\23\

$23/1$ Paulus aber blickte den Hohen Rat fest an und sprach: Ihr
Brder! Ich bin mit allem guten Gewissen vor Gott gewandelt bis
auf diesen Tag. $23/2$ Der Hohepriester Hananias aber befahl
denen, die bei ihm standen, ihn auf den Mund zu schlagen. $23/3$
Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen, du getnchte
Wand! Und du, sitzt du da, mich nach dem Gesetz zu richten, und,
gegen das Gesetz handelnd, befiehlst du, mich zu schlagen?
$23/4$ Die Dabeistehenden aber sprachen: Schmhst du den
Hohenpriester Gottes? $23/5$ Und Paulus sprach: Ich wute nicht,
Brder, da es der Hohepriester ist; denn es steht geschrieben:
`Von dem Obersten deines Volkes sollst du nicht schlecht reden.
$23/6$ Da aber Paulus wute, da der eine Teil von den
Sadduzern, der andere aber von den Pharisern war, rief er in
dem Hohen Rat: Ihr Brder, ich bin ein Phariser, ein Sohn von
Pharisern; wegen der Hoffnung und Auferstehung der Toten werde
ich gerichtet. $23/7$ Als er aber dies gesagt hatte, entstand
ein Zwiespalt unter den Pharisern und den Sadduzern, und die
Menge teilte sich. $23/8$ Denn die Sadduzer sagen, es gebe
keine Auferstehung, noch Engel, noch Geist; die Phariser aber
bekennen beides. $23/9$ Es entstand aber ein groes Geschrei,
und die Schriftgelehrten von der Partei der Phariser standen
auf und stritten und sagten: Wir finden an diesem Menschen
nichts Bses; wenn aber ein Geist oder ein Engel zu ihm geredet
hat . . . $23/10$ Als aber ein groer Zwiespalt entstand,
frchtete der Oberste, Paulus mchte von ihnen zerrissen werden,
und befahl, da die Truppen hinabgingen und ihn aus ihrer Mitte
wegrissen und in das Lager fhrten.

$23/11$ In der folgenden Nacht aber stand der Herr bei ihm und
sprach: Sei guten Mutes! Denn wie du meine Sache in Jerusalem
bezeugt hast, so mut du auch in Rom zeugen.

Mordanschlag gegen Paulus

$23/12$ Als es aber Tag geworden war, rotteten sich die Juden
zusammen, verschworen sich mit einem Fluch und sagten, da sie
weder essen noch trinken wrden, bis sie Paulus gettet htten.
$23/13$ Es waren aber mehr als vierzig, die diese Verschwrung
gemacht hatten. $23/14$ Sie kamen zu den Hohenpriestern und den
ltesten und sprachen: Wir haben uns mit einem Fluch
verschworen, nichts zu genieen, bis wir den Paulus gettet
haben. $23/15$ Macht ihr nun jetzt mit dem Hohen Rat dem
Obersten Anzeige, damit er ihn zu euch herabfhre, als wolltet
ihr seine Sache genauer entscheiden; wir aber sind bereit, ehe
er nahe kommt, ihn umzubringen.

$23/16$ Als aber der Neffe des Paulus von der Nachstellung
gehrt hatte, kam er hin und ging in das Lager und meldete es
dem Paulus. $23/17$ Paulus aber rief einen von den Hauptleuten
zu sich und sagte: Fhre diesen jungen Mann zu dem Obersten,
denn er hat ihm etwas zu melden. $23/18$ Der nun nahm ihn zu
sich und fhrte ihn zu dem Obersten und sagt: Der Gefangene
Paulus rief mich herbei und bat mich, diesen jungen Mann zu dir
zu fhren, der dir etwas zu sagen habe. $23/19$ Der Oberste aber
nahm ihn bei der Hand und zog sich mit ihm abseits zurck und
fragte: Was ist es, das du mir zu melden hast? $23/20$ Er aber
sprach: Die Juden sind bereingekommen, dich zu bitten, da du
morgen den Paulus in den Hohen Rat hinabbringst, als wolle er
etwas Genaueres ber ihn erkunden. $23/21$ Du nun, la dich
nicht von ihnen berreden, denn mehr als vierzig Mnner von
ihnen stellen ihm nach, die sich mit einem Fluch verschworen
haben, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn umgebracht
haben; und jetzt sind sie bereit und erwarten die Zusage von
dir. $23/22$ Der Oberste nun entlie den jungen Mann und befahl
[ihm]: Sage niemandem, da du mir dies mitgeteilt hast.

