist in
meinem Innern bedrngt mich. $32/19$ Siehe, mein Inneres ist wie
[junger] Wein, der nicht geffnet ist; gleich neu [gefllten]
Schluchen will es bersten. $32/20$ Ich mu reden, damit ich
Luft bekomme, ich will meine Lippen auftun und antworten.
$32/21$ Fr keinen werde ich Partei ergreifen, und keinem
Menschen werde ich schmeicheln! $32/22$ Denn ich verstehe mich
nicht aufs Schmeicheln ; sonst wrde mein Schpfer mich [wohl]
bald dahinraffen.

\33\

$33/1$ Du aber, Hiob, hre doch meine Reden, und all meine Worte
nimm zu Ohren! $33/2$ Sieh doch, ich habe meinen Mund aufgetan,
meine Zunge redet in meinem Gaumen. $33/3$ Geradheit meines
Herzens - [das] sind meine Worte, und lauter knden meine Lippen
Erkenntnis. $33/4$ Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der
Atem des Allmchtigen belebt mich. $33/5$ Wenn du kannst, gib
mir Antwort, bring [sie] vor, stelle dich vor mich hin! $33/6$
Siehe, ich bin vor Gott soviel wie du, vom Lehm [nur]
abgekniffen bin auch ich. $33/7$ Siehe, Angst vor mir braucht
dich nicht zu erschrecken, und mein Drngen wird nicht schwer
auf dir lasten.

Abwehr der Anklagen Hiobs gegen Gott - Gottes Zucht zum Heil der
Seele - Aufforderung zur Stellungnahme oder zum Zuhren.

$33/8$ Du sagtest doch vor meinen Ohren - und den Laut [deiner]
Worte hre ich [noch] -: $33/9$ Lauter bin ich, ohne ein
Vergehen. Rein bin ich und habe keine Schuld. $33/10$ Siehe, er
erfindet Anlsse zum Widerstand gegen mich, er hlt mich fr
seinen Feind. $33/11$ Er legt meine Fe in den Block, berwacht
alle meine Pfade. - $33/12$ Siehe, darin bist du nicht im Recht,
antworte ich dir; denn Gott ist grer als ein Mensch.

$33/13$ Warum rechtest du mit ihm, weil er auf all seine Worte
keine Antwort gibt? $33/14$ Doch auf eine Weise redet Gott und
auf eine zweite, und man wird es nicht gewahr. $33/15$ Im Traum,
im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf auf die Menschen fllt, im
Schlummer auf dem Lager, $33/16$ dann ffnet er das Ohr der
Menschen und besttigt die Warnung fr sie, $33/17$ um den
Menschen von [seinem] Tun abzuwenden und den Hochmut vom Mann
abzuhauen, $33/18$ um seine Seele zurckzuhalten von der Grube
und sein Leben davon, in den Spie zu rennen.

$33/19$ Auch wird er gezchtigt durch Schmerzen auf seinem
Lager, und ununterbrochen [whrt] der Streit in seinen Gebeinen.
$33/20$ Und sein Leben verabscheut das Brot und seine Seele die
Lieblingsspeise. $33/21$ Sein Fleisch vergeht, ist unansehnlich,
und fleischlos sind seine Knochen, die [sonst] nicht zu sehen
waren. $33/22$ Und seine Seele nhert sich der Grube und sein
Leben den Todesboten.

$33/23$ Wenn er da einen Engel bei sich hat, einen Mittler,
einen von den Tausend, der dem Menschen seine Pflicht mitteilen
soll, $33/24$ so wird der sich ber ihn erbarmen und sprechen:
Befreie ihn, damit er nicht in die Grube hinabfhrt! Ich habe
Lsegeld [fr ihn] gefunden. $33/25$ Sein Fleisch wird frischer
sein als in der Jugendkraft; er wird zurckkehren zu den Tagen
seiner Jugend. $33/26$ Er wird zu Gott flehen, und der wird ihn
gndig annehmen, und er darf sein Angesicht schauen mit Jubel;
und Gott wird dem Menschen seine Gerechtigkeit zurckgeben.
$33/27$ Er wird vor den Menschen singen und sagen: Ich hatte
gesndigt und das Rechte verkehrt, und er hat mir nicht
vergolten. $33/28$ Er hat meine Seele erlst vor dem Abstieg in
die Grube, und mein Leben darf das Licht schauen.

$33/29$ Siehe, das alles tut Gott zweimal, dreimal mit dem Mann,
$33/30$ um seine Seele von der Grube zurckzuholen, damit er vom
Licht des Lebens erleuchtet werde. $33/31$ Merke auf, Hiob, hre
mir zu! Schweige, und ich will reden! $33/32$ Wenn du Worte
hast, erwidere mir [etwas]! Rede nur, denn ich wollte dir gern
recht geben! $33/33$ Wenn [aber] nicht, hre du mir zu!
Schweige, und ich werde dich Weisheit lehren!