Paulus wird nach Csarea gebracht

$23/23$ Und als er zwei von den Hauptleuten herbeigerufen hatte,
sprach er: Macht zweihundert Soldaten bereit, damit sie bis
Csarea ziehen, und siebzig Reiter und zweihundert Lanzentrger
von der dritten Stunde der Nacht an. $23/24$ Und sie sollten
Tiere bereit halten, da sie den Paulus darauf setzten und
sicher zu Felix, dem Statthalter, hinbrchten. $23/25$ Und er
schrieb einen Brief folgenden Inhalts: $23/26$ Klaudius Lysias,
dem hochedlen Statthalter Felix [seinen] Gru! $23/27$ Diesen
Mann, der von den Juden ergriffen wurde und nahe daran war, von
ihnen umgebracht zu werden, habe ich [ihnen], indem ich mit dem
Kriegsvolk einschritt, entrissen, da ich erfuhr, da er ein
Rmer sei. $23/28$ Da ich aber die Ursache wissen wollte,
weswegen sie ihn anklagten, fhrte ich ihn in ihren Hohen Rat
hinab. $23/29$ Da fand ich, da er wegen Streitfragen ihres
Gesetzes angeklagt war, da aber keine Anklage gegen ihn vorlag,
die des Todes oder der Fesseln wert wre. $23/30$ Da mir aber
ein Anschlag hinterbracht wurde, der gegen den Mann im Werk sei,
habe ich ihn sofort zu dir gesandt und auch den Klgern
befohlen, vor dir zu sagen, was gegen ihn vorliegt.

$23/31$ Die Soldaten nun nahmen, wie ihnen befohlen war, den
Paulus und fhrten ihn bei Nacht nach Antipatris. $23/32$ Am
folgenden Tag aber lieen sie die Reiter mit ihm fortziehen und
kehrten nach dem Lager zurck. $23/33$ Und als diese nach
Csarea gekommen waren, bergaben sie dem Statthalter den Brief
und fhrten ihm auch den Paulus vor. $23/34$ Als er es aber
gelesen und gefragt hatte, aus welcher Provinz er sei, und
erfahren, da [er] aus Zilizien [sei], $23/35$ sprach er: Ich
werde dich verhren, wenn auch deine Anklger angekommen sind.
Und er befahl, da er in dem Prtorium des Herodes bewacht
werde.

Paulus wird beim Statthalter Felix verklagt

\24\

$24/1$ Nach fnf Tagen aber kam der Hohepriester Hananias mit
einigen ltesten und Tertullus, einem Anwalt, herab, und sie
machten bei dem Statthalter Anzeige gegen Paulus. $24/2$ Als er
gerufen worden war, begann Tertullus die Anklage und sprach:
$24/3$ Da wir groen Frieden durch dich genieen und da durch
deine Frsorge fr diese Nation Verbesserungen getroffen worden
sind, so erkennen wir es allseits und berall, hochedler Felix,
mit aller Dankbarkeit an. $24/4$ Damit ich dich aber nicht
lnger aufhalte, bitte ich dich, uns in Krze nach deiner
Geneigtheit anzuhren. $24/5$ Denn wir haben diesen Mann als
eine Pest befunden und als einen, der unter allen Juden, die auf
dem Erdkreis sind, Aufruhr erregt, und als einen Anfhrer der
Sekte der Nazorer; $24/6$ der auch versucht hat, den Tempel zu
entheiligen, den wir auch ergriffen haben; ($24/7$) $8$24/ von
ihm kannst du selbst, wenn du ihn verhrt hast, ber alles dies
Gewiheit erhalten, dessen wir ihn anklagen. - $24/9$ Aber auch
die Juden griffen [Paulus] mit an und sagten, da dies sich so
verhalte.

Verteidigungsrede des Paulus vor Felix

$24/10$ Paulus aber antwortete, nachdem ihm der Statthalter zu
reden gewinkt hatte: Da ich wei, da du seit vielen Jahren
Richter ber diese Nation bist, so verteidige ich meine Sache
getrost. $24/11$ Du kannst ja erfahren, da es nicht mehr als
zwlf Tage sind, seit ich hinaufging, um in Jerusalem anzubeten.
$24/12$ Und sie haben mich weder im Tempel angetroffen, noch da
ich mit jemand in Unterredung war oder einen Auflauf der
Volksmenge machte, weder in den Synagogen noch in der Stadt;
$24/13$ auch knnen sie dir das nicht beweisen, weswegen sie
mich jetzt anklagen. $24/14$ Aber dies bekenne ich dir, da ich
nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, so dem Gott meiner
Vter diene, indem ich allem glaube, was in dem Gesetz und in
den Propheten geschrieben steht, $24/15$ und die Hoffnung zu
Gott habe, die auch selbst diese hegen, da eine Auferstehung
der Gerechten wie der Ungerechten sein wird. $24/16$ Darum be
ich mich auch, allezeit ein Gewissen ohne Ansto zu haben vor
Gott und den Menschen. $24/17$ Nach mehreren Jahren aber kam ich
her, um Almosen fr meine Nation und Opfer darzubringen. $24/18$
Bei diesen fanden sie mich, gereinigt im Tempel, weder mit
Auflauf noch mit Tumult; $24/19$ [es waren] aber einige Juden
aus Asien, die hier vor dir sein und Klage fhren sollten, wenn
sie etwas gegen mich htten. $24/20$ Oder la diese selbst
sagen, welches Unrecht sie gefunden haben, als ich vor dem Hohen
Rat stand, $24/21$ es sei denn wegen dieses einen Ausrufs, den
ich tat, als ich unter ihnen stand: Wegen der Auferstehung der
Toten werde ich heute von euch gerichtet.

$24/22$ Felix aber, der von dem Weg genauere Kenntnis hatte,
vertagte ihre Sache und sagte: Wenn Lysias, der Oberste,
herabkommt, so will ich eure Sache entscheiden. $24/23$ Und er
befahl dem Hauptmann, ihn in Gewahrsam zu halten und ihm
Erleichterung zu geben und niemandem von den Seinen zu wehren,
ihm zu dienen.

Paulus und Felix

$24/24$ Nach einigen Tagen aber kam Felix herbei mit Drusilla,
seiner Frau, die eine Jdin war, und lie den Paulus holen und
hrte ihn ber den Glauben an Christus. $24/25$ Als er aber ber
Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und das kommende Gericht
redete, wurde Felix mit Furcht erfllt und antwortete: Fr jetzt
geh hin; wenn ich aber gelegene Zeit habe, werde ich dich rufen
lassen. $24/26$ Zugleich hoffte er, da ihm von Paulus Geld
gegeben werde; deshalb lie er ihn auch fter holen und
unterhielt sich mit ihm. $24/27$ Als aber zwei Jahre verflossen
waren, bekam Felix den Porcius Festus zum Nachfolger; und da
Felix sich bei den Juden in Gunst setzen wollte, hinterlie er
den Paulus gefangen.

Paulus wird beim Statthalter Festus verklagt - Berufung auf den
Kaiser

\25\

$25/1$ Als nun Festus in die Provinz gekommen war, ging er nach
drei Tagen von Csarea hinauf nach Jerusalem. $25/2$ Und die
Hohenpriester und die Vornehmsten der Juden machten Anzeige bei
ihm gegen Paulus und baten ihn, $25/3$ indem sie es als eine
Gunst fr sich gegen ihn erbaten, da er ihn nach Jerusalem
kommen liee; sie machten einen Anschlag, ihn unterwegs
umzubringen. $25/4$ Festus nun antwortete, Paulus werde in
Csarea behalten, er selbst aber wolle in Krze abreisen. $25/5$
Die Angesehenen unter euch nun, sprach er, mgen mit hinabreisen
und, wenn etwas Unrechtes an diesem Mann ist, ihn anklagen.
$25/6$ Nachdem er aber nicht mehr als acht oder zehn Tage unter
ihnen verweilt hatte, ging er nach Csarea hinab; und am
folgenden Tag setzte er sich auf den Richterstuhl und befahl,
Paulus vorzufhren. $25/7$ Als er aber angekommen war, stellten
sich die von Jerusalem herabgekommenen Juden um ihn her und
brachten viele und schwere Beschuldigungen vor, die sie nicht
beweisen konnten, $25/8$ da Paulus sich verteidigte: Weder gegen
das Gesetz der Juden, noch gegen den Tempel, noch gegen den
Kaiser habe ich etwas gesndigt. $25/9$ Festus aber, der den
Juden eine Gunst erweisen wollte, antwortete dem Paulus und
sagte: Willst du nach Jerusalem hinaufgehen und dort dieser
Dinge wegen vor mir gerichtet werden? $25/10$ Paulus aber
sprach: Ich stehe vor dem Richterstuhl des Kaisers, wo ich
gerichtet werden mu; den Juden habe ich kein Unrecht getan, wie
auch du sehr wohl weit. $25/11$ Wenn ich nun unrecht getan und
etwas Todeswrdiges begangen habe, so weigere ich mich nicht zu
sterben; wenn aber nichts an dem ist, wessen diese mich
anklagen, so kann mich niemand ihnen preisgeben. Ich berufe mich
auf den Kaiser. $25/12$ Dann besprach sich Festus mit dem Rat
und antwortete: Auf den Kaiser hast du dich berufen, zum Kaiser
sollst du gehen. Paulus vor Festus und Herodes Agrippa II.