Zweite Rede des Elihu: Gegen Hiobs Reden ber die
Ungerechtigkeit Gottes - Keine Rechtsbeugung durch den
Allmchtigen.

\34\

$34/1$ Und Elihu erhob [seine Stimme] und sagte:

$34/2$ Hrt, ihr Weisen, meine Worte und ihr Kundigen, gebt mir
Gehr! $34/3$ Denn das Ohr prft die Worte, und der Gaumen
kostet die Speise. $34/4$ Lat uns nun prfen, was recht ist,
lat uns untereinander erkennen, was gut ist!

$34/5$ Denn Hiob hat gesagt: Ich bin gerecht, und Gott hat mir
mein Recht entzogen. $34/6$ Obwohl ich im Recht bin, soll ich
ein Lgner sein. Mein Geschick ist unheilbar, ohne da ich
irgend etwas verbrochen htte. - $34/7$ Wer ist ein Mann wie
Hiob, der Spott[worte] wie Wasser trinkt $34/8$ und in
Gemeinschaft mit denen unterwegs ist, die Unrecht tun, und mit
gottlosen Menschen umgeht? $34/9$ Denn er hat [selbst] gesagt:
Keinen Nutzen hat ein Mann davon, da er sich mit Gott
befreundet!

$34/10$ Darum, ihr Mnner mit Verstand, hrt mir zu! Fern sei es
von Gott, gottlos zu handeln, und vom Allmchtigen, Unrecht zu
tun! $34/11$ Sondern des Menschen Tun vergilt er ihm, und nach
eines jeden Weg lt er es ihn finden. $34/12$ Ja, wahrlich,
Gott handelt nicht gottlos, und der Allmchtige beugt das Recht
nicht. $34/13$ Wer hat ihm die Erde anvertraut? Und wer hat den
ganzen Erdkreis hingestellt? $34/14$ Wenn er sein Herz [nur] auf
sich selbst richtete, seinen Geist und seinen Atem zu sich
zurckzge, $34/15$ so wrde alles Fleisch insgesamt
verscheiden, und der Mensch zum Staub zurckkehren.

$34/16$ Und wenn du einsichtig bist, hre dies, schenke der
Stimme meiner Worte Gehr! $34/17$ Kann denn einer, der das
Recht hat, die Zgel fhren? Oder willst du den Gerechten, den
Gewaltigen fr schuldig erklren, ihn, $34/18$ der zu einem
Knig sagt `du Ruchloser', und `du Gottloser' zu den Edlen?
$34/19$ Der fr die Obersten nicht Partei ergreift und den
Vornehmen nicht vor dem Geringen bercksichtigt? Denn das Werk
seiner Hnde sind sie alle. $34/20$ In einem Augenblick sterben
sie und mitten in der Nacht. Ein Volk wird in Aufruhr versetzt,
und sie vergehen. Und er beseitigt den Gewalthaber ohne
menschliches Zutun. $34/21$ Denn seine Augen [wachen] ber den
Wegen des Menschen, und all seine Schritte sieht er. $34/22$ Da
ist keine Dunkelheit und keine Finsternis, worin sich die
beltter verbergen knnten. $34/23$ Denn er setzt dem Menschen
keine Frist fest, zu Gott vor Gericht zu kommen. $34/24$ Er
zerschmettert Gewaltige ohne Untersuchung und setzt andere an
ihre Stelle. $34/25$ Daher achtet er auf ihre Taten und strzt
sie um ber Nacht, da sie zermalmt daliegen. $34/26$ Wie
Gottlose schlgt er sie da, wo alle es sehen, $34/27$ deshalb,
weil sie von seiner Nachfolge abgewichen sind und all seine Wege
nicht bedacht haben, $34/28$ so da sie das Hilfegeschrei des
Geringen zu ihm hinaufdringen lieen und er das Hilfegeschrei
der Elenden hrte. $34/29$ Verhlt er sich ruhig, wer darf ihn
fr schuldig erklren? Verbirgt er das Angesicht, wer kann ihn
wahrnehmen? Sowohl ber einer [ganzen] Nation als auch zugleich
ber dem einzelnen [wacht er], $34/30$ damit nicht ruchlose
Menschen Knige seien, dem Volk zu Fallstricken.

$34/31$ Soll Gott dir etwa sagen: Ich habe mich geirrt, [doch]
ich will nicht [mehr] bse handeln; $34/32$ was ich nicht sehe,
lehre du mich; wenn ich Unrecht verbt habe, will ich es nicht
wieder tun? - $34/33$ Soll nach deinem Sinn er es vergelten, da
du [sein Urteil] ja verwirfst? So mut du ja whlen, und nicht
ich. Was du erkannt hast, sprich aus! $34/34$ Mnner mit
Verstand werden zu mir sagen und ein weiser Mann, der mir
zuhrt: $34/35$ Hiob redet nicht mit Erkenntnis, und seine Worte
sind ohne Einsicht. $34/36$ Wohlan, Hiob werde fort und fort
geprft wegen seiner Einwnde nach [der Art von] Mnnern des
Unheils! $34/37$ Denn er fgt seiner Snde Treubruch hinzu, in
unserer Gegenwart klatscht er [sich Beifall] und macht seine
Worte gegen Gott zahlreich.