$25/13$ Als aber einige Tage vergangen waren, kamen der Knig
Agrippa und Bernice nach Csarea, den Festus zu begren.
$25/14$ Als sie aber mehrere Tage dort verweilt hatten, legte
Festus dem Knig die Sache des Paulus vor und sprach: Ein Mann
ist von Felix gefangen zurckgelassen worden, $25/15$
dessentwegen, als ich zu Jerusalem war, die Hohenpriester und
die ltesten der Juden Anzeige machten, indem sie ein Urteil
gegen ihn verlangten. $25/16$ Diesen antwortete ich: Es ist bei
den Rmern nicht Sitte, irgendeinen Menschen preiszugeben, ehe
der Angeklagte seine Anklger persnlich vor sich habe und
Gelegenheit bekommt, sich wegen der Anklage zu verteidigen.
$25/17$ Als sie nun hierher zusammengekommen waren, setzte ich
mich, ohne irgendeinen Aufschub, tags darauf auf den
Richterstuhl und befahl, den Mann vorzufhren. $25/18$ Als die
Anklger auftraten, brachten sie gegen ihn keine Beschuldigung
wegen beltaten vor, die ich vermutete. $25/19$ Sie hatten aber
einige Streitfragen gegen ihn wegen ihres eigenen Gottesdienstes
und wegen eines gewissen Jesus, der gestorben ist, von dem
Paulus sagte, er lebe. $25/20$ Da ich aber hinsichtlich der
Untersuchung wegen dieser Dinge in Verlegenheit war, sagte ich,
ob er nach Jerusalem gehen und dort wegen dieser Dinge gerichtet
werden wolle. $25/21$ Als aber Paulus Berufung einlegte und
forderte, da er fr die Entscheidung des Augustus behalten
werde, befahl ich, ihn zu bewahren, bis ich ihn zum Kaiser
senden werde. $25/22$ Agrippa aber [sprach] zu Festus: Ich
mchte wohl auch selbst den Menschen hren. - Morgen, sagte er,
sollst du ihn hren.

$25/23$ Als nun am folgenden Tag Agrippa und Bernice mit groem
Geprnge gekommen und mit den Obersten und den vornehmsten
Mnnern der Stadt in den Verhrsaal eingetreten waren und Festus
Befehl gegeben hatte, wurde Paulus vorgefhrt. $25/24$ Und
Festus spricht: Knig Agrippa und ihr Mnner alle, die ihr mit
uns zugegen seid, ihr seht diesen, um den mich die ganze Menge
der Juden angegangen hat, in Jerusalem wie auch hier, indem sie
gegen ihn schrien, er drfe nicht mehr leben. $25/25$ Ich aber,
da ich fand, da er nichts Todeswrdiges begangen, dieser selbst
aber sich auch auf den Augustus berufen hat, habe beschlossen,
ihn zu senden. $25/26$ ber ihn habe ich dem Herrn nichts
Gewisses zu schreiben. Deshalb habe ich ihn vor euch gefhrt und
besonders vor dich, Knig Agrippa, damit ich, wenn die
Untersuchung geschehen ist, etwas zu schreiben habe. $25/27$
Denn es scheint mir ungereimt, einen Gefangenen zu senden und
nicht auch die gegen ihn vorliegenden Beschuldigungen
mitzuteilen.

Rede des Paulus vor Festus und Agrippa

V. 9-18: Kap. 9,1-30; 22,1-21

\26\

$26/1$ Agrippa aber sprach zu Paulus: Es ist dir erlaubt, fr
dich selbst zu reden. Da streckte Paulus die Hand aus und
verteidigte sich: $26/2$ Ich schtze mich glcklich, Knig
Agrippa, da ich mich ber alles, dessen ich von den Juden
angeklagt werde, heute vor dir verteidigen soll; $26/3$
besonders weil du ein hervorragender Kenner bist von allen
Gebruchen und Streitfragen, die unter den Juden sind. Darum
bitte ich dich, mich langmtig anzuhren. $26/4$ Meinen
Lebenswandel nun von Jugend auf, der von Anfang an unter meiner
Nation in Jerusalem gewesen ist, wissen alle Juden. $26/5$ Sie
kennen mich von der ersten Zeit her - wenn sie es bezeugen
wollen -, da ich nach der strengsten Sekte unserer Religion,
als Phariser, lebte. $26/6$ Und nun stehe ich vor Gericht wegen
der Hoffnung auf die von Gott an unsere Vter geschehene
Verheiung, $26/7$ zu der unser zwlfstmmiges [Volk],
unablssig Nacht und Tag [Gott] dienend, hinzugelangen hofft.
Wegen dieser Hoffnung, o Knig, werde ich von den Juden
angeklagt. $26/8$ Warum wird es bei euch fr etwas Unglaubliches
gehalten, wenn Gott Tote auferweckt? $26/9$ Ich meinte freilich
bei mir selbst, gegen den Namen Jesu, des Nazorers, viel
Feindseliges tun zu mssen, $26/10$ was ich auch in Jerusalem
getan habe; und viele der Heiligen habe ich in Gefngnisse
eingeschlossen, nachdem ich von den Hohenpriestern die Vollmacht
empfangen hatte; und wenn sie umgebracht wurden, so gab ich
meine Stimme dazu. $26/11$ Und in allen Synagogen zwang ich sie
oftmals durch Strafen, zu lstern; und indem ich ber die Maen
gegen sie raste, verfolgte ich sie sogar bis in die
auslndischen Stdte. $26/12$ Und als ich dabei mit Vollmacht
und Erlaubnis von den Hohenpriestern nach Damaskus reiste,
$26/13$ sah ich mitten am Tag auf dem Weg, o Knig, vom Himmel
her ein Licht, das den Glanz der Sonne bertraf, welches mich
und die mit mir reisten umstrahlte. $26/14$ Als wir aber alle
zur Erde niedergefallen waren, hrte ich eine Stimme in
hebrischer Mundart zu mir sagen: Saul, Saul, was verfolgst du
mich? Es ist hart fr dich, gegen den Stachel auszuschlagen.
$26/15$ Ich aber sprach: Wer bist du, Herr? Der Herr aber
sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. $26/16$ Aber richte
dich auf und stelle dich auf deine Fe; denn hierzu bin ich dir
erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen dessen zu verordnen,
was du gesehen hast, wie auch dessen, worin ich dir erscheinen
werde. $26/17$ Ich werde dich herausnehmen aus dem Volk und den
Nationen, zu denen ich dich sende, $26/18$ ihre Augen aufzutun,
da sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der
Macht des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Snden
empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben an
mich geheiligt sind. $26/19$ Daher, Knig Agrippa, war ich nicht
ungehorsam der himmlischen Erscheinung, $26/20$ sondern
verkndigte denen in Damaskus zuerst und in Jerusalem und in der
ganzen Landschaft von Juda und den Nationen, Bue zu tun und
sich zu Gott zu bekehren, indem sie der Bue wrdige Werke
vollbrchten. $26/21$ Deshalb haben mich die Juden im Tempel
ergriffen und versucht, mich zu ermorden. $26/22$ Da mir nun der
Beistand von Gott zuteil wurde, stehe ich bis zu diesem Tag und
bezeuge sowohl Kleinen als Groen - indem ich nichts sage auer
dem, was auch die Propheten und Mose geredet haben, da es
geschehen werde -, $26/23$ da der Christus leiden sollte, da
er als Erster durch Totenauferstehung Licht verkndigen sollte,
sowohl dem Volk als auch den Nationen.

$26/24$ Whrend er aber dies zur Verteidigung sagte, spricht
Festus mit lauter Stimme: Du bist von Sinnen, Paulus! Die groe
Gelehrsamkeit bringt dich zum Wahnsinn. $26/25$ Paulus aber
spricht: Ich bin nicht von Sinnen, hochedler Festus, sondern ich
rede Worte der Wahrheit und der Besonnenheit. $26/26$ Denn der
Knig wei um diese Dinge, zu dem ich auch mit Freimtigkeit
rede; denn ich bin berzeugt, da ihm nichts hiervon verborgen
ist, denn nicht in einem Winkel ist dies geschehen. $26/27$
Glaubst du, Knig Agrippa, den Propheten? Ich wei, da du
glaubst. $26/28$ Agrippa aber sprach zu Paulus: In kurzem
berredest du mich, ein Christ zu werden. $26/29$ Paulus aber
sprach: Ich mchte zu Gott beten, da ber kurz oder lang nicht
allein du, sondern auch alle, die mich heute hren, solche
wrden, wie auch ich bin, ausgenommen diese Fesseln.

$26/30$ Und der Knig stand auf und der Statthalter und Bernice
und die mit ihnen da saen. $26/31$ Und als sie sich
zurckgezogen hatten, redeten sie miteinander und sagten: Dieser
Mensch tut nichts, was des Todes oder der Fesseln wert wre.
$26/32$ Agrippa aber sprach zu Festus: Dieser Mensch htte
losgelassen werden knnen, wenn er sich nicht auf den Kaiser
berufen htte.