Dritte Rede des Elihu: Bedeutung des Tuns des Menschen - Keine
Erhrung bei Gott bei Mangel an Gottesfurcht.

\35\

$35/1$ Und Elihu erhob [seine Stimme] und sagte:

$35/2$ Hltst du dies fr Recht, nennst du [das] `meine
Gerechtigkeit vor Gott', $35/3$ wenn du fragst, was sie dir
ntzt: `Was hilft es mir, da ich nicht sndige?' - $35/4$ Ich
will mit Worten dir erwidern und deinen Gefhrten bei dir.
$35/5$ Blicke zum Himmel und sieh und schaue die Wolken an! Sie
sind hher als du. $35/6$ Wenn du sndigst, was kannst du ihm
[damit] antun? Werden zahlreich deine Verbrechen, was kannst du
ihm zufgen? $35/7$ Wenn du gerecht bist, was gibst du ihm, oder
was empfngt er aus deiner Hand? $35/8$ Den Mann, dir gleich,
[trifft] deine Gottlosigkeit und das Menschenkind deine
Gerechtigkeit.

$35/9$ Wegen der Menge der Unterdrckung erhebt man
Klagegeschrei. Man ruft um Hilfe wegen der Gewaltttigkeit der
Groen. $35/10$ Aber man sagt nicht: Wo ist Gott, mein Schpfer,
der Lobgesnge gibt in der Nacht, $35/11$ der uns mehr als die
Tiere der Erde belehrt und uns weiser macht als die Vgel des
Himmels? $35/12$ Dort schreien sie - doch er antwortet nicht -
wegen des bermutes der Bsen. $35/13$ Ja, vergebens! Gott hrt
nicht, und der Allmchtige sieht es nicht an. $35/14$ Nun gar,
wenn du sagst: du kannst ihn nicht sehen! Der Rechtsfall [liegt]
ihm vor, so warte auf ihn! $35/15$ Und nun, weil sein Zorn
[noch] nicht heimgesucht hat und er sich nicht so sehr um
Albernheiten kmmert, $35/16$ reit Hiob fr Nichtiges seinen
Mund auf, macht ohne Erkenntnis viel Worte.

Vierte Rede des Elihu: Durch Leiden zu Selbsterkenntnis und
Gehorsam - Mahnung an Hiob zur Anerkennung von Gottes Tun.

\36\

$36/1$ Und Elihu fuhr fort und sagte:

$36/2$ Hab ein wenig Geduld mit mir, und ich will es dir knden!
Denn mehr noch habe ich fr Gott zu sagen. $36/3$ Ich will mein
Wissen von weither holen und meinem Schpfer Gerechtigkeit
geben. $36/4$ Ja wahrlich, meine Worte sind keine Lge; ein
[Mann] mit vollkommenem Wissen [steht] vor dir.

$36/5$ Siehe, Gott ist gewaltig, doch verwirft er niemanden; er
ist gewaltig an Kraft des Herzens. $36/6$ Er erhlt den
Gottlosen nicht am Leben, und das Recht der Elenden stellt er
[wieder] her. $36/7$ Nicht wendet er seine Augen von dem
Gerechten, und mit Knigen auf dem Thron, da lt er sie
immerdar sitzen, so da sie erhaben sind. $36/8$ Und wenn sie in
Fesseln geschlagen, in Stricken des Elends gefangen sind, $36/9$
dann zeigt er ihnen ihr Tun und ihre Vergehen, da sie sich
berheblich gebrdeten, $36/10$ und er ffnet ihr Ohr fr Zucht
und sagt [ihnen], da sie umkehren sollen vom Unrecht. $36/11$
Wenn sie hren und sich unterwerfen, vollenden sie ihre Tage im
Glck und ihre Jahre in Annehmlichkeiten. $36/12$ Wenn sie aber
nicht hren, rennen sie in den Spie und verscheiden ohne
Erkenntnis. $36/13$ Aber die ein ruchloses Herz haben, hegen
Zorn. Sie rufen nicht um Hilfe, wenn er sie fesselt. $36/14$
Ihre Seele stirbt dahin in der Jugend und ihr Leben im
Jnglingsalter. $36/15$ Den Elenden errettet er in seinem Elend
und ffnet durch Bedrngnis sein Ohr.