Beginn der Romreise

\27\

$27/1$ Als es aber beschlossen war, da wir nach Italien
absegeln sollten, berlieferten sie Paulus und einige andere
Gefangene einem Hauptmann mit Namen Julius von der Schar des
Augustus. $27/2$ Nachdem wir aber in ein adramyttisches Schiff
gestiegen waren, das im Begriff stand, die Orte lngs [der
Kste] Asiens zu befahren, fuhren wir ab; und es war bei uns
Aristarchus, ein Mazedonier aus Thessalonich. $27/3$ Und am
anderen Tag legten wir in Sidon an. Und Julius behandelte den
Paulus sehr wohlwollend und erlaubte ihm, zu den Freunden zu
gehen, damit er ihrer Frsorge teilhaftig wurde. $27/4$ Und von
da fuhren wir ab und segelten unter Zypern hin, weil die Winde
widrig waren. $27/5$ Und als wir das Meer von Zilizien und
Pamphylien durchsegelt hatten, kamen wir nach Myra in Lyzien;
$27/6$ und als der Hauptmann dort ein alexandrinisches Schiff
fand, das nach Italien segelte, brachte er uns auf dasselbe.
$27/7$ Als wir aber viele Tage langsam segelten und mit Mhe in
die Nhe von Knidus gekommen waren, segelten wir, da uns der
Wind nicht heranlie, unter Kreta hin, gegen Salmone; $27/8$ und
als wir mit Mhe daran entlangfuhren, kamen wir an einen Ort,
Schnhafen genannt, in dessen Nhe die Stadt Lasa war.

Sturm und Schiffbruch auf der Romreise

$27/9$ Da aber viel Zeit verflossen und die Fahrt schon unsicher
war, weil auch das Fasten schon vorber war, mahnte Paulus
$27/10$ und sprach zu ihnen: Mnner, ich sehe, da die Fahrt mit
Unheil und groem Schaden, nicht nur der Ladung und des
Schiffes, sondern auch unseres Lebens, vor sich gehen wird.
$27/11$ Der Hauptmann aber glaubte dem Steuermann und dem
Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus sagte. $27/12$ Da aber der
Hafen zum berwintern ungeeignet war, rieten die meisten dazu,
von dort abzufahren, ob sie etwa nach Phnix gelangen [und dort]
berwintern knnten, einem Hafen von Kreta, der gegen Sdwesten
und gegen Nordwesten sieht. $27/13$ Als aber ein Sdwind sanft
wehte, meinten sie, ihre Absicht erreicht zu haben, lichteten
die Anker und fuhren nher an Kreta hin.

$27/14$ Aber nicht lange danach erhob sich von da her ein
Sturmwind, Eurakylon genannt. $27/15$ Als aber das Schiff mit
fortgerissen wurde und dem Wind nicht widerstehen konnte, gaben
wir es preis und lieen uns treiben. $27/16$ Als wir aber unter
einer kleinen Insel, Kauda genannt, hinliefen, konnten wir kaum
des Rettungsbootes mchtig werden. $27/17$ Dieses zogen sie
herauf und wandten Hilfsmittel an, indem sie das Schiff
umgrteten; und da sie frchteten, in die Syrte verschlagen zu
werden, lieen sie das Takelwerk nieder und trieben so dahin.
$27/18$ Da wir aber sehr unter dem Sturm litten, warfen sie am
folgenden Tag [Ladung] ber Bord; $27/19$ und am dritten Tag
warfen sie mit eigenen Hnden das Schiffsgert fort. $27/20$ Da
aber viele Tage lang weder Sonne noch Sterne schienen und ein
nicht geringes Unwetter [uns] bedrngte, schwand zuletzt alle
Hoffnung auf unsere Rettung.

$27/21$ Und als man lange Zeit ohne Speise geblieben war, da
stand Paulus in ihrer Mitte auf und sprach: O Mnner! Man htte
mir freilich gehorchen und nicht von Kreta abfahren und dieses
Unglck und den Schaden vermeiden sollen. $27/22$ Und jetzt
ermahne ich euch, guten Mutes zu sein, denn keiner von euch wird
verloren gehen, nur das Schiff. $27/23$ Denn ein Engel des
Gottes, dem ich gehre und dem ich diene, stand in dieser Nacht
bei mir $27/24$ und sprach: Frchte dich nicht, Paulus! Du mut
vor den Kaiser gestellt werden; und siehe, Gott hat dir alle
geschenkt, die mit dir fahren. $27/25$ Deshalb seid guten Mutes,
ihr Mnner! Denn ich vertraue Gott, da es so sein wird, wie zu
mir geredet worden ist. $27/26$ Wir mssen aber auf irgendeine
Insel verschlagen werden.

$27/27$ Als aber die vierzehnte Nacht gekommen war und wir im
Adriatischen Meer umhertrieben, meinten gegen Mitternacht die
Matrosen, da sich ihnen Land nahe. $27/28$ Und als sie das
Senkblei ausgeworfen hatten, fanden sie zwanzig Faden; nachdem
sie aber ein wenig weiter gefahren waren und das Senkblei wieder
ausgeworfen hatten, fanden sie fnfzehn Faden. $27/29$ Und da
sie frchteten, wir mchten etwa auf felsige Stellen verschlagen
werden, warfen sie vom Hinterschiff vier Anker aus und
wnschten, da es Tag wrde. $27/30$ Als aber die Matrosen aus
dem Schiff zu fliehen suchten und das Boot unter dem Vorwand,
als wollten sie vom Vorderschiff Anker auswerfen, in das Meer
hinablieen, $27/31$ sprach Paulus zu dem Hauptmann und den
Soldaten: Wenn diese nicht im Schiff bleiben, knnt ihr nicht
gerettet werden. $27/32$ Dann hieben die Soldaten die Taue des
Bootes ab und lieen es hinabfallen. $27/33$ Als es aber Tag
werden wollte, ermahnte Paulus alle, Speise zu nehmen, und
sprach: Heute schon den vierzehnten Tag wartend, seid ihr ohne
Essen geblieben, weil ihr nichts zu euch genommen habt. $27/34$
Deshalb ermahne ich euch, Speise zu nehmen, denn dies gehrt zu
eurer Rettung; denn keinem von euch wird ein Haar des Hauptes
verloren gehen. $27/35$ Und als er dies gesagt und Brot genommen
hatte, dankte er Gott vor allen, und als er es gebrochen hatte,
begann er zu essen. $27/36$ Alle aber wurden guten Mutes und
nahmen auch selbst Speise zu sich. $27/37$ Wir waren aber in dem
Schiff, alle Seelen, zweihundertsechsundsiebzig. $27/38$ Als sie
sich aber mit Speise gesttigt hatten, erleichterten sie das
Schiff, indem sie den Weizen in das Meer warfen. $27/39$ Als es
aber Tag wurde, erkannten sie das Land nicht; sie bemerkten aber
eine Bucht, die einen Strand hatte, auf den sie, wenn mglich,
das Schiff zu treiben gedachten. $27/40$ Und als sie die Anker
gekappt hatten, lieen sie sie im Meer und machten zugleich die
Haltetaue der Steuerruder los und hiten das Vordersegel vor den
Wind und hielten auf den Strand zu. $27/41$ Da sie aber auf eine
Landzunge gerieten, lieen sie das Schiff stranden; und das
Vorderschiff sa fest und blieb unbeweglich, das Hinterschiff
aber wurde von der Gewalt der Wellen zerschellt. $27/42$ Der
Soldaten Plan aber war, die Gefangenen zu tten, damit nicht
jemand fortschwimmen und entfliehen mchte. $27/43$ Der
Hauptmann aber, der Paulus retten wollte, hinderte sie an ihrem
Vorhaben und befahl, da die, welche schwimmen knnten, sich
zuerst hinabwerfen und an Land gehen sollten $27/44$ und die
brigen teils auf Brettern, teils auf Stcken vom Schiff. Und so
geschah es, da alle an das Land gerettet wurden.

Aufenthalt auf Malta

\28\

$28/1$ Und als wir gerettet waren, da erfuhren wir, da die
Insel Melite heie. $28/2$ Die Eingeborenen aber erzeigten uns
eine nicht gewhnliche Freundlichkeit, denn sie zndeten ein
Feuer an und nahmen uns alle zu sich wegen des eingetretenen
Regens und wegen der Klte. $28/3$ Als aber Paulus eine Menge
Reiser zusammenraffte und auf das Feuer legte, kam infolge der
Hitze eine Giftschlange heraus und hngte sich an seine Hand.
$28/4$ Als aber die Eingeborenen das Tier an seiner Hand hngen
sahen, sagten sie zueinander: Jedenfalls ist dieser Mensch ein
Mrder, den Dike, obschon er aus dem Meer gerettet ist, nicht
leben lt. $28/5$ Er nun schttelte das Tier in das Feuer ab
und erlitt nichts Schlimmes. $28/6$ Sie aber erwarteten, da er
aufschwellen oder pltzlich tot hinfallen werde. Als sie aber
lange warteten und sahen, da ihm nichts Ungewhnliches geschah,
nderten sie ihre Meinung und sagten, er sei ein Gott.