$36/16$ Auch dich lockt er fort aus dem Rachen der Not,
unbeengte Weite ist dein Platz, und was auf deinen Tisch kommt,
ist reich an Fett. $36/17$ Bist du aber mit dem Urteil ber den
Gottlosen erfllt, werden Urteil und Rechtsspruch [dich]
ergreifen. $36/18$ Ja, da [deine] Erregung dich nur nicht zum
Hhnen anstiftet und die Gre des Lsegeldes dich nicht
verleitet! $36/19$ Soll dich dein Hilferuf aus der Not
herausbringen und alle Kraftanstrengungen? $36/20$ Lechze nicht
nach der Nacht, [danach], da [ganze] Vlker auffahren an ihrer
Stelle! $36/21$ Hte dich, wende dich nicht dem Unrecht zu! Denn
Bosheit hast du dem Elend [bereits] vorgezogen.

$36/22$ Siehe, Gott handelt erhaben in seiner Macht. Wer ist ein
Lehrer wie er? $36/23$ Wer knnte ihm seinen Weg vorschreiben,
und wer drfte sagen: Du hast unrecht getan? $36/24$ Denke
daran, da du sein Werk preist, das Menschen besingen! $36/25$
Alle Menschen schauen es [staunend] an, der Sterbliche erblickt
es aus der Ferne.

Offenbarung von Gottes Majestt in der Natur - Mahnung zur
Demtigung vor Gott.

$36/26$ Siehe, Gott ist erhaben, wir aber erkennen es nicht; die
Zahl seiner Jahre, sie ist unerforschlich. $36/27$ Wenn er die
Wassertropfen heraufzieht, sickern sie durch seinen Nebel
[wieder herab] als Regen, $36/28$ den die Wolken niederrieseln
[und] trufeln auf die vielen Menschen. $36/29$ Ja, wenn man gar
das Ausbreiten des Gewlks verstnde, das Donnerkrachen seines
Zeltes! $36/30$ Siehe, er breitet darber sein Licht aus, und
die Wurzeln des Meeres bedeckt er. $36/31$ Ja, in den Wolken
richtet er die Vlker, gibt Nahrung im berflu. $36/32$ Seine
Hnde umhllt er mit dem Blitzstrahl und entbietet ihn gegen
[den], auf den er [ihn] treffen lassen will. $36/33$ Es kndigt
ihn sein Rollen an, wenn er seinen Zorn gegen Bosheit eifern
lt.

\37\

$37/1$ Ja, darber erbebt mein Herz und fhrt auf von seiner
Stelle. $37/2$ Hrt, hrt das Toben seiner Stimme und das
Grollen, das aus seinem Mund hervorgeht! $37/3$ Unter dem ganzen
Himmel lt er es los und seinen Blitz bis zu den Enden der
Erde. $37/4$ Nach ihm brllt der Donner, er lt es mit seiner
erhabenen Stimme donnern. Und er hlt die Blitze nicht zurck,
wenn seine Stimme sich hren lt. $37/5$ Gott donnert mit
seiner Stimme wunderbar. Er tut [so] groe Dinge, und wir
erkennen es nicht. $37/6$ Denn zum Schnee spricht er: Fall zur
Erde! - und [so auch] zum Regengu und zu seinen gewaltigen
Regengssen. $37/7$ Auf die Hand eines jeden Menschen setzt er
[sein] Siegel, damit alle Menschen sein Werk erkennen. $37/8$
Und das Wild geht in sein Versteck und legt sich auf seinen
Lagern nieder. $37/9$ Aus der Kammer kommt Sturm hervor und aus
den Nordwinden Klte. $37/10$ Durch den Atem Gottes gibt es Eis,
und die Weite des Wassers [liegt] in Enge. $37/11$ Auch mit Na
belastet er die Wolke, streut [weit] umher sein lichtes Gewlk.
$37/12$ Und das [zieht] ringsumher, sich hin und her wendend
nach seiner klugen Steuerung, um auszufhren alles, was er ihnen
gebietet, ber der Flche des Erdkreises. $37/13$ Sei es zur
Zchtigung, sei es fr seine Erde, sei es zur Gnade, er lt sie
es finden.

$37/14$ Nimm dieses zu Ohren, Hiob! Steh still und achte auf die
Wundertaten Gottes! $37/15$ Erkennst du es, wenn Gott ihnen
Auftrag gibt und leuchten lt das Licht seines Gewlks? $37/16$
Erkennst du das Schweben der Wolke, die Wunderwerke dessen, der
an Erkenntnis vollkommen ist? $37/17$ Du, dessen Kleider hei
werden, wenn das Land wegen des Sdwindes [trge] ruht, $37/18$
kannst du gleich ihm die Wolkendecke ausbreiten, die fest ist
wie ein gegossener Spiegel? $37/19$ La uns wissen, was wir ihm
sagen sollen! Nichts knnen wir vorbringen vor Finsternis.
$37/20$ Soll ihm gemeldet werden, da ich rede? Oder mu man es
[ihm erst] sagen, da [etwas] mitgeteilt wird? $37/21$ Und jetzt
sieht man das Licht nicht, das durch die Wolken verdunkelt ist;
aber ein Wind fhrt daher und fegt den Himmel rein. $37/22$ Aus
dem Norden kommt ein goldener Schein, um Gott ist furchtbare
Hoheit. $37/23$ Den Allmchtigen - ihn erreichen wir nicht, den
Erhabenen an Kraft. Und das Recht und die Flle der
Gerechtigkeit beugt er nicht. $37/24$ Darum frchten ihn die
Menschen; er sieht all die Weisheitskundigen nicht an.