$28/7$ In der Umgebung jenes Ortes aber besa der Erste der
Insel, mit Namen Publius, Lndereien; der nahm uns auf und
beherbergte uns drei Tage freundlich. $28/8$ Es geschah aber,
da der Vater des Publius, von Fieber und Ruhr befallen,
daniederlag. Zu dem ging Paulus hinein, und als er gebetet
hatte, legte er ihm die Hnde auf und heilte ihn. $28/9$ Als
dies aber geschehen war, kamen auch die brigen auf der Insel,
die Krankheiten hatten, herbei und wurden geheilt; $28/10$ diese
erwiesen uns auch viele Ehren, und als wir abfuhren, luden sie
uns auf, was uns ntig war.

Weiterreise nach Rom

$28/11$ Nach drei Monaten aber fuhren wir ab in einem
alexandrinischen Schiff mit dem Zeichen der Dioskuren, das auf
der Insel berwintert hatte. $28/12$ Und als wir in Syrakus
gelandet waren, blieben wir drei Tage. $28/13$ Von dort fuhren
wir in einem Bogen und kamen nach Regium; und da nach einem Tag
sich Sdwind erhob, kamen wir den zweiten Tag nach Puteoli,
$28/14$ wo wir Brder fanden und gebeten wurden, sieben Tage bei
ihnen zu bleiben; und so kamen wir nach Rom. $28/15$ Und von
dort kamen die Brder, als sie von uns gehrt hatten, uns bis
Appii-Forum und Tres-Tabernae entgegen; und als Paulus sie sah,
dankte er Gott und fate Mut.

$28/16$ Als wir aber nach Rom kamen, wurde dem Paulus erlaubt,
mit dem Soldaten, der ihn bewachte, fr sich zu bleiben.

Gefangenschaft und Wirken des Paulus in Rom

$28/17$ Es geschah aber nach drei Tagen, da er die, welche die
Ersten der Juden waren, zusammenrief. Als sie aber
zusammengekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr Brder! Ich, der
ich nichts gegen das Volk oder die vterlichen Gebruche getan
habe, bin gefangen aus Jerusalem in die Hnde der Rmer
berliefert worden. $28/18$ Die wollten mich, nachdem sie mich
verhrt hatten, loslassen, weil keine todeswrdige Schuld an mir
war. $28/19$ Als aber die Juden widersprachen, war ich
gezwungen, mich auf den Kaiser zu berufen, nicht als htte ich
gegen meine Nation etwas zu klagen. $28/20$ Um dieser Ursache
willen nun habe ich euch herbeigerufen, euch zu sehen und zu
euch zu reden; denn wegen der Hoffnung Israels trage ich diese
Kette. $28/21$ Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben ber dich
weder Briefe von Juda empfangen, noch ist jemand von den
Brdern hergekommen und hat uns ber dich etwas Bses berichtet
oder gesagt. $28/22$ Aber wir begehren von dir zu hren, welche
Gesinnung du hast; denn von dieser Sekte ist uns bekannt, da
ihr berall widersprochen wird.

$28/23$ Als sie ihm aber einen Tag bestimmt hatten, kamen
mehrere zu ihm in die Herberge, denen er das Reich Gottes
auslegte und bezeugte. Und er suchte sie zu berzeugen von
Jesus, sowohl aus dem Gesetz Moses als auch den Propheten, von
frhmorgens bis zum Abend. $28/24$ Und einige wurden berzeugt
von dem, was gesagt wurde, andere aber glaubten nicht. $28/25$
Als sie aber unter sich uneins waren, gingen sie weg, als Paulus
ein Wort sprach: Trefflich hat der Heilige Geist durch Jesaja,
den Propheten, zu euren Vtern geredet $28/26$ und gesagt: `Geh
hin zu diesem Volk und sprich: Hrend werdet ihr hren und nicht
verstehen, und sehend werdet ihr sehen und nicht wahrnehmen.
$28/27$ Denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit
den Ohren haben sie schwer gehrt, und ihre Augen haben sie
geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit
den Ohren hren und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren
und ich sie heile. $28/28$ So sei euch nun kund, da dieses Heil
Gottes den Nationen gesandt ist; sie werden auch hren.
($28/29$)

$28/30$ Er aber blieb zwei ganze Jahre in seiner eigenen
Mietwohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen; $28/31$ er
predigte das Reich Gottes und lehrte die Dinge, die den Herrn
Jesus Christus betreffen, mit aller Freimtigkeit ungehindert.
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