Erste Rede Gottes: Fragen nach dem Urheber der Schpfung, der
leblosen und belebten Natur.

\38\

$38/1$ Da antwortete der HERR dem Hiob aus dem Sturm und sprach:

$38/2$ Wer ist es, der den Ratschlu verdunkelt mit Worten ohne
Erkenntnis? $38/3$ Grte doch wie ein Mann deine Lenden! Dann
will ich dich fragen, und du sollst mich belehren!

$38/4$ Wo warst du, als ich die Erde grndete? Teile es mit,
wenn du Einsicht kennst! $38/5$ Wer hat ihre Mae bestimmt, wenn
du es kennst? Oder wer hat ber ihr die Meschnur ausgespannt?
$38/6$ Worauf sind ihre Sockel eingesenkt? Oder wer hat ihren
Eckstein gelegt, $38/7$ als die Morgensterne miteinander
jubelten und alle Shne Gottes jauchzten?

$38/8$ Wer hat das Meer mit Tren verschlossen, als es
hervorbrach, dem Mutterscho entquoll, $38/9$ als ich Gewlk zu
seinem Gewand machte und Wolkendunkel zu seinen Windeln $38/10$
und ich ihm meine Grenze zog und Riegel und Tren einsetzte
$38/11$ und sprach: Bis hierher kommst du und nicht weiter, und
hier soll aufhren der Stolz deiner Wellen?

$38/12$ Hast du einmal in deinem Leben dem Morgen geboten? Hast
du die Morgenrte ihre Sttte wissen lassen, $38/13$ damit sie
die Enden der Erde erfasse, so da die Gottlosen von ihr
abgeschttelt werden? $38/14$ Sie verwandelt sich wie Siegelton,
und alles steht da wie ein Kleid; $38/15$ und den Gottlosen wird
ihr Licht entzogen, und der erhobene Arm wird zerbrochen.

$38/16$ Bist du gekommen bis zu den Quellen des Meeres, und hast
du den Urgrund der Tiefe durchwandelt? $38/17$ Sind dir die Tore
des Todes aufgedeckt worden, und hast du die Tore der Finsternis
gesehen? $38/18$ Hast du auf die Breiten der Erde geachtet?
Teile es [mir] mit, wenn du das alles erkannt hast!

$38/19$ Wo ist denn der Weg dahin, wo das Licht wohnt? Und die
Finsternis - wo ist denn ihre Sttte, $38/20$ so da du sie in
ihr Gebiet bringen knntest und da dir die Pfade zu ihrem Haus
bekannt wren? $38/21$ Du hast es [ja] erkannt, denn damals
warst du [schon] geboren, und die Zahl deiner Tage ist gro!

$38/22$ Bist du bis zu den Vorrten des Schnees gekommen, und
hast du die Vorrte des Hagels gesehen, $38/23$ die ich
aufgespart habe fr die Zeit der Not, fr den Tag des Kampfes
und der Schlacht?

$38/24$ Wo denn ist der Weg, auf dem das Licht sich verteilt,
der Ostwind sich ber die Erde zerstreut? $38/25$ Wer furchte
der Regenflut einen Wassergraben und einen Weg der donnernden
Gewitterwolke, $38/26$ um regnen zu lassen auf ein Land ohne
Menschen, auf die Wste, in der kein Mensch ist, $38/27$ um zu
sttigen die de und Verdung und um hervorsprieen zu lassen
die Triebe des frischen Grases?

$38/28$ Hat der Regen einen Vater, oder wer hat die Tautropfen
gezeugt? $38/29$ Aus wessen Scho kam das Eis hervor, und des
Himmels Reif, wer hat ihn geboren, $38/30$ wenn sich das Wasser
wie in einem Stein versteckt hlt und die Flche der Tiefe fest
gefgt ist?

$38/31$ Knpfst du die Bnder des Siebengestirns, oder lst du
die Fesseln des Orion? $38/32$ Kannst du die Tierkreisbilder
hervortreten lassen zu ihrer Zeit und den Groen Bren leiten
samt seinen Jungen? $38/33$ Hast du die Ordnungen des Himmels
erkannt, oder bestimmst du seine Herrschaft auf der Erde?

$38/34$ Erhebst du deine Stimme zum Gewlk, so da der Schwall
des Wassers dich bedeckt? $38/35$ Entsendest du Blitze, so da
sie hinfahren und zu dir sagen: Hier sind wir? $38/36$ Wer hat
Weisheit in den Ibis gelegt, oder wer hat dem Hahn Verstand
gegeben? $38/37$ Wer kann in Weisheit die Wolken zhlen, und die
Krge des Himmels - wer kippt sie um, $38/38$ wenn das Erdreich
hart wird wie gegossenes Metall und die Schollen
aneinanderkleben?

$38/39$ Erjagst du fr die Lwin die Beute, und stillst du die
Gier der jungen Lwen, $38/40$ wenn sie sich auf [ihren] Lagern
ducken, im Dickicht auf der Lauer sitzen? $38/41$ Wer stellt dem
Raben sein Futter bereit, wenn seine Jungen zu Gott schreien,
umherirren ohne Nahrung?

\39\

$39/1$ Kennst du die Wurfzeit der Steinbcke? Beobachtest du das
Kreien der Hirschkhe? $39/2$ Zhlst du die Monate, die sie
erfllen mssen, und kennst du die Zeit ihres Werfens? $39/3$
Sie kauern sich, lassen ihre Jungen durchbrechen, entledigen
sich ihrer Wehen. $39/4$ Ihre Kinder werden stark, wachsen auf
im Freien; sie ziehen hinaus und kehren nicht [mehr] zu ihnen
zurck.

$39/5$ Wer hat den Wildesel frei laufen lassen, und wer hat die
Fesseln des Wildlings gelst, $39/6$ dem ich die Steppe zur
Behausung machte und zu seiner Wohnung das salzige Land? $39/7$
Er lacht ber das Getmmel der Stadt, das Geschrei des Treibers
hrt er nicht. $39/8$ Was er auf den Bergen erspht, ist seine
Weide, und allem Grnen sprt er nach.

$39/9$ Wird der Bffel dir dienen wollen, oder wird er an deiner
Krippe bernachten? $39/10$ Hltst du den Bffel in der Furche
an seinem Seil, oder wird er die Talgrnde hinter dir her eggen?
$39/11$ Traust du ihm, weil seine Kraft so gro ist, und
berlt du ihm deine Arbeit? $39/12$ Kannst du dich auf ihn
verlassen, da er dein Korn heimbringt und [das Getreide fr]
deine Tenne einsammelt?

$39/13$ Munter schwingt sich der Flgel der Strauenhenne - ist
es die Schwinge des Storches oder des Falken? $39/14$ Denn sie
berlt ihre Eier der Erde und lt sie auf dem Staub warm
werden. $39/15$ Und sie vergit, da ein Fu sie zerdrcken und
das Wild des Feldes sie zertreten kann. $39/16$ Sie behandelt
ihre Jungen hart, als gehrten sie ihr nicht. War ihre Mhe
umsonst, es erschttert sie nicht. $39/17$ Denn Gott lie sie
die Weisheit vergessen und gab ihr keinen Anteil an der
Einsicht. $39/18$ Wenn sie dann aber in die Hhe schnellt, lacht
sie ber das Ro und seinen Reiter.

$39/19$ Gibst du dem Ro die Kraft, bekleidest du seinen Hals
mit einer Mhne? $39/20$ Bringst du es zum Springen wie die
Heuschrecke? Schrecklich ist sein hoheitsvolles Schnauben.
$39/21$ Es scharrt in der Ebene und freut sich an [seiner]
Kraft; es zieht aus, den Waffen entgegen. $39/22$ Es lacht ber
die Furcht und erschrickt nicht und kehrt vor dem Schwert nicht
um. $39/23$ ber ihm klirrt der Kcher, die Klinge von Speer und
Krummschwert. $39/24$ Mit Ungestm und Erregung schlrft es den
Boden und lt sich nicht halten, wenn das Horn ertnt. $39/25$
Sooft das Horn erklingt, ruft es: Hui! Und [schon] von weitem
wittert es die Schlacht, das Lrmen der Obersten und das
Kriegsgeschrei.

$39/26$ Schwingt sich kraft deiner Einsicht der Habicht empor,
breitet seine Flgel aus fr den Sdwind? $39/27$ Oder erhebt
sich auf deinen Befehl der Geier so hoch und baut in der Hhe
sein Nest? $39/28$ Den Fels bewohnt er und horstet [dort] auf
der Felsenzacke und der Bergfeste. $39/29$ Von dort aus erspht
er Nahrung, in die Ferne blicken seine Augen. $39/30$ Seine
Jungen gieren nach Blut, und wo Erschlagene sind, da ist er.

Hiobs Antwort: Einsichtige Zurcknahme der Anklagen gegen Gott.

\40\

$40/1$ Und der HERR antwortete dem Hiob und sprach:

$40/2$ Mit dem Allmchtigen will der Tadler rechten? Der da Gott
zurechtweist, er antworte darauf!

$40/3$ Da antwortete Hiob dem HERRN und sagte:

$40/4$ Siehe, zu gering bin ich! Was kann ich dir erwidern? Ich
lege meine Hand auf meinen Mund. $40/5$ Einmal habe ich geredet,
und ich will nicht [mehr] antworten; und zweimal, und ich will
es nicht wieder tun.

Zweite Rede Gottes: Beweis der Macht Gottes durch Bestrafung der
Hochmtigen - Seine Gewalt ber den Behemot und den Leviatan.

$40/6$ Und der HERR antwortete Hiob aus dem Sturm und sprach:

$40/7$ Grte doch wie ein Mann deine Lenden! Ich will dich
fragen, und du sollst mich belehren! $40/8$ Willst du etwa mein
Recht zerbrechen, mich fr schuldig erklren, damit du gerecht
dastehst? $40/9$ Oder hast du einen Arm wie Gott, und donnerst
du mit einer Stimme wie er? $40/10$ Schmcke dich doch mit
Erhabenheit und Hoheit, in Majestt und Pracht kleide dich!
$40/11$ Streue die Ausbrche deines Zornes umher und schau alles
Hochmtige an und erniedrige es! $40/12$ Schau alles Hochmtige
an, beuge es und tritt die Gottlosen nieder auf ihrer Stelle!
$40/13$ Verbirg sie allesamt im Staub, banne sie selbst an einen
verborgenen Ort! $40/14$ Dann werde auch ich dich preisen, weil
deine Rechte dir zur Hilfe kommt.

$40/15$ Sieh doch den Behemot, den ich mit dir gemacht habe!
Gras frit er wie das Rind. $40/16$ Sieh doch seine Kraft in
seinen Lenden und seine Strke in den Muskeln seines Bauches!
$40/17$ Er lt seinen Schwanz gleich einer Zeder hngen, die
Sehnen seiner Schenkel sind [dicht] geflochten. $40/18$ Rhren
aus Bronze sind seine Knochen und seine Gebeine wie Stangen aus
Eisen. $40/19$ Er ist der Anfang der Wege Gottes. Der ihn
gemacht, hat [ihm] sein Schwert beschafft. $40/20$ Denn die
Berge bringen ihm Tribut, und alle Tiere des Feldes, die dort
spielen. $40/21$ Unter Lotosbschen lagert er im Versteck von
Rohr und Sumpf. $40/22$ Die Lotosbsche, sein Schatten, bedecken
ihn; es umgeben ihn die Bachpappeln. $40/23$ Siehe, der Strom
schwillt mchtig an - er hastet nicht davon. Er fhlt sich
sicher, [selbst] wenn ein Jordan gegen sein Maul hervorbricht.
$40/24$ [Wer] kann ihm in seine Augen greifen, ihm in der Falle
die Nase durchbohren?

$40/25$ Ziehst du den Leviatan mit der Angel herbei, und hltst
du mit dem Seil seine Zunge nieder? $40/26$ Kannst du einen
Binsenstrick durch seine Nase ziehen und mit einem Dorn seine
Kinnlade durchbohren? $40/27$ Wird er dich lange anflehen oder
dir schmeichelnde Worte geben? $40/28$ Wird er einen Bund mit
dir schlieen, da du ihn zum Knecht nimmst fr ewig? $40/29$
Willst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel und ihn fr deine
Mdchen anbinden? $40/30$ Werden die Handelsgenossen um ihn
feilschen, ihn verteilen unter die Kaufleute? $40/31$ Kannst du
seine Haut mit Spieen spicken und seinen Kopf mit der
Fischharpune? $40/32$ Lege nur deine Hand an ihn! Denk an den
Kampf! Du wirst es nicht noch einmal tun!

\41\

$41/1$ Siehe, die Hoffnung auf ihn erweist sich als trgerisch.
Wird man nicht schon bei seinem Anblick niedergeworfen? $41/2$
Niemand ist so tollkhn, da er ihn aufreizte. - Und wer ist es,
der vor mir bestehen knnte? $41/3$ Wer hat mir zuvor gegeben,
da ich ihm vergelten sollte? [Was] unter dem ganzen Himmel
[ist], mir gehrt es!

$41/4$ Nicht schweigen will ich von seinen Gliedern und von
seiner Kraftflle und von der Schnheit seines Baues. $41/5$ Wer
deckte die Oberseite seines Gewandes auf? In sein Doppelgebi,
wer dringt da hinein? $41/6$ Wer ffnete die Trflgel seines
Gesichts? Rings um seine Zhne [lauert] Schrecken. $41/7$ Ein
Stolz sind die Schuppenreihen, verschlossen und fest versiegelt.
$41/8$ Eins fgt sich ans andere, und kein Hauch dringt
dazwischen, $41/9$ eins haftet am andern, sie greifen ineinander
und trennen sich nicht. $41/10$ Sein Niesen strahlt Licht aus,
und seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenrte. $41/11$ Aus
seinem Rachen schieen Fackeln, sprhen feurige Funken hervor.
$41/12$ Aus seinen Nstern fhrt Rauch wie aus einem angefachten
und glhenden Kochtopf. $41/13$ Sein Atem entzndet Kohlen, und
eine Flamme fhrt aus seinem Rachen. $41/14$ In seinem Hals
wohnt Strke, und vor ihm hpft die Angst her. $41/15$ Die
Wampen seines Fleisches haften zusammen, sind ihm fest
angegossen, unbeweglich. $41/16$ Sein Herz ist fest wie Stein
und fest wie der untere Mhlstein. $41/17$ Vor seinem Erheben
frchten sich Machthaber, vor Bestrzung ziehen sie sich zurck.
$41/18$ Trifft man ihn mit dem Schwert, es hlt nicht stand,
noch Speer, noch Wurfspie oder Harpune. $41/19$ Er hlt Eisen
fr Stroh [und] Kupfer fr faules Holz. $41/20$ Der Pfeil kann
ihn nicht vertreiben, Schleudersteine verwandeln sich fr ihn in
Stoppeln. $41/21$ Wie Stoppeln gilt ihm die Keule, und er lacht
ber den Aufprall des Krummschwertes. $41/22$ Unter ihm sind
Scherbenspitzen, auf dem Schlamm breitet er einen
Dreschschlitten aus. $41/23$ Er bringt die Meerestiefe zum
Sieden wie einen Kochtopf, macht das Meer wie einen Salbentopf.
$41/24$ Hinter sich lt er den Pfad hell werden, man hlt die
Tiefe fr graues Haar. $41/25$ Auf Erden ist keiner ihm gleich,
ihm, der zur Unerschrockenheit geschaffen ist. $41/26$ Auf alles
Hohe blickt er [herab]; er ist Knig ber alles stolze Wild.

Hiobs Antwort: Anerkenntnis der Gre Gottes und bufertiger
Widerruf seiner Anklagen.

\42\

$42/1$ Und Hiob antwortete dem HERRN und sagte:

$42/2$ Ich habe erkannt, da du alles vermagst und kein Plan fr
dich unausfhrbar ist. $42/3$ `Wer ist es, der den Ratschlu
verhllt ohne Erkenntnis?' So habe ich denn [meine Meinung]
mitgeteilt und verstand [doch] nichts, Dinge, die zu wunderbar
fr mich sind und die ich nicht kannte. $42/4$ Hre doch, und
ich will reden! Ich will dich fragen, und du sollst es mich
wissen lassen! $42/5$ Vom Hrensagen hatte ich von dir gehrt,
jetzt aber hat mein Auge dich gesehen. $42/6$ Darum verwerfe ich
[mein Geschwtz] und bereue in Staub und Asche.

Verurteilung und Begnadigung der Freunde Hiobs - Hiobs
Rechtfertigung.

$42/7$ Und es geschah, nachdem der HERR jene Worte zu Hiob
geredet hatte, da sprach der HERR zu Elifas, dem Temaniter: Mein
Zorn ist entbrannt gegen dich und gegen deine beiden Freunde:
Denn ihr habt ber mich nicht Wahres geredet wie mein Knecht
Hiob. $42/8$ Und nun nehmt euch sieben Jungstiere und sieben
Widder und geht zu meinem Knecht Hiob und opfert ein Brandopfer
fr euch! Und Hiob, mein Knecht, soll fr euch Frbitte tun. Nur
ihn will ich annehmen, damit ich euch nicht Schimpfliches antue.
Denn ihr habt ber mich nicht Wahres geredet, wie mein Knecht
Hiob.

$42/9$ Da gingen Elifas, der Temaniter, und Bildad, der
Schuchiter, [und] Zofar, der Naamatiter, hin und taten es, wie
der HERR zu ihnen geredet hatte. Und der HERR nahm Hiob an.

Gottes Segen ber Hiob.

$42/10$ Und der HERR wendete das Geschick Hiobs, als der fr
seine Freunde Frbitte tat. Und der HERR vermehrte alles, was
Hiob gehabt hatte, auf das Doppelte. $42/11$ Da kamen zu ihm all
seine Brder und all seine Schwestern und alle, die ihn frher
gekannt hatten. Und sie aen mit ihm Brot in seinem Haus, und
sie bekundeten ihm ihre Teilnahme und trsteten ihn wegen all
des Unglcks, das der HERR ber ihn gebracht hatte. Und sie
gaben ihm jeder eine Kesita und jeder einen goldenen Ring.
$42/12$ Und der HERR segnete das Ende Hiobs mehr als seinen
Anfang. Und er bekam vierzehntausend Schafe und sechstausend
Kamele und tausend Gespanne Rinder und tausend Eselinnen.
$42/13$ Und es wurden ihm sieben Shne und drei Tchter
[geboren]. $42/14$ Und er gab der ersten den Namen Jemima und
der zweiten den Namen Kezia und der dritten den Namen
Keren-Happuch. $42/15$ Und so schne Frauen wie die Tchter
Hiobs fand man im ganzen Land nicht. Und ihr Vater gab ihnen ein
Erbteil mitten unter ihren Brdern.

42/16$ Und Hiob lebte nach diesen [Ereignissen noch] 140 Jahre.
Und er sah seine Kinder und seine Kindeskinder, vier
Generationen. $42/17$ Und Hiob starb, alt und der Tage satt.
